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Politische Metaphern : Die schwäbische Hausfrau

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Die schwäbische Hausfrau ist Angela Merkels „austerity postergirl“, glauben die Angelsachsen. Bild: Getty

Die Bundeskanzlerin hat die schwäbische Hausfrau zum Ideal erhoben. Dafür wurde Angela Merkel angefeindet, die Schwaben auch. Haben sie das verdient?

          Bekannt war sie im Ländle schon immer, mit großem Symbolwert wurde sie auch regelmäßig beschworen, sobald die Tugend der Sparsamkeit bedroht war. Egal wo, ob im Haushalt, im Betrieb oder in der Politik. Aber es bedurfte der Mahnung einer prominenten Dame aus der Uckermark, um ihr Weltruhm zu verschaffen: der schwäbischen Hausfrau.

          Es war eigentlich kein besonderer Auftritt, als die Bundeskanzlerin in den Hallen der Stuttgarter Messe auf den Fildern eine ihrer eher glanzlosen Reden hielt. Und es war eigentlich für die ihren Worten andächtig lauschenden Schwaben auch nichts Besonderes, was sie da angesichts der Verwerfungen auf den Finanzmärkten coram publico von sich gab: „Man hätte einfach die schwäbische Hausfrau fragen sollen“, rührte sie die landsmannschaftliche Seele. „Sie hätte uns eine Lebensweisheit gesagt: Man kann nicht auf Dauer über seine Verhältnisse leben.“ Da war es raus. Und kein Schwabe und keine Schwäbin im Publikum ahnte, was die Kanzlerin da für eine Lawine losgetreten hat.

          Eine Metapher macht die Runde

          Jedenfalls war klar: Seit Merkel die schwäbische Hausfrau zum Synonym für Sparsamkeit machte, wetteifern die Politiker mit der Verwendung dieser Metapher. Selbst der einstige Ministerpräsident Stefan Mappus bediente sich der tugendhaften Wirtschafterin, als er im Jahr 2010 rund 4,7 Milliarden Euro für den Kauf der ENBW-Anteile von dem französischen Energieversorger EdF über den Tresen schob: „Die schwäbische Hausfrau wird von dem Geschäft begeistert sein.“ Das sah zwar die Stuttgarter Staatsanwaltschaft nicht ganz so. Und jeder, der etwas zum verunglückten Kauf der ENBW-Anteile zu sagen hatte, vergaß nicht den vernichtenden Hinweis, dass die schwäbische Hausfrau über einen solchen Deal entsetzt gewesen wäre.

          Ebenso Finanzminister Wolfgang Schäuble, nicht gerade berühmt für ein lockeres Händchen beim Geldausgeben: Er legte umgehend nach dem Hinweis der Kanzlerin Wert darauf, dass schließlich auch seine Mutter eine schwäbische Hausfrau war. Abstrahlung dieser Tugend auf ihn inklusive.

          Die schwäbische Hausfrau wird international bekannt

          Christian Lindner, der FDP-Chef, wurde in einem Interview gefragt, ob er ein „Anhänger des Prinzips schwäbische Hausfrau“ sei, was der Oberliberale selbstredend bestätigte: „Ich finde, das hat sich als Lebensweisheit bewährt.“ Ob Winfried Kretschmanns ehemaliger Stellvertreter, der sozialdemokratische Wirtschaftsminister Nils Schmid, tatsächlich das Begriffspaar „schwäbischen Hausfrau“ nuschelte, als er wegen seiner sparsamen Haushaltspolitik mit einer überdimensionierten Null auf dem Stuttgarter Schlossplatz posierte, ist nicht bestätigt. Gutgläubige Zuschauer meinten aber, diese Worte von seinen Lippen gelesen zu haben. Verbürgt dagegen ist, dass sogar der Generalsekretär der internationalen Wirtschaftsorganisation OECD, der mexikanische Wirtschaftsprofessor José Ángel Gurría, auf die Chefin des schwäbischen Haushalts verweist, wenn er seinen Landsleuten und dem Rest der Welt die Sinnhaftigkeit allen Sparens ans Herz legt.

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