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Schweiz Krankenversicherung für alle

02.02.2010 ·  In der Schweiz ist es leichter, einer Polizeikontrolle zu entrinnen als der Krankenversicherung. Dies klingt zwar überzeichnet, aber richtig ist: Praktisch alle Schweizer und Ausländer müssen eine „obligatorische Grundversicherung“ abschließen.

Von Jürgen Dunsch, Zürich
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In der Schweiz ist es leichter, einer Polizeikontrolle zu entrinnen als der Krankenversicherung. Dies klingt zwar überzeichnet, aber richtig ist: Praktisch alle Schweizer und Ausländer müssen eine "obligatorische Grundversicherung" abschließen. Im Gegenzug sind die 91 Krankenkassen des Landes verpflichtet, jeden Antragsteller unabhängig von Vorerkrankungen und Alter aufzunehmen. Die Krankenversicherung wird allein von den Versicherten (und mit staatlichen Zuschüssen für Geringverdiener) finanziert, die Arbeitgeber bleiben außen vor. Wenn aus deutscher Sicht die Prämien mäßig erscheinen, muss beachtet werden, dass die Grundversicherung keine Zahnarztkosten beinhaltet, von den Versicherten ein Selbstbehalt von 10 Prozent verlangt wird und die Prämien je nach Kanton sehr unterschiedlich ausfallen können. Die Schweizer zahlen eine Kopfpauschale, also einen einheitlichen Beitrag. Wer seine Beiträge senken will, kann einen weiteren Selbstbehalt, die sogenannte "Franchise", vereinbaren.

Das Schweizer Gesundheitswesen zählt nach Ansicht von Fachleuten zu den besten in der Welt. Dies hat seinen Preis: 2007 musste der Staat zum 55 Milliarden Franken (37 Milliarden Euro) teuren System einen Anteil von 16 Prozent beisteuern. Dennoch spüren die Versicherten nicht nur bei den teuren Zusatzversicherungen, dass die Kosten aus dem Ruder zu laufen drohen.Für2010musstensieeine Prämienerhöhung in der Grundversicherung von durchschnittlich knapp 9 Prozent schultern, wobei die Kassen im teuersten Kanton nahezu 15 Prozent mehr verlangten. Alle Reformbemühungen, von einer Praxisgebühr über Boni für gesundheitsbewusste Versicherte bis hin zu einer Senkung der teuren Medikamentenpreise, blieben in Ansätzen stecken. Allerdings setzen sich mehr und mehr Managed-Care-Modelle durch. Die Sozialdemokraten forcieren darüber hinaus die Einführung einer Einheitskasse nach dem Vorbild der Renten- und Unfallversicherung. Das Echo ist allerdings sehr verhalten. Die Schweiz ist nicht nur ein Banken-, sondern auch ein Pharmaland, mit den Weltkonzernen Novartis und Roche als Leuchttürmen. An der Ausbildung von Ärzten hapert es allerdings.

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Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

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