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Soll der Vermieter die Provision zahlen? So löst sich das Makler-Problem nicht

Viele Mieter ärgern sich über Wohnungsmakler. Darum fordert Peer Steinbrück von der SPD, dass Vermieter ihren Makler künftig selbst bezahlen müssen. Experten entgegnen: Das nützt nichts.

© dapd Vergrößern

Immobilienmakler sind ein steter Quell ärgerlicher Geschichten. Fast jeder Deutsche hat einen Bekannten, der bei der Wohnungssuche schlechte Erfahrungen mit einem Immobilienmakler gemacht hat. Ein Entkommen gibt es kaum noch: Die Immobilienseite „Immobilienscout 24“ hat ausgezählt, dass in Hamburg mehr als 80 Prozent der angebotenen Mietwohnungen und -häuser über Makler angeboten werden.

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Doch Spaß macht das oft nicht. Makler sind teuer, und viele Mieter sehen den Sinn in ihrer Tätigkeit nicht. Ein paar Zeilen in eine Annonce schreiben, dann einen Massenbesichtigungstermin ausmachen - fertig. Die Mieter sind sauer. Der Mieterbund und Unterzeichner einer Petition haben schon vor einigen Wochen das „Besteller-Prinzip“ gefordert: Makler sollen von dem bezahlt werden, der sie beauftragt. Diese Forderung hat auch Peer Steinbrück von der SPD aufgenommen, zusammen mit einer Mietbremse. Der Maklerverband IVD ist dagegen und möchte lieber eine Makler-Prüfung einführen.

Hilft Steinbrücks Vorstoß? Experten, die sich mit Marktstrukturen oder Maklern in unterschiedlichen Branchen beschäftigen, haben den Vorschlag geprüft: Löst der Vorschlag die Probleme mit den Immobilienmaklern?

Problem 1: Makler kosten den Mieter viel Geld

Zwei Monatsmieten plus Mehrwertsteuer - das ist viel Geld dafür, dass man überhaupt einen Mietvertrag bekommt. Doch wenn der Vermieter den Makler bezahlt, wird es für den Mieter in Summe nicht billiger. „Vermieter werden die Zusatzkosten in ihre Kalkulation aufnehmen“, schätzt Daniel Zimmer, Jurist und Vorsitzender der Monopolkommission. Heute schon zahlen die Mieter vor allem in den Orten die Provision, wo Wohnungen knapp sind. Also können die Vermieter höhere Mieten durchdrücken.

Teuer wird es dann vor allem für die Mieter, die lange in der gleichen Wohnung bleiben. Betriebswirt Jörg Schiller an der Universität Hohenheim rechnet vor: Wenn der Vermieter davon ausgeht, dass er alle drei Jahre einen neuen Mieter hat und darum die Provision auf die drei Jahre verteilt, der Mieter aber fünf Jahre oder noch länger in der Wohnung wohnt, dann wird es für den Mieter in Summe teurer.

Und wenn auch die Mieterhöhungen gebremst werden? Dann gibt es für Leute mit Geld weniger Gründe, in Wohnungen zu investieren, wie Jurist Daniel Zimmer betont. „Dort, wo Marktkräfte eigentlich eine positive Wirkung entfalten und für ein zusätzliches Angebot sorgen könnten, werden also Anreize zur Investition genommen“, sagt Zimmer. „Im Ergebnis wird so die Ursache, der Wohnungsmangel, verstetigt, indem an Symptomen herumgedoktert wird.“

Problem 2: Makler geben keine Zufriedenheitsgarantie

Wenn der Mieter mit der Wohnung unzufrieden ist, weil sie doch zu laut ist - Pech gehabt, die Provision ist bezahlt und weg. Eine Zufriedenheitsgarantie gibt es nicht, nur unter scharfen Voraussetzungen können Mieter ihre Provision zurückverlangen. Auch eine Makler-Prüfung würde nur die größten Schwierigkeiten lösen, nicht aber die kleinen Unzufriedenheiten. Ein Problem, das sich in anderen Branchen durch den Wettbewerb löst: Wer unzufrieden ist, geht nicht mehr hin. Immobilienmakler treffen die Mieter allerdings häufig nicht wieder. Zu selten ziehen sie in eine neue Wohnung, und selten beauftragen sie den Makler selbst.

Die Vermieter arbeiten aber in Summe ebenfalls nicht häufiger mit Maklern zusammen, zu jeder vermieteten Wohnung gehört ein Vermieter und ein Mieter - allenfalls haben Vermieter mehr Erfahrung mit den Maklern am Ort. Doch gerade die erfahrenen Vermieter, die Immobilienfirmen, beauftragen oft gar keinen Makler, sondern organisieren ihre Vermietung mit eigenen Mitarbeitern.

Problem 3: Makler leisten zu wenig für ihren Preis

Kann es das schon gewesen sein? 1500 Euro Provision dafür, dass mancher Makler nur ein paar Zeilen online stellt und einen Massen-Besichtigungstermin veranstaltet? Es mag viel Geld zu holen sein - sicher ist: Es wollen auch viele Leute haben. Laut statistischem Bundesamt ist die Zahl der Mitarbeiter in der Vermittlung von Immobilien allein zwischen 2003 und 2007 von 36.000 auf 42.000 gestiegen, neuere Zahlen gibt es nicht. Und diese vielen Makler stehen ebenfalls im Wettbewerb um Wohnungen.

Am Ende ist es die grundlegende Knappheit an Wohnungen, die durchschlägt. „Aufgrund des knappen Wohnraums und des intensiven Wettbewerbs um attraktiven Wohnraum ist zweifelhaft, ob durch solche Markteingriffe die Courtagehöhen gedrückt werden können“, findet Betriebswirt Jörg Schiller. Er vergleicht die Situation auf dem Wohnungsmarkt mit der auf dem Versicherungsmarkt, wo die Versicherer über Versicherungsmakler um Kunden konkurrieren. Am Ende hätten Makler für einen neuen Versicherungsvertrag 18 Monatsbeiträge verlangen können. „Letztlich hat nur ein Gesetz zu maximalen Provisionen das Problem gelöst.“

Diese Problemlösung ist für Makler schon eingerichtet. Für Mietwohnungen ist die Maklerprovision auf zwei Monats-Kaltmieten plus Mehrwertsteuer beschränkt.

Fazit

Der Wirtschaftsweise Lars Feld hat eine eingängige Empfehlung: „Ich würde nicht regulieren.“

Quelle: FAZ.net

 
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Veröffentlicht: 11.01.2013, 12:47 Uhr

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