http://www.faz.net/-gqe-79dok
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 26.05.2013, 12:39 Uhr

Schuldenkrise Mit links raus aus dem Euro

Die SPD will den Euro retten. Doch ausgerechnet unter den Sozialdemokraten ist die Euroskepsis weit verbreitet. Wie geht das zusammen?

von , Berlin
© dapd 18 Prozent der SPD-Anhänger können sich laut einer Umfrage vorstellen, eine Partei zu wählen, die sich für den Austritt aus dem Euro einsetzt

Es wäre nur ein Wort gewesen, vier Buchstaben lang, aber die Festgemeinde hat es zwei Stunden lang sorgsam gemieden. Ihren 150. Geburtstag haben die Sozialdemokraten am vergangenen Donnerstag in Leipzig als europäisches Fest inszeniert. „Die Sozialdemokratie hat Europa vorangebracht“, jubelte der französische Staatspräsident François Hollande. Nur der Begriff „Euro“ fiel im festlichen Rahmen des Gewandhauses kein einziges Mal.

Ralph Bollmann Folgen:

In den Reden der Feierstunde durfte der Sozialist François Mitterrand zwar mit Helmut Kohl über die Schlachtfelder von Verdun spazieren, aber nicht die Gemeinschaftswährung erfinden. Ausführlich wurde erwähnt, wie die SPD gegen wahltaktische Interessen die Weimarer Republik stützte, doch niemand hob hervor, dass sie selbst mitten im Wahlkampf noch für das zyprische Hilfspaket der Bundeskanzlerin stimmte.

Ein heikles Thema

Das Thema Euro und Eurorettung ist heikel für Sozialdemokraten. Denn die Partei, die sich an der Spitze so europafreundlich wie kaum eine andere präsentiert, hat unter ihren Wählern so viele Euroskeptiker wie sonst allenfalls FDP und Linkspartei. Eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen schreckte im April die Parteistrategen auf. Demnach können sich 18 Prozent der SPD-Anhänger die Wahl einer Partei vorstellen, die einen Austritt aus dem Euro befürwortet. Das sind fast so viele wie bei der Linken und beinahe doppelt so viele wie bei den Unionsparteien. Zahlen zur FDP gibt es nicht, weil die Partei für eine statistische Auswertung zu wenige Anhänger hat.

Mit der real existierenden Partei der Euroskeptiker, der „Alternative für Deutschland“ (AfD), können die Sympathisanten der SPD zwar deutlich weniger anfangen, hier liegt die Quote der potentiellen Überläufer nur bei sechs Prozent. Die Zahl ist aber immer noch genauso hoch wie bei den Unionsparteien. Auch hatten nach AfD-Angaben bis Anfang Mai schon 586 ehemalige SPD-Mitglieder ein Beitrittsformular der neuen Partei ausgefüllt, fast so viele wie aus der FDP. Bislang waren allerdings keine Mandatsträger darunter.

Infografik / SPD-Anhänger sind gegen Euroskepsis nicht immun © F.A.Z. Vergrößern

Am vorigen Wochenende räumte Spitzenkandidat Peer Steinbrück als erster führender SPD-Politiker öffentlich ein, dass seine Partei mit der AfD ein Problem haben könnte. „Ich bin mir nicht so sicher, bei wem die abgraben“, sagte er in einem Interview: „Wir wissen, dass sie am ehesten Stimmen bei der FDP und der Union abziehen, aber vielleicht auch bei uns.“

In der Umgebung des Vorsitzenden Sigmar Gabriel hat diese Bemerkung nicht jeden gefreut. Mit seinem Eingeständnis verstieß Steinbrück wieder einmal gegen die Linie der Parteizentrale. „Generell sollte die AfD nicht aufgewertet werden mit aktiven Stellungnahmen“, heißt es in einem Papier, das die Gegnerbeobachter des Willy-Brandt-Hauses im April formulierten. Die neue Partei sei ein Problem von Schwarz-Gelb, nicht der SPD, das ist die Linie nach außen. Intern heißt es: „Die AfD ist sehr ernst zu nehmen.“

Potential bei den „kleinen Leuten“

Das gilt vor allem aus der Perspektive einer Partei, die sich gerne als Vertretung der „kleinen Leute“ sieht. Bei Wahlberechtigten, die nur über einen Hauptschulabschluss verfügen, liegt das Potential für eine Anti-Euro-Partei nach einer Infratest-Umfrage doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Bevölkerung. Und das Berliner Forsa-Institut hat ermittelt, dass die Euroskepsis mit wachsendem Einkommen stetig abnimmt. Die Grünen als Partei des Bildungsbürgertums müssen sich deshalb wenig Sorgen machen.

Für die SPD sind die Zahlen alarmierend: Am größten ist die Abneigung gegen Hilfen für die Krisenstaaten bei den sozial schwächeren Wählerschichten, die Parteichef Gabriel mit dem neuen Linkskurs eigentlich zurückerobern wollte - entweder aus dem Lager der Nichtwähler oder von der kriselnden Linkspartei.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite

Vorsicht vor dem Grundeinkommen!

Von Patrick Bernau

Finnland testet das bedingungslose Grundeinkommen. Und die Freunde der Initiative jubeln. Aber Vorsicht: Noch bleiben viele Fragen offen. Mehr 14 27

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“