http://www.faz.net/-gqe-8earr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 03.03.2016, 17:14 Uhr

Sparkassen-Pläne Geld im Tresor statt bei der EZB

Die EZB verlangt von Banken Strafzinsen, wenn sie ihr Geld bei der Notenbank deponieren. Die Banken denken deshalb darüber nach, selbst mehr Bargeld zu verwahren.

von , und
© Julia Zimmermann Im Tresorraum der Sparkasse in Aschaffenburg.

Der negative Einlagenzins der Europäischen Zentralbank lässt die Banken über Ausweichmöglichkeiten für ihre Überschussliquidität nachdenken. In einem internen Rundschreiben des bayerischen Sparkassenverbands, das dieser Zeitung vorliegt, wird unverhohlen Werbung dafür gemacht, das Geld lieber im eigenen Tresor zu bunkern, als es bei der EZB zum Strafzins von 0,3 Prozent zu parken.

Philip Plickert Folgen: Henning Peitsmeier Folgen: Hanno Mußler Folgen:

„Die Sparkassen stellen sich deshalb die Frage, ob es für sie wirtschaftlicher sein könnte, hohe Bargeldwerte nicht – wie bisher – bei der EZB einzulagern, sondern stattdessen selbst zu verwahren“, heißt es in dem Schreiben. Zur Einschätzung der Kosten stellt der Verband, dem 71 Sparkassen angehören, die Auswirkungen auf den Versicherungsschutz näher dar und erörtert die „Möglichkeiten eines ‚EZB-Bargeldschutzes‘“.

Es folgen Rechnungen, die den Vorteil herausstellen. Für den Versicherungsschutz von 1000 Euro würden 1,50 Euro zuzüglich Versicherungssteuer fällig. Zusammen macht das 0,1785 Prozent. Das liegt unter dem EZB-Strafzins von 0,3 Prozent. Allerdings entstehen eventuell weitere Kosten, sagen Branchenkenner, etwa für Geldtransporte oder mehr Einbruchsschutz. Dennoch kann sich die Geldeinlagerung im eigenen Tresor angesichts des Negativzinses der EZB lohnen.

 
Sparkassen denken darüber nach, Geld im Tresor zu lagern statt es zur EZB zu bringen

In Notenbankkreisen werden diese Überlegungen der Sparkassen aufmerksam registriert. Denn sie zeigen, dass ein Strafzins, der über die Schmerzgrenze hinausgeht, möglicherweise zu Ausweichreaktionen führt, die nicht der EZB-Stoßrichtung entsprechen. Ziel der EZB ist es, die Banken zu mehr Kreditvergabe zu drängen. Wenn diese das Geld aber in ihren Tresorkellern lagern, wäre das kontraproduktiv. Außerdem belastet der Strafzins die Profitabilität der Banken.

„Der Strafzins kostet schon jetzt richtig Geld“

„Der Strafzins kostet schon jetzt richtig Geld“, sagte ein ranghoher Notenbanker dieser Zeitung. Für eine Million Euro, die Banken bei der EZB einlagern, werden 3000 Euro fällig. Die Nutzung der EZB-Einlagenfazilität ist wegen der hohen Überschussliquidität im Markt, die auch von den EZB-Anleihekäufen herrührt, in den vergangenen Monaten gestiegen. Derzeit haben die europäischen Banken insgesamt 245 Milliarden Euro bei der EZB geparkt. Auf ein ganzes Jahr gerechnet müssten sie darauf 735 Millionen Euro Strafzins zahlen.

Schon in der nächsten Woche könnte der EZB-Rat den Einlagenzins noch weiter in den negativen Bereich drücken. Angesichts der schwachen Inflation halten Analysten eine weitere „Lockerung“ der Geldpolitik mit einer noch stärkeren Senkung der Zinsen und möglicherweise eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms für wahrscheinlich. Der EZB-Rat könnte am Donnerstag den Strafzins auf minus 0,4 oder gar 0,5 Prozent senken, vermuten Beobachter. Unter Umständen wird der Strafzins auch gestaffelt verschärft. Höhere Negativzinsen erhöhten den Anreiz, dass Banken mit viel Überschussliquidität nach Alternativen Ausschau halten.

Mehr zum Thema

Die Einlagerung im eigenen Tresor könnte somit zunehmen. Nach Angaben des bayerischen Sparkassenverbands hat es schon einige Anfragen nach dem Programm „EZB-Bargeldschutz“ gegeben. Genaue Zahlen wollte eine Sprecherin auf Anfrage nicht nennen. Ebenso werden keine Angaben zur Höhe der schon gezahlten Strafzinsen gemacht. Es könnte sich aber um Millionenbeträge handeln.

Um so attraktiver wird die Eigenlagerung. Mit im Boot sitzt die Versicherungskammer Bayern. Der öffentlich-rechtliche Versicherer bietet den Sparkassen im Freistaat und in der Pfalz seit jeher den Schutz ihrer Kassenbestände an. Für die Möglichkeit des „EZB-Bargeldschutzes“ braucht die interessierte Sparkasse nun lediglich ihre bestehende Police anzupassen. In der Sparkassenregion Hessen-Thüringen und in Nordrhein-Westfalen gibt es bislang keine derartige Initiative. Diese ergebe wenig Sinn, solange Landesbanken den Sparkassen für Einlagen noch keine negativen Zinsen berechneten. Die Landesbank Helaba zumindest berechnet den hessisch-thüringischen Sparkassen (noch) keine Guthabengebühren. Die Sparkassen in dieser Region legen deshalb ihre kurzfristigen Überschüsse weiter bei ihrer Landesbank an.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Abhängigkeit von Zinsersträgen Aufseher erhöhen den Druck auf die Banken

Die deutsche Finanzaufsicht hat die Banken zuletzt immer wieder ermahnt, ihre Abhängigkeit von Zinserträgen zu verringern und ihre Geschäftsmodelle zu überarbeiten. Wie reagieren die Institute und was bedeutet dies für den Kunden? Mehr Von Hanno Mußler, Markus Frühauf und Philipp Krohn

17.06.2016, 09:46 Uhr | Finanzen
Fintech Hub Frankfurt Fintech vs. Banken

Fintech vs. Banken Mehr

16.06.2016, 15:24 Uhr | Wirtschaft
Schwache Erträge GLS Bank will 5 Euro im Monat Zusatzgebühr verlangen

Die niedrigen Zinsen offenbaren, welche Banken ein besonders wackeliges Geschäftsmodell haben. Ein Ökonom sagt, wieso sie aber keine Strafgebühren von Privatkunden erheben werden. Mehr

17.06.2016, 17:07 Uhr | Finanzen
Cum-Ex-Geschäfte Der größte Steuerbluff aller Zeiten

Cum-Ex sind zwielichtige Aktiengeschäfte, mit denen Banken Milliarden Steuern gespart haben. Wie haben die das nur wieder geschafft? Mehr Von Corinna Budras

13.06.2016, 15:27 Uhr | Finanzen
Ralph Brinkhaus CDU-Politiker schimpft mit der EZB

Die Geldpolitik der EZB setzt gerade manches deutsche Geldhaus unter Druck. Ein führender Unions-Politiker verwendet nun nahezu dieselbe Wortwahl wie der Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Mehr

10.06.2016, 08:23 Uhr | Wirtschaft

Ein neuer Deal für die Briten

Von Heike Göbel

Manche sagen, man müsse an den Briten jetzt ein Exempel statuieren, damit andere Länder nicht auch die EU verlassen. Das führt in die Irre. Es liegt im Interesse der EU, den Briten die Tür nicht zuzuschlagen. Mehr 76


Märkte nach dem „Brexit“
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Euro in Dollar --  --
  FTSE 100 --  --
  Pfund in Euro --  --
  Pfund in Dollar --  --
  Gold --  --

„World Wealth Report“ So viele Millionäre leben in Deutschland

Weltweit hat das Vermögen der Millionäre im vorigen Jahr um vier Prozent auf 58,7 Billionen Dollar zugelegt. Deutschland ist dabei unter den vier Ländern mit den meisten Millionären – und hatte überdurchschnittliche Zuwächse. Mehr Von Christian Siedenbiedel 80 47

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --