15.03.2005 · Die deutsche Industrie will ihre Auslandsinvestitionen deutlich steigern. Dabei wird auch die Produktion im Inland abgebaut. Das geht aus einer Umfrage des Industrie- und Handelskammertags hervor.
Die Auslandsinvestitionen der deutschen Wirtschaft werden in diesem Jahr auf ein neues Rekordhoch steigen. Dies ergab eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) bei 7500 Unternehmen. Vier von sechs befragten Firmen wollen demnach in diesem Jahr im Ausland investieren und dabei teilweise Produktionskapazitäten aus dem Inland verlagern. Von diesen planen wiederum 42 Prozent höhere Investitionen als im Vorjahr. Dabei ist die Kostenersparnis im Vergleich zu Deutschland zweitwichtigstes Motiv.
Die Planungen für Auslandsinvestitionen hätten 2005 den höchsten Stand aller bisherigen Befragungen erreicht, heißt es in der DIHK-Studie. Hervorgerufen werde das durch das weiter starke Wachstum der Weltwirtschaft, aber auch „durch Kostenlasten am heimischen Standort“. Zwar signalisiere die Umfrage erstmals seit langem auch wieder einen Anstieg der heimischen Investitionen - die Firmen wollen jedoch hier meist nur ihre Maschinen modernisieren, anstatt neue anzuschaffen. „Inlandsinvestitionen geraten ins Hintertreffen", folgerte der DIHK.
Einsparungen bei Löhnen und sonstigen Kosten waren laut Studie für gut ein Drittel (34 Prozent) der Unternehmen wichtigstes Motiv für den Gang ins Ausland. Dies sind allerdings fünf Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Erstmals seit 2001 wichtigste Triebfeder war wieder der Aufbau von Vertriebskanälen und Kundendienst. Hintergrund ist der boomende Export, der von den Unternehmen durch Verkaufspersonal und Serviceleistungen flankiert werden muß.
Osten der EU vor China
Hauptziele für deutsche Unternehmen sind im Jahr nach der EU-Erweiterung die neuen Mitglieder der Europäischen Union, wie die Studie ergab. An zweiter Stelle folgte China. Am stärksten ist der Drang ins Ausland bei klassischen Exportbranchen, darunter Autoindustrie, Elektronik, chemische Industrie, Medizin-, Mess-, Steuerungstechnik sowie Maschinenbau. Dort plant laut der Umfrage rund jedes zweite Unternehmen Investitionen im Ausland. Daneben ist die Größe entscheidender Faktor für den Blick über die Grenze: Bei den Unternehmen über 1000 Beschäftigten planen dieses Jahr 69 Prozent Investitionen im Ausland.
Die These, daß durch Investitionen im Ausland spürbar auch Jobs im Inland entstehen, läßt sich laut DIHK durch die Studie nicht belegen. Demnach wollen in diesem Jahr 13 Prozent der im Ausland engagierten Unternehmen in Deutschland neue Stellen schaffen, 60 Prozent planen keine Veränderung und 27 Prozent wollen hierzulande Arbeitsplätze abbauen. Die Umfrageergebnisse deuteten an, „daß mehr als jedes dritte Invesitionsprojekt im Ausland dazu führt, daß heimische Kapazitäten auf den Prüfstand kommen“, hieß es.
Klare Signale von der Politik gefordert
„In einem dynamischen weltwirtschaftlichen Umfeld engagieren sich die Unternehmen angesichts des schwachen Wachstums des deutschen Marktes verstärkt im Auslandsvertrieb und der Markterschließung“, erklärte DIHK-Präsident Georg Ludwig Braun. Er forderte deshalb in der Reformdebatte schnelle Fortschritte. „Wir dürfen nicht nachlassen in der Modernisierung unseres Landes, denn die Welt um uns herum dreht sich weiter und nimmt keine Rücksicht auf deutsche Wahltermine.“
Braun forderte vom Jobgipfel bei Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Donnerstag „klare Signale“. Dabei nannte er unter anderem eine Unternehmenssteuerreform noch vor der Wahl 2006 sowie die Klarstellung der Rechtslage für betriebliche Bündnisse für Arbeit, um leichter Vereinbarungen über längerer Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich für Investitionszusagen der Wirtschaft zu schließen. Darüber hinaus müßten die Lohnzusatzkosten „dringend reduziert werden“, verlangte Braun. Zudem müßten Anreize zur Frühverrentung zurückgefahren werden. Die Politik müsse die Föderalismusreform wieder angehen, um das Kompetenzgefüge zwischen Bund und Länder „mit klaren Verantwortlichkeiten und Entscheidungsspielräumen“ zu modernisieren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |