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Sozialabgaben Das Geld kriegen immer die anderen

„Mehr Netto vom Brutto“ hatte Bundeskanzlerin Merkel versprochen. Das Gegenteil ist eingetreten. Die Umverteilung nimmt zu. Nicht einmal 41 Prozent der Bundesbürger finanzieren ihren Lebensunterhalt noch selbst.

© dpa Was passiert mit den Sozialabgaben?

Irgendwas ist ins Rutschen gekommen in Deutschland. Nicht einmal 41 Prozent der Bundesbürger finanzieren ihren Lebensunterhalt noch selbst. Wer es tut, der hat von seiner Arbeit immer weniger. Zeile für Zeile auf dem Gehaltszettel schnurrt Brutto zu Netto. Steuern und Sozialabgaben, alles weg. Wohin fließen die Sozialabgaben?

Georg Meck Folgen:

Das Geld nimmt der Staat und verteilt es - und immer kriegen es die anderen. Und die anderen, das ist die Kehrseite der Entwicklung, die werden immer mehr. So wird immer schwieriger, was von Jean-Baptiste Colbert am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. einst zur höchsten Form der Staatskunst erhoben wurde: nämlich die „Gans so zu rupfen, daß man möglichst viel Federn bei möglichst wenig Geschrei bekommt“.

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Ist das überhaupt gerecht?

Das Volk murrt, die Kritik am Steuer- und Abgabenstaat wird lauter. Denn schon jetzt arbeiten die Deutschen die Hälfte des Jahres für den Staat, für die anderen. Jeder zweite verdiente Euro geht durch die Umverteilungsmaschinerie. Die Nettolöhne sind heute niedriger als vor 15 Jahren. „Die Menschen brauchen mehr Netto von ihrem Brutto, damit sie sich mehr Eigenverantwortung leisten können“, hatte Angela Merkel als Kanzlerkandidatin versprochen.

Was des Staates ist © F.A.Z. Vergrößern

Es kam anders, groß ist die große Koalition vor allem beim Abkassieren: Zum Jahreswechsel tritt die größte Steuererhöhung in der deutschen Nachkriegsgeschichte in Kraft: Mehrwertsteuer hoch, von 16 auf 19 Prozent. 20 Milliarden Euro sammelt die Regierung allein dadurch zusätzlich ein. Außerdem kürzt sie Pendlerpauschale und Sparerfreibetrag. Die Beiträge zur Rente werden teurer, die Gesundheit sowieso. Was passiert mit den Milliarden? Welche Gegenleistung erhält der Bürger? Und überhaupt: Ist das alles gerecht?

Das Geld ist fest verplant

Um diese Fragen zu klären, bedarf es eines Blickes auf den Gehaltszettel, zum Beispiel beim statistischen Durchschnittsverdiener: 3422,83 Euro weist dessen monatlicher Lohnzettel laut OECD auf. Im Jahr sind das 41.074 Euro. Ist der Durchschnittsdeutsche ein Mann, bekommt er etwas mehr, als Frau etwas weniger. Wenn dieser Prototyp kinderlos und alleine lebt, beläßt ihm der Staat jeden Monat 2005,46 Euro von den Bezügen, etwas mehr als die Hälfte des Bruttoverdienstes. Die Differenz, immerhin 1417 Euro, tritt der Mensch an das Gemeinwesen ab. Widerspruch zwecklos.

Das Geld ist fest verplant: 8568 Euro kassiert das Finanzamt jährlich direkt, von dort wird es - dem Föderalismus sei Dank - auf verschlungenen Wegen ausbezahlt: 45 Prozent landen jeweils beim Bund sowie den Ländern. 10 Prozent gehen an die Bürgermeister in den Kommunen.

Den Wohlfahrtsstaat gibt's auch billiger

Deutschland ist ein Steuerparadies. Sagt die Regierung. Sie meint das nicht im Scherz. Tatsächlich liegen einzelne Gruppen im internationalen Vergleich günstig: Eine vierköpfige Familie muß erst ab einem Jahreseinkommen von 37.000 Euro Steuern bezahlen - an dieser Grenze wiegen sich theoretisch die zu zahlende Einkommensteuer und das zu erhaltende Kindergeld auf. Millionen von Haushalten bleiben so vom Finanzamt verschont. Krankenkassen und Konsorten fordern trotzdem ihr Recht. Die Sozialabgaben müssen bezahlt werden. Und die steigen kontinuierlich.

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