Home
http://www.faz.net/-gqg-73vez
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Sinkende Einkommens-Ungleichheit Warum Arm und Reich wieder gleicher werden

Die Einkommen armer und reicher Leute nähern sich in Deutschland wieder an. Und zwar schon seit 2005. Das liegt vor allem daran, dass die Arbeitslosigkeit sinkt. Aber es gibt noch andere Gründe.

© dpa Vergrößern Die Reichen sind nicht mehr so viel reicher: Yachten im Frankfurter Westhafen.

Es ist eine riesige Überraschung: Die Lohneinkommen – nicht: die Vermögen – der Deutschen sind seit Jahren wieder gleicher verteilt als noch vor wenigen Jahren. Forscher sprechen von einer „statistisch signifikanten Trendumkehr“, so hieß es am Donnerstag im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Jahre lang hatte genau dieses Institut davon berichtet, dass sich die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommen öffne.

Hauptgrund: Weniger Arbeitslose

Jan Grossarth Folgen:  

Die Hauptursache für die Trendwende  ist die steigende Erwerbsbeteiligung in Deutschland. Noch Anfang 2005 lag die Zahl der Arbeitslosen bei mehr als 5 Millionen. Heute beträgt sie - auch infolge der langjährigen Lohnzurückhaltung - weniger als 3 Millionen. Wer arbeitet, verdient in den meisten Fällen mehr Geld als zuvor in der Arbeitslosigkeit. Rund 7 Millionen der Stellen sind zwar „Minijobs“, auf denen viele Rentner, Jugendliche oder ehemalige Hausfrauen arbeiten. Aber auch deren Anzahl stagniert.  Mehr als 41 Millionen Deutsche sind heute insgesamt erwerbstätig, mehr als je zuvor und knapp 2 Millionen Menschen mehr als vor 10 Jahren. Das erhöht die Einkommen der Haushalte deutlich.

Dabei war Arbeitslosigkeit lange der Hauptfaktor, der die Ungleichheit der Einkommen in die Höhe trieb. Die Statistiker des DIW betrachten die Haushaltseinkommen. Jetzt steigen die Einkommen vieler Geringverdiener-Haushalte, wenn zum Beispiel ein Mitglied einer Familie eine neue Arbeitsstelle findet.

2011 wird es noch gleicher

Wie der Arbeitsmarktökonom Markus Grabka vom DIW am Donnerstag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte, rechnet er auch für das vergangene Jahr 2011 mit einer Fortsetzung des Trends – also eine weitere Angleichung höher und niedriger Einkommen. Das liege daran, dass die Arbeitslosigkeit weiter zurückgegangen sei und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verbreiteter sei.

Allein für dieses Jahr gebe es einen Zuwachs von rund 575.000 sozialversicherungspflichtigen Stellen in Westdeutschland und 100.000 in Ostdeutschland. Auch die hohen Lohnabschlüsse weit über der Inflationsrate in der Chemie- und Metallbranche und dem öffentlichen Dienst dürften zu einer weiteren Nivellierung der Ungleichheit führen.

Der Höhepunkt war 2005

Das DIW untersuchte sowohl die verfügbaren Einkommen als auch die Markteinkommen. Zum “verfügbaren Einkommen“ gehören auch staatliche Transfers - etwa „Hartz 4“-Leistungen oder Kindergeld. Das „Markteinkommen“ umfasst Lohn-, aber auch Kapital- oder Vermietungs-Einkünfte. Für beide Einkommensmaße gilt der Befund der Trendwende. Erstmals hatte das DIW schon 2008 vorsichtig auf diese Entwicklung hingewiesen.

Infografik / Ungleichheit der realen Haushaltsmarkteinkommen © Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Bilderstrecke 

Bis 2005 hatte sich die „Lohnschere“ hingegen über viele Jahre geöffnet. Den „Höhepunkt“ erreichte die politisch oft kritisierte Ungleichverteilung der Löhne demnach 2005. Seitdem kehre sich der Trend langsam wieder um, geht aus der an diesem Donnerstag in Berlin vorgestellten neuen Studie des DIW hervor. Sie basiert auf Daten des „sozioökonomischen Panels“ (Soep), einer der größten jährlichen Befragungen von vielen tausend Haushalten auf der Welt.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Oxfam-Studie Das reichste Prozent hat so viel wie der Rest der Welt

Der Unterschied zwischen Arm und Reich nimmt schockierende Ausmaße an, erklärt die Organisation Oxfam. Und nennt eine erstaunliche Zahl über die 80 reichsten Menschen der Welt. Mehr

19.01.2015, 07:50 Uhr | Wirtschaft
Deutschland lernt sparen (3) So reich sind Sie wirklich

Sie wollen, dass Ihr Geld mehr Zinsen bringt? Dann brauchen Sie die richtige Strategie. In unserem Videokurs erklärt Finanzprofessor Andreas Hackethal heute, wie Sie sich einen Überblick verschaffen - und warum Sie Ihr größtes Vermögen wahrscheinlich vergessen. Mehr

01.12.2014, 16:00 Uhr | Finanzen
Profiteure der Anleihenkäufe Die EZB-Geldpolitik macht Reiche noch reicher

Lockere Geldpolitik kann die Ungleichheit zwischen Armen und Reichen verschärfen, weil vor allem Vermögende von steigenden Kursen und höheren Häuserpreisen profitieren. Doch es gibt noch andere Effekte. Mehr Von Philip Plickert

24.01.2015, 08:46 Uhr | Wirtschaft
Erbschaftssteuer Die oberen zehn Prozent - Erben genügt als Beruf

Die Erbschaftswelle in Deutschland rollt. Die vorangegangene Generation hat Vermögen angehäuft. Während manche von der Rendite ihres Erbes leben, fällt es Arbeitnehmern immer schwerer aus ihrem Lohn Rücklagen bilden. Mehr

19.01.2015, 10:48 Uhr | Wirtschaft
Was ist Reichtum? Ziemlich besteuert

Machen 10.000 Euro im Monat reich? Die Statistik sagt: ja. Aber um vermögend zu werden, reicht es lange nicht. Ein Besuch im Reihenhaus eines Spitzenverdieners, der weiß, dass er nie ganz nach oben kommt. Mehr Von Mona Jaeger

15.01.2015, 06:28 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.10.2012, 12:57 Uhr

Athen auf Konfliktkurs

Von Ulrich Friese

Einen Tag nach Amtsantritt hat die neue griechische Regierung die Privatisierung der Häfen von Piräus und Thessaloniki gestoppt. Die neue Politik könnte auch den deutschen Flughafenbetreiber Fraport treffen. Mehr 1 8


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.