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Standort Deutschland „So gute Noten wie noch nie“

16.03.2006 ·  Lange hatte der Standort Deutschland den Ruf teuer und unflexibel zu sein. Das Business-Barometer der Amerikanischen Handelskammer sieht mittlerweile wieder freundlicher aus: Viele amerikanische Firmen wollen in Deutschland mehr investieren.

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Unternehmen aus den Vereinigten Staaten geben dem Wirtschaftsstandort Deutschland bessere Noten als in den vergangenen Jahren. Die Amerikanische Handelskammer in Deutschland und The Boston Consulting Group stellten am Donnerstag in Berlin das Ergebnis ihres neuen Business-Barometers vor, dem zufolge sich verhaltener Optimismus bei Investoren breit macht. 44 Prozent wollen 2006 mehr investieren, 30 Prozent planen Neueinstellungen in Deutschland. Den Regierungswechsel bewerteten 72 Prozent positiv.

Der Präsident von AmCham Germany, Fred Irwin, sagte: „So gute Noten wie in diesem Jahr hat der Standort noch nie bekommen.“ 36 Prozent der Investoren gaben an, ihre Bewertung des Standortes Deutschlands habe sich in den vergangenen zwölf Monaten verbessert, im Vergleich zu 22 Prozent 2005. Wenn es Deutschland gelinge, zukunftsweisende Rahmenbedingungen für Investitionen zu schaffen, werde Deutschland zur Weltspitze gehören. Irwin äußerte die Hoffnung, daß Bundeskanzlerin Angela Merkel die vor der Wahl 2005 angekündigten Reformen in nächster Zeit auch innerhalb der großen Koalition durchsetzen werde.

Aprilwetter bei der Beschäftigung

Aufgeholt hat Deutschland laut Umfrage unter 78 Investoren, die 120 Milliarden Euro Jahresumsatz und 250.000 Arbeitsplätze repräsentieren, vor allem gegenüber Großbritannien. So liegt Deutschland bei Kompetenzzentren, die auf Marketing, Vertrieb und Entwicklung gerichtet sind, mit 54 Prozent deutlich vor Großbritannien mit 26 Prozent auf Platz eins als bester Standort für Zentralen. Auch bei Verwaltungs- und Finanzzentralen fällt im europäischen Vergleich die Wahl häufiger als früher auf Deutschland.

Einen Umsatzzuwachs erwarten dem Barometer zufolge 76 Prozent der amerikanischen Unternehmen; mehr Investitionen planen 44 Prozent. Zwar planen 31 Prozent Neueinstellungen, doch wollen gleichzeitig 28 Prozent Arbeitsplätze abbauen. BCG-Geschäftsführer Martin Koehler sprach daher von „Aprilwetter bei der Beschäftigung“. Mehr als jedes fünfte Unternehmen plane Verlagerungen innerhalb Europas, vor allem in Richtung Osteuropa. Deshalb habe sich der Wettbewerb für Deutschland verschärft. Unternehmen kritisierten vor allem die hohen Personalaufwendungen in Deutschland, die starke Regulierung des Arbeitsmarktes und die vergleichsweise hohen Steuersätze.

Wissensvorsprung Deutschlands schwindet

Koehler nannte die Verlagerung aus Kostengründen ein Warnsignal für den Hochtechnologiestandort Deutschland. „Wir müssen aufpassen, daß wir nicht zur reinen Verkaufstheke der amerikanischen Unternehmen in Europa werden, sondern Denkfabrik bleiben“, warnte er. Eine Schlüsselfunktion komme dabei dem Sektor Forschung und Technologie zu. Der Forschungsstandort Deutschland wird laut Umfrage als deutlich attraktiver bewertet als der Wirtschaftsstandort generell.

Der Vizepräsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, Norbert Quinkert, wies vor allem auf die Konkurrenz aus Asien hin. Asien überzeuge zunehmend nicht nur mit der Kostenseite der Produktion, sondern mit der Qualifikation der Mitarbeiter. Der Wissensvorsprung Deutschlands schwinde. Quinkert forderte Verbesserungen im Schul- und Universitätswesen sowie mehr Akademiker mit Abschlüssen in Natur- und Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Informatik. „Wir können nicht nur Dichter und Denker bleiben“, sagte er. Die Deutschen müßten auch ihre Skepsis gegenüber Innovationen abbauen.

US-Unternehmen investieren in Deutschland derzeit 120 Milliarden Euro und stehen für rund 850.000 Arbeitsplätze. Unter den größten Investoren sind die US-Autobauer Ford und General Motors mit seiner Tochter Opel sowie der Ölmulti Exxon Mobil.

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