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Sparkassen-Pläne : Geld im Tresor statt bei der EZB

Im Tresorraum der Sparkasse in Aschaffenburg. Bild: Julia Zimmermann

Die EZB verlangt von Banken Strafzinsen, wenn sie ihr Geld bei der Notenbank deponieren. Die Banken denken deshalb darüber nach, selbst mehr Bargeld zu verwahren.

          Der negative Einlagenzins der Europäischen Zentralbank lässt die Banken über Ausweichmöglichkeiten für ihre Überschussliquidität nachdenken. In einem internen Rundschreiben des bayerischen Sparkassenverbands, das dieser Zeitung vorliegt, wird unverhohlen Werbung dafür gemacht, das Geld lieber im eigenen Tresor zu bunkern, als es bei der EZB zum Strafzins von 0,3 Prozent zu parken.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Die Sparkassen stellen sich deshalb die Frage, ob es für sie wirtschaftlicher sein könnte, hohe Bargeldwerte nicht – wie bisher – bei der EZB einzulagern, sondern stattdessen selbst zu verwahren“, heißt es in dem Schreiben. Zur Einschätzung der Kosten stellt der Verband, dem 71 Sparkassen angehören, die Auswirkungen auf den Versicherungsschutz näher dar und erörtert die „Möglichkeiten eines ‚EZB-Bargeldschutzes‘“.

          Es folgen Rechnungen, die den Vorteil herausstellen. Für den Versicherungsschutz von 1000 Euro würden 1,50 Euro zuzüglich Versicherungssteuer fällig. Zusammen macht das 0,1785 Prozent. Das liegt unter dem EZB-Strafzins von 0,3 Prozent. Allerdings entstehen eventuell weitere Kosten, sagen Branchenkenner, etwa für Geldtransporte oder mehr Einbruchsschutz. Dennoch kann sich die Geldeinlagerung im eigenen Tresor angesichts des Negativzinses der EZB lohnen.

          In Notenbankkreisen werden diese Überlegungen der Sparkassen aufmerksam registriert. Denn sie zeigen, dass ein Strafzins, der über die Schmerzgrenze hinausgeht, möglicherweise zu Ausweichreaktionen führt, die nicht der EZB-Stoßrichtung entsprechen. Ziel der EZB ist es, die Banken zu mehr Kreditvergabe zu drängen. Wenn diese das Geld aber in ihren Tresorkellern lagern, wäre das kontraproduktiv. Außerdem belastet der Strafzins die Profitabilität der Banken.

          „Der Strafzins kostet schon jetzt richtig Geld“

          „Der Strafzins kostet schon jetzt richtig Geld“, sagte ein ranghoher Notenbanker dieser Zeitung. Für eine Million Euro, die Banken bei der EZB einlagern, werden 3000 Euro fällig. Die Nutzung der EZB-Einlagenfazilität ist wegen der hohen Überschussliquidität im Markt, die auch von den EZB-Anleihekäufen herrührt, in den vergangenen Monaten gestiegen. Derzeit haben die europäischen Banken insgesamt 245 Milliarden Euro bei der EZB geparkt. Auf ein ganzes Jahr gerechnet müssten sie darauf 735 Millionen Euro Strafzins zahlen.

          Schon in der nächsten Woche könnte der EZB-Rat den Einlagenzins noch weiter in den negativen Bereich drücken. Angesichts der schwachen Inflation halten Analysten eine weitere „Lockerung“ der Geldpolitik mit einer noch stärkeren Senkung der Zinsen und möglicherweise eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms für wahrscheinlich. Der EZB-Rat könnte am Donnerstag den Strafzins auf minus 0,4 oder gar 0,5 Prozent senken, vermuten Beobachter. Unter Umständen wird der Strafzins auch gestaffelt verschärft. Höhere Negativzinsen erhöhten den Anreiz, dass Banken mit viel Überschussliquidität nach Alternativen Ausschau halten.

          Die Einlagerung im eigenen Tresor könnte somit zunehmen. Nach Angaben des bayerischen Sparkassenverbands hat es schon einige Anfragen nach dem Programm „EZB-Bargeldschutz“ gegeben. Genaue Zahlen wollte eine Sprecherin auf Anfrage nicht nennen. Ebenso werden keine Angaben zur Höhe der schon gezahlten Strafzinsen gemacht. Es könnte sich aber um Millionenbeträge handeln.

          Um so attraktiver wird die Eigenlagerung. Mit im Boot sitzt die Versicherungskammer Bayern. Der öffentlich-rechtliche Versicherer bietet den Sparkassen im Freistaat und in der Pfalz seit jeher den Schutz ihrer Kassenbestände an. Für die Möglichkeit des „EZB-Bargeldschutzes“ braucht die interessierte Sparkasse nun lediglich ihre bestehende Police anzupassen. In der Sparkassenregion Hessen-Thüringen und in Nordrhein-Westfalen gibt es bislang keine derartige Initiative. Diese ergebe wenig Sinn, solange Landesbanken den Sparkassen für Einlagen noch keine negativen Zinsen berechneten. Die Landesbank Helaba zumindest berechnet den hessisch-thüringischen Sparkassen (noch) keine Guthabengebühren. Die Sparkassen in dieser Region legen deshalb ihre kurzfristigen Überschüsse weiter bei ihrer Landesbank an.

          Quelle: F.A.Z.

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