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Deutsche Klimaschutzziele : Cool bleiben

Ob die Eisberge vor Grönland langsamer schmelzen, wenn noch mehr Dämmplatten verbaut werden, ist umstritten. Bild: dpa

Kaum etwas verändert dieses Land so stark wie das Bemühen, etwas Gutes für das Klima zu tun. Das Mantra durchdringt die Wirtschaft und den Alltag der Menschen. Warum Sinn und Irrsinn dabei nah beieinanderliegen.

          Jana und Jens Steingässer sind dem Klimawandel auf der Spur. Die Erdatmosphäre hat sich in den vergangenen Jahrzehnten um knapp ein Grad Celsius erwärmt, und die Autorin und der Fotograf wollen wissen, welche Folgen das für das Leben auf unserem Planeten hat. Nach Grönland ist das Ehepaar aus Darmstadt deshalb gereist und hat implodierende Eisberge abgelichtet. Einmal durften sie dort das Haus nicht mehr verlassen, weil Eisbären, deren Lebensraum dahinschmilzt, der Siedlung ungewohnt nah kamen. In Lappland interviewten sie samische Rentier-Hirten. Und am anderen Ende der Welt, in Südafrika, dokumentierten sie bedrohte Ökosysteme und Pflanzen wie die absterbende Köcherbaum-Populationen. Um dem Klimawandel nahe zu kommen, mussten die beiden Tausende Kilometer reisen – denn die steigenden Temperaturen hinterlassen ihre Spuren zuallererst sehr weit weg von Frankfurt, Berlin oder Hamburg.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Weit weg? Für die deutlich sichtbaren Folgen in der Natur mag das stimmen. Für alles Weitere gilt das Gegenteil: Kaum etwas bewegt und verändert dieses Land derzeit so stark wie das Bemühen etwas Gutes für das Klima zu tun. Längst ist der Kampf gegen den Klimawandel angekommen in unseren Wohnzimmern, Fabriken und Parlamenten. Das Klimabewusstsein und das Streben nach sauberer Energie durchdringen das Denken vieler Bürger und Politiker und setzen Leitplanken für das Handeln. Sinnhaftes Vorgehen, vor allem auf internationaler Ebene, und irrsinniger Aktionismus sind dabei zu einer für viele nicht mehr trennbaren Allianz verschmolzen. Das führt dazu, dass die Klimadebatte wohl nirgends sonst auf der Welt derart emotional geführt wird und so viele Konsequenzen hat wie in dem Land, das für gerade einmal drei Prozent der Kohlendioxidemissionen auf dem Globus verantwortlich ist.

          Als Volk der Dichter und Dämmer verspottet

          Selten ist das mit einer solchen Wucht deutlich geworden wie in der zurückliegenden Woche. Sie beginnt mit einem Paukenschlag: Energieversorger Eon hisst am Sonntagabend überraschend die grüne Fahne und trennt den Unternehmensteil ab, der über Jahrzehnte die DNA des zweitgrößten deutschen Energieversorgers gebildet hat. Die Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke werden in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert, böse Zungen sprechen von einer „Bad Bank“. Das neue Kerngeschäft des Düsseldorfer Konzerns soll sich ganz um die erneuerbaren Energien drehen, verkündet der Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen. Die klimapolitisch motivierte Energiewende wirkt – und sie fordert Opfer.

          Einen Tag später, am Montag, blickt die Welt erwartungsvoll nach Lima. In der peruanischen Hauptstadt beginnt die 20. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen. Endlich wollen die Mitgliedstaaten den Weg frei räumen für ein für alle verbindliches Klimaschutzabkommen, das im kommenden Jahr in Paris unterzeichnet werden soll. Wenn die mit Abstand größten Emittenten China und die Vereinigten Staaten sich nicht sperren, könnte das tatsächlich ein enormer Fortschritt sein. Die Chancen stehen besser als in den vergangenen Jahren, heißt es zu Beginn der zweiwöchigen Marathontagung.

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