14.10.2008 · In der deutschen Finanzwelt wird heftig debattiert: Welche Bank oder welche Versicherung muss das Rettungspaket in Anspruch nehmen und frisches Kapital aus dem Staatshaushalt bekommen? Die meisten Institute schweigen verbissen, doch am Markt überschlagen sich die Gerüchte.
Von Frank-Holger Appel, Carsten Knop und Holger PaulIn der deutschen Finanzwelt wird heftig debattiert, welche Bank oder welche Versicherung frisches Kapital aus dem Staatshaushalt in Anspruch nehmen muss. Strittig ist, ob es sinnvoll sein kann, auch ohne akute Not auf eine Kapitalzufuhr durch den Bund zurückzugreifen, um das Eigenkapital zu stärken. Dagegen spricht das Argument, dass sich derzeit kein Institut als Problembank mit dringendem Kapitalbedarf offenbaren will, wenn es nicht unbedingt sein muss. „Die Banken werden vermeiden wollen, dass der Staat künftig in ihrem Aufsichtsrat sitzt und auf die Geschäftspolitik erheblichen Einfluss ausübt“, sagt Uwe Angenendt, der Chefvolkswirt der BHF-Bank.
Aus den meisten Instituten heißt es derzeit, es seien noch zu wenige Details zu den am Montag vorgestellten Plänen der Regierung bekannt. Im Markt gibt es dennoch viele Gerüchte um vermeintliche Kandidaten für eine Staatshilfe. Mehrere Landesbanken, darunter die Bayern LB und die Landesbank Baden Württemberg, haben erklärt, man werde das gesamte Maßnahmenpaket der Regierung prüfen. Auch die Commerzbank, die die Stützungsangebote des deutschen Staates nach eigenen Angaben derzeit ebenfalls prüft, wird als Kandidat für eine Inanspruchnahme gehandelt. Sie soll über ihre Verbindung zur Hypothekenbank Eurohypo (in der die ehemalige Essen Hyp aufgegangen ist) ähnliche Schwierigkeiten haben wie die schwer angeschlagene Hypo-Real-Estate/Depfa-Gruppe. Allerdings sollen die Probleme nicht dasselbe Ausmaß haben, heißt es.
Der Ruf der Privatbanken steht auf dem Spiel
Andere Institute wie die Deutsche Bank kommentieren Anfragen zur möglichen Inanspruchnahme der staatlichen Kapitalhilfen nicht. Die Dresdner Bank erklärt auf Anfrage, man werde auch zum 30. September „eine wettbewerbsfähige Kapitalquote haben“. Die Hypovereinsbank verweist darauf, dass man über eine solide Kapitalausstattung verfüge.
Bei den nicht an der Börse notierten traditionellen Privatbanken stünde durch eine staatliche Eigenkapitalzufuhr sogar der gesamte Ruf auf dem Spiel, sagen Branchenkenner. Eine Bank, die immer damit geworben habe, im Familienbesitz geführt zu werden, könne sich jetzt kaum die Blöße geben und den Staat als Miteigner ins Haus lassen.
„Für Sal. Oppenheim können wir eine Inanspruchnahme dieses Angebots definitiv ausschließen“, erklärt Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter des Bankhauses. „Wir verfügen über ein gesunde Eigenkapitalausstattung und solide Bilanzrelationen. Heute bieten sich historisch einmalige Chancen, zu günstigsten Kursen wertvolle Beteiligungen zu erwerben. Sal. Oppenheim ist als unabhängige Privatbank seit rund 220 Jahren in Familienbesitz, und daran wird sich auch nichts ändern.“
Jeder fünfte Unternehmer spürt bereits die Kreditklemme
Die Entscheidung, ob eine Bank den staatlichen Rettungsring ergreife, hänge wesentlich von den Konditionen dieser Eigenkapitalzuführung ab und welche Alternativen ein Institut derzeit am Kapitalmarkt hat, sagt Thomas Hartmann-Wendels, Bankenprofessor an der Universität Köln. „Diejenigen Banken werden beim Staat zugreifen, die sich auf andere Weise nicht gut refinanzieren können“, sagt er. Der Staat sollte jedoch möglichst scharfe Bedingungen an die Eigenkapitalvergabe knüpfen, damit die Institute einen Anreiz haben, sich auf marktwirtschaftlichem Weg aus der Klemme zu befreien. „Wenn der Staat die Konditionen zu günstig macht, dann nehmen viele einen Schluck aus dieser Eigenkapitalpulle“, warnt Hartmann-Wendels.
Mit dem umfangreichen Rettungspaket will die Regierung auch die Gefahr einer Kreditklemme verringern. Durch die starken Belastungen ihres Eigenkapitals aufgrund hoher Abschreibungen werden die Banken immer mehr dazu gezwungen, die Kreditvergabe an Privatpersonen und Unternehmen einzuschränken. Dies geschehe schon allerorten, auch wenn es nach außen hin noch nicht so sichtbar sei, berichten Banker. Warnende Stimmen kommen dazu auch aus vielen Betrieben. Jeder fünfte Unternehmer spüre bereits eine Kreditklemme, berichteten die beiden Verbände ASU und BJU.
Wer verzichtet, hat Wettbewerbsnachteile
Erreicht die Belastung des Eigenkapitals eine kritische Größe und erscheint eine Kapitalerhöhung am Markt als wenig aussichtsreich, bleibt den betroffenen Instituten nur das Angebot der direkten Beteiligung durch die öffentliche Hand. Wer schon heute damit liebäugelt, verweist darauf, dass alle Finanzhäuser derzeit in einer Systemkrise seien. Deshalb sei es auch sehr wahrscheinlich, dass viele Konkurrenten diesen Weg gingen. Da auch im Ausland die Banken vom Staat gestützt würden, hätten diese Institute künftig einen Refinanzierungsvorteil und könnten bestimmte Produkte günstiger am Markt anbieten. Wer auf den Vorteil der Staatshilfe verzichte, gerate gegenüber den Wettbewerbern ins Hintertreffen - und werde von seinen Kunden und Aktionären möglicherweise gefragt, warum man das Angebot nicht wahrgenommen habe. Man müsse sich sehr gut überlegen, ob man in einer solchen Situation wirklich Stärke zeigen wolle.
Im anderen Lager heißt es, wer die Hilfe des Staates nicht brauche, müsse sie auch nicht ohne Not annehmen. Die Staatsbeteiligung sei auch mit Nachteilen verbunden - zum Beispiel der politischen Einflussnahme. Das sehe man nicht zuletzt mit Blick auf Großbritannien, wo das Management der Royal Bank of Scotland nach der Hilfe durch den Staat zum Jahreswechsel ausgetauscht werde und sich die Barclays Bank entschieden habe, zur Finanzierung lieber den Markt in Anspruch zu nehmen. Im aktuellen Umfeld ist eine Kapitalerhöhung zu plazieren ist möglich, aber schwierig und mit schlechten Konditionen für die Bank verbunden.
Außerdem könnte sich die Staatshilfe im Lauf der Zeit als Nachteil an der Börse erweisen. Die Investoren würden sich die Frage stellen, ob eine Bank, bei der der Finanzminister die Geschäftspolitik mitbestimmt, noch ausreichend ertragsstark sein könne, sagt Johannes Reich, Partner im Bankhaus Metzler. Offen ist derzeit auch, ob die geplante Lockerung der Bilanzregeln den Banken hilft, auf zusätzliches Eigenkapital verzichten zu können.
Reputationsfalle mit internationalen Wettbewerbsnachteilen für deutsche Häuser
Ami de Chapeaurouge (Schikane)
- 14.10.2008, 22:33 Uhr
Als Mumie kann man auch ueberleben.Sogar weltberuehmt werden.Echnaton bewies es.
Daniel Kleiner (Kleinermann1)
- 15.10.2008, 01:19 Uhr
Stolz auf die Deutsche Bank
Spiros Dionisis (serotonin)
- 15.10.2008, 07:19 Uhr
Selawi
Wolf Doleys (Karneades)
- 16.10.2008, 03:02 Uhr
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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