Home
http://www.faz.net/-gqe-ysvk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 12.04.2011, 22:09 Uhr

Solarstrom Das rote China gibt sich grün

China baut die meisten Atommeiler, investiert aber auch am stärksten in erneuerbare Energien. Vom Kernkraft-Unfall in Fukushima profitiert vor allem die Solarindustrie.

© dpa Die Ausbauziele für die Solarenergie in China bis 2015 sollen auf 10 Gigawatt verdoppelt werden

Die Nuklearkatastrophe in Japan hat die Energiepläne im Nachbarland China kräftig durcheinandergewirbelt. Zwar bleibt die Volksrepublik der am schnellsten wachsende Markt für neue Atomkraftwerke. Doch China verzögert den Ausbau und treibt stattdessen die erneuerbaren Energien voran. Schon jetzt gewinnt kein anderes Land der Welt mehr Strom aus Wasser und Wind, niemand investiert mehr in alternative Quellen als China.

Christian Geinitz Folgen:

Das Unglück in Fukushima überschattete in Peking die Beratungen über den neuen Fünfjahresplan, änderte aber zunächst nichts daran, dass China eine Vervierfachung seiner Atomstrom-Kapazitäten festlegte. Kaum war das Gesetz beschlossen, wurden die Ziele jedoch relativiert. Die Zentralregierung kündigte an, alle neuen Projekte bis zur Überprüfung der Sicherheit auf Eis zu legen und die bestehenden Anlagen, etwa ein Dutzend, gründlich zu untersuchen. Die Nationale Energiekommission bestätigte jetzt, dass die Ausbauziele für die Solarenergie bis 2015 revidiert und auf 10 Gigawatt verdoppelt werden sollen.

Mehr zum Thema

„Die Solarindustrie in China zählt zu den großen Gewinnern von Fukushima“, sagt der Energieberater Frank Haugwitz in Peking. „Bisher war sie eher ein Stiefkind, jetzt kann sie davon profitieren, dass die Kernenergie auch in China mit größerer Vorsicht betrachtet wird.“

Nirgendwo werden mehr AKWs gebaut als in China

Spätestens seit den Reaktorunfällen weiß die Welt, dass nirgendwo mehr Atomkraftwerke gebaut werden als in China. Das Land weitet auch die fossile Stromerzeugung kräftig aus und investiert stärker in erneuerbare Energien als alle anderen Volkswirtschaften. Jede Woche geht ein Kohlekraftwerksblock westlicher Größe in Betrieb, im Monat sind das Kapazitäten von fast 4000 Megawatt.

Im vergangenen Jahr zog das Land bei den Ausgaben für alternative Energien erstmals an Deutschland vorbei auf den ersten Platz. Nach einer Studie der Nichtregierungsorganisation Pew Charitable Trust in Washington betrugen die Investitionen rund 54 Milliarden Dollar, in Deutschland waren es etwa 41, in Amerika 34 Milliarden.

Der Grund für diese Rekorde ist der Energiehunger des Riesenreiches. Das Wachstum ist derart stark und die Effizienz derart schwach, dass sich der Stromverbrauch in den vergangenen 15 Jahren fast vervierfacht hat. Bisher gewinnt China seine Elektrizität zu 80 Prozent aus Kohle, zu 16 Prozent aus Wasser, zu 2 Prozent aus der Kernspaltung und zu einem Prozent aus Wind.

Da es jetzt schon mehr Kohlendioxid emittiert als alle anderen Länder, will es die Abhängigkeit von der Kohle verringern. Dabei sollen die erneuerbaren Energien eine entscheidende Rolle spielen - ebenso wie die Kernkraft.

Vervierfachung der Nuklearkapazität vorgesehen

Der neue Fünfjahresplan sieht bis 2015 eine Vervierfachung der Nuklearkapazität auf 40 Gigawatt vor. Der Zuwachs erfolgt von einem niedrigen Niveau aus, denn China ist erst spät in die Technik eingestiegen und unterhält - bei zehnmal mehr Einwohnern - nur ein Viertel so viele Meiler wie Japan.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Verteidigungsetat Amerika vervierfacht Mittel gegen russische Aggression

Mit deutlich mehr Geld wollen die Vereinigten Staaten ihre Präsenz in Osteuropa verstärken und die Bedrohung aus Russland kontern. Der Etat für den Kampf gegen den IS soll verdoppelt werden. Mehr

02.02.2016, 16:14 Uhr | Politik
Tiefster Stand seit 25 Jahren Wirtschaftswachstum in China fällt auf 6,9 Prozent

Das Wirtschaftswachstum in China ist so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte wie weitgehend erwartet um 6,9 Prozent zu. Im Jahr 2014 gab es noch ein etwas höheres Plus von 7,3 Prozent. Mehr

19.01.2016, 08:18 Uhr | Wirtschaft
Klimaparadoxon Saubere Luft macht die Sache auch nicht besser

Widersprüchlicher Umweltschutz: Die Maßnahmen zur Luftreinhaltung tragen offenbar zur Erwärmung des Erdklimas bei. Könnte Smog zu einer Abkühlung der Atmosphäre führen? Mehr Von Horst Rademacher

25.01.2016, 19:44 Uhr | Wissen
Belgien Das große Geschäft mit der Atomenergie

Während andere europäische Länder den Ausstieg aus der Atomenergie vorantreiben oder in erneuerbare Energien investieren, hält Belgien an seiner Linie fest. Die Regierung erteilte Atommeilern mit handbreiten Rissen wieder eine Laufzeitverlängerung. Mehr

01.02.2016, 11:00 Uhr | Wirtschaft
Unterhaltungsindustrie Außen Westen, innen China

Nach der Übernahme der Bildagentur Corbis und dem Erwerb der Hollywood-Produktionsgesellschaft Legendary: Wird die Weltkulturindustrie demnächst von Peking aus gesteuert? Mehr Von Mark Siemons

01.02.2016, 22:07 Uhr | Feuilleton

Obamas Schlaglöcher

Von Winand von Petersdorff

Der amerikanische Präsident will mit einer Sonder-Ölsteuer in Höhe von 10 Dollar auf das Fass Rohöl die marode Infrastruktur des Landes modernisieren. Dagegen ist nicht viel zu sagen. Mehr 6 5


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“