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Schottland stimmt ab : Schlafwandler in London

Die Schotten entscheiden bald, ob sie sich nach dreihundert Jahren von London lossagen. Gemessen daran, ist die Haltung in der britischen Hauptstadt ignorant.

          Für ausländische Beobachter in London hat der bevorstehende Volksentscheid zur schottischen Unabhängigkeit etwas Gespenstisches: Vieles spricht dafür, dass ein politisches und wirtschaftliches Erdbeben die Folge wäre, falls sich die Schotten Mitte September tatsächlich nach mehr als drei Jahrhunderten von London lossagen und einen souveränen Nationalstaat gründen sollten.

          Aber im Süden der britischen Insel herrscht sowohl in der breiten Bevölkerung als auch in der Politik eine Haltung gegenüber dieser historischen Grundsatzentscheidung vor, die man in höflicher Form als gelassen bezeichnen kann - oder weniger höflich als ignorant.

          Ganz anders ist die Stimmung in Schottland. Hier lässt das Referendum nur wenige kalt. Die Wahlprognosen deuten zwar darauf hin, dass eine Mehrheit dagegen sein wird, das Vereinigte Königreich zu zerschlagen. Aber angesichts dessen, was hier politisch und wirtschaftlich auf dem Spiel steht: Rechtfertigen Umfragen, deren Validität gerade bei diesem Grundsatzentscheid fragwürdig erscheint, wirklich Londons lässigen Umgang mit dem Referendum? Wohl kaum. Großbritanniens politische Elite schlafwandelt.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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