17.07.2006 · Die Kosten einer Entscheidung kann einem niemand abnehmen, auch kein Politiker. Wer dieses Grundprinzip der Volkswirtschaftslehre ernst nimmt, kann sich nur gegen gesetzliche Rauchverbote aussprechen.
Von Patrick WelterWas für ein tolles Auto, dachte Paul, als er den neuen Wagen von Fritz sah. "Was hat der Schlitten denn gekostet?" "50 000 Euro", sagte Fritz. Diese Antwort versteht jeder. Auch Ökonomen werden im Regelfall keinen Einspruch erheben. Eigentlich aber wissen sie, daß die Antwort falsch ist.
Fritz hat zwar 50 000 Euro bezahlt. Die Kosten des Autokaufs aber liegen woanders. Fritz hätte mit dem Geld eine ausgedehnte Weltreise unternehmen oder seine Gattin mit teurem Schmuck verwöhnen können. Auf das Vergnügen des Weltenbummlers und auf das Glück mit einer zufriedenen Frau hat er verzichtet. Die Kosten des Autos bemessen sich für Fritz in dem Nutzen, der ihm und seiner Frau entgeht, weil es keine Schiffsreise und keinen Schmuck gibt.
Seine Opportunitätskosten ...
Ökonomen sprechen hier von Opportunitätskosten. Kaufe ich ein Auto, oder renoviere ich mein Haus? Gehe ich mit meiner Freundin aus, oder arbeite ich? In allen Lebenslagen stehen Menschen vor Alternativen. Immer bestimmen sich die Kosten der einen Option aus dem möglichen Nutzen, der durch den Verzicht auf die andere Option verlorengeht.
Weil Kosten entgangener Nutzen sind, gilt auch: Außer Fritz kennt die Kosten des Autos niemand. Nur Fritz weiß, wieviel Freude ihm eine Weltreise oder das Vergnügen seiner schmuckbehangenen Frau bereitet. Andere Menschen mögen versuchen, sich in Fritzens Gedanken hineinzuversetzen. Fritz mag die Entscheidung auch mit anderen beraten. Aber wenn es darum geht, dem Autoverkäufer 50 000 Euro hinzublättern, steht er alleine da. Er muß abwägen, ob ihm die Weltreise mehr wert ist als das neue Auto.
... kennt nur der Einzelne
Dabei geht es nicht nur um pekuniäre Größen, die mit Geld zu messen sind. Nichts in der Theorie und erst recht nichts im Leben schließt aus, daß Fritz auch die Freude am schnellen Fahren vergleicht mit dem Lächeln seiner Frau. Das Wägen des erwarteten Nutzens und damit der Kosten gehört zu jeder Entscheidung. Wägt Fritz nicht ab, entscheidet er auch nicht. Andere Menschen können für Fritz guten Gewissens nicht entscheiden: Sie kennen seinen Nutzen und seine Kosten nicht.
Ökonomen akzeptieren die Idee der Opportunitätskosten als ein Grundprinzip ihres Faches. Die Subjektivität des Nutzens und der Kosten haben sie in ihren Theorien und in ihren Ratschlägen indes nur halbherzig aufgenommen. In vielen Köpfen und in der Politik spukt deshalb die Vorstellung herum, daß die Kosten einer Entscheidung objektiv auch von Außenstehenden zu messen seien, eben mittels der Preise von Gütern. Dies stimmt freilich nur in einem theoretischen Extremfall, der unter anderem vollkommenen Wettbewerb voraussetzt, wie der Ökonom James Buchanan dargelegt hat. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
Gute Ökonomen sind liberal gesinnt
Der Nutzen freier Märkte liegt nach allgemeiner Auffassung darin, daß die Marktwirtschaft Wirtschaftswachstum und Wohlstand bringt. Das ist nicht zu bestreiten. Aus subjektivistischer Sicht aber besteht der Wert freier Märkte und einer freiheitlichen Gesellschaft darin, daß Menschen ihre Entscheidungen gemäß der von ihnen empfundenen Nutzen und Kosten treffen können. Gute Ökonomen, die die Prinzipien ihres Faches ernst nehmen, sind deshalb liberal gesinnte Ökonomen. Auch Fritz würde sich verbieten, daß ihm jemand vorschreibt, ob und welches Auto er kaufen soll.
Politiker kommen nicht daran vorbei, Entscheidungen zu treffen, deren Nutzen und Kosten für andere ihnen weitestgehend unbekannt sind. Nimmt man den Subjektivismus ernst, wissen sie aber eigentlich nie, ob sie mehr Schaden oder mehr Nutzen anrichten. Sie handeln wie James Dean in dem Film "Denn sie wissen nicht, was sie tun". Gute Ökonomen empfehlen der Regierung deshalb, sich weitmöglichst aus den Märkten herauszuhalten. Dies gilt für Ladenöffnungszeiten, Ökosteuern zur Regulierung externer Effekte und auch für die Frage eines Rauchverbots in Gaststätten.
Nichtraucher Fritz ...
Heute entscheiden die Menschen selbst, ob sie im Restaurant rauchen, passivrauchen oder nicht rauchen wollen. Weil Nichtraucher Fritz seinem Raucherfreund Paul das Vergnügen gönnt, zum Bier eine Zigarette zu rauchen, wird er manchmal ein wenig Passivrauch auf sich nehmen, um Paul zu treffen. Und weil Paul weiß, daß sein Rauchen Fritz stört, wird er gelegentlich auf das Nikotin verzichten. Weil Fritz und Paul selbst entscheiden, ob sie sich in einer verrauchten Kneipe oder in einem rauchfreien Kaffee treffen, ist sichergestellt, daß Nutzen und Kosten angemessen berücksichtigt sind.
... und die Gastwirte
Im übrigen leben Gastwirte im Unterschied zu Bundestagsabgeordneten davon, daß bei ihnen Gäste einkehren. Weil sie Gewinn erzielen wollen, prüfen Gastwirte genau, ob genügend Nichtraucher daran interessiert sind, rauchfrei zu speisen oder zu trinken. Im Wettbewerb richtet sich das Angebot so an den Wünschen der Gäste aus. Die Kaffeehauskette Starbucks bietet etwa rauchfreie Räume an, während man woanders rauchen darf. Nichts spricht dafür, daß Politiker eine bessere Lösung herbeiregulieren können.
Schlechtes Beispiel
Lars Johannes (lars.johannes)
- 20.07.2006, 00:07 Uhr
@ Herrn Schumacher
Paul Schächterle (paulimausi)
- 20.07.2006, 01:45 Uhr
dummes geschwätz
stephan halbeisen (drhalbeisen)
- 03.08.2006, 19:50 Uhr
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