08.05.2005 · Bundesfinanzminister Eichel wird der Rentenkasse voraussichtlich eher mit Steuermitteln aushelfen müssen als geplant. Im Juni sei die Liquidität „nur noch knapp gesichert“, heißt es. Das IW fordert unterdessen, die Rentenhöhe an die Kinderzahl zu koppeln.
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) wird der Rentenkasse in diesem Jahr voraussichtlich eher mit Steuermitteln aushelfen müssen als geplant. Wegen der Wachstumsschwäche, die sich auch in der nach unten korrigierten Wirtschaftsprognose der Bundesregierung manifestiert, werden die Beitragseinnahmen der Rentenversicherer in einigen Monaten vermutlich allein nicht ausreichen, um die Rente auszuzahlen. Denn entgegen der früheren Annahme, die Pflichtbeiträge würden 2005 um 1,2 Prozent zulegen, rechnet die Regierung nun nur noch mit 0,2 Prozent Zuwachs (F.A.Z. vom 27. April).
Nach einem Bericht des Bundessozialministeriums wird Eichel daher schon im September eine vorgezogene Rate des Bundeszuschusses, der inzwischen fast 80 Milliarden Euro im Jahr erreicht, an die Rentenkasse überweisen müssen. Schon im Juni sei die Liquidität „nur noch knapp gesichert“, zitiert der „Spiegel“ den Bericht. Die Rentenversicherer wollen die Wirkungen der enttäuschten Wachstumsannahmen auf die Rente diese Woche darlegen.
IW: Rentenhöhe an Kinderzahl koppeln
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schlägt unterdessen vor, das System der gesetzlichen Rente durch die Kopplung der Rente an die Kinderzahl langfristig aufrechtzuerhalten. Das Umlageverfahren lasse sich durch eine Kombination aus beitragsbezogener und an die Zahl der eigenen Kinder gekoppelter Rente langfristig finanzieren, schreiben die Kölner Wirtschaftsforscher in einer neuen Untersuchung.
Nach dem Modell soll derjenige, der keine Kinder erzieht, gegen die künftigen Beitragszahler-Generationen keinen vollen Rentenanspruch mehr haben. Vielmehr soll ein Anspruch nur in der Höhe entstehen, in der er sich indirekt - beispielsweise über Steuern - an Kindererziehungskosten anderer beteiligt. Dieser Anteil liege nach Berechnung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft bei 45 Prozent, heißt es beim IW. So würden Schulen und Hochschulen durch Steuern finanziert, die auch Kinderlose zahlten. Überdies seien Alleinstehende in eine höhere Steuerklasse eingeordnet. 55 Prozent der Kosten, die Kinder verursachten, übernähmen die Familien selbst. Dabei seien Vergünstigungen wie Kindergeld oder Ehegattensplitting schon berücksichtigt.
Niedrigeres Rentenniveau durch Kinderarmut
Nach dem IW-Modell, in dem die Anteilsrechnung übernommen wird, hätte ein Durchschnittsrentner 2003 mit seinen Beiträgen einen Rentenanspruch von 429 Euro (45 Prozent der Monatsrente von 954 Euro) erworben. Damit blieben 525 Euro (55 Prozent), die (bei einem statistischen Durchschnitt von 2,16 Kindern) nur an Eltern gezahlt werden. „Die kinderabhängige Rente würde das Problem der mit den zunehmenden Rentnerzahlen steigenden Ausgaben der Rentenkasse lösen“, schreiben die IW-Forscher. Denn 2030 beliefe sich das kinderbezogene Altersgeld bei durchschnittlich 1,63 Kindern je Frau nur noch auf 396 Euro.
Zudem ginge mit der sinkenden Geburtenrate auch die beitragsbezogene Rente zurück, die im IW-Modell an den steuerfinanzierten Kindererziehungskosten festgemacht sei. „Unter dem Strich würden die Ausgaben der Rentenversicherung bis 2030 nur um fünf Prozent klettern, obwohl die Rentnerzahl um 40 Prozent steigt.“
Das IW schreibt weiter, durch den von Rot-Grün eingeführten Nachhaltigkeitsfaktor, der den Rentenanstieg dämpfen soll, könnten zwar die Beiträge mittelfristig „einigermaßen in Schach gehalten werden“. Aber Familien mit Kindern seien benachteiligt. Schließlich sorgten Eltern für den Nachwuchs, der die Rentenbeiträge zahle, wenn sie selbst in den Ruhestand wechselten. Für die Kinderarmut anderer würden sie aber mit einem niedrigeren Rentenniveau bestraft.
Wenn man mindestens zwei Kinder großzieht...
Dies treffe zwar auch Kinderlose. Diese trügen aber weniger Erziehungskosten und könnten leichter zusätzlich für das Alter vorsorgen. Langfristig habe das Modell Charme: Wer heute in den Beruf einsteige, werde sich mit der gesetzlichen Rente 2030 kaum schlechter stehen als heute und müsse nicht zusätzlich vorsorgen - wenn er mindestens zwei Kinder großziehe.
Sollen Kinderlose einen „Solidarzuschlag" zahlen?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
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| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |