Ein deutliches Plus beim Fernverkehr hat der Deutschen Bahn AG erstmals in einem ersten Halbjahr schwarze Zahlen beschert. 35 Millionen Euro betrage das betriebliche Ergebnis nach Zinsen, teilte Bahnchef Hartmut Mehdorn in Berlin mit. Im Vorjahreszeitraum lag es bei minus 62 Millionen. Das für 2005 angepeilte Ziel von rund 400 Millionen Gewinn will die Bahn weiterhin erreichen. Den Erfolg im Fernverkehr trübt allerdings die Aussicht auf höhere Preise wegen des Ölpreisanstiegs.
Mehdorn sagte bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen, die Ölpreisentwicklung sei dermaßen „atemberaubend“, daß „wir noch in diesem Halbjahr etwas dazu sagen müssen“. Zwar steuere der Konzern gegen. „Wir werden aber möglicherweise nicht alles auffangen können.“ Preiserhöhungen seien in den Bahngremien bislang allerdings weder diskutiert noch beschlossen worden, fügte er hinzu. Gleichwohl präsentierte er bereits ein Szenario, wie der anhaltende Ölpreisanstieg die Bahn belastet. Die Bahn beobachte den Markt „sehr intensiv“, versuche gegenzusteuern, mache sich aber „große Sorgen“ um die Entwicklung, sagte Mehdorn. Im vergangenen Jahr hatte die Bahn die Preise im April um 3,4 und im Dezember noch einmal um 3,5 Prozent erhöht (siehe auch: "Teure Energie heißt, wir müssen die Preise erhöhen")
Verkehrsexperten warnen vor „Bumerang“
Verkehrsexperten sprachen sich gegen eine Preiserhöhung aus. Dies könne zum „Bumerang“ werden und Neukunden vertreiben, sagte der Grünen-Politiker Albert Schmidt. Auch der verkehrspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Dirk Fischer, nannte Fahrpreiserhöhungen „kontraproduktiv“. Stattdessen müsse die Bahn die hohen Benzinpreise nutzen, um mehr Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen, sagte Schmidt: „Die Kunden sind sehr preisbewußt geworden. Da muß man Kampfangebote auf wichtigen Strecken machen.“
Umsatz stieg um 4,2 Prozent
In den ersten sechs Monaten machte die Bahn 12,163 Milliarden Euro Umsatz, 4,2 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2004. Eines der Highlights im Konzern war Mehdorn zufolge der Fernverkehr, der nicht nur einen Umsatzanstieg von neun Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2004 verbuchte, sondern auch knapp 200 Millionen Euro mehr in die Kasse brachte. Damit „sind wir kurz vor dem Break-Even“, sagte Mehdorn.
Als Ursachen führte er die zahlreichen Sonderangebote, etwa das „Lidl-Ticket“ (siehe: Bahntickets neben der H-Milch: „Was gibt es denn da umsonst?“), ebenso an wie interne Maßnahmen und die gestiegene Akzeptanz der Schnellstrecken wie Hamburg-Berlin und Köln-Frankfurt. Zu den Aussichten heißt es allerdings, im zweiten Halbjahr werde der Fernverkehr wieder schlechter abschneiden, weil zahlreiche Posten wie Instandhaltungsmaßnahmen für ICE-Züge dazu kämen.
Während Regional- und Stadtverkehr mit einem Plus von rund 270 Millionen Euro etwa gleich blieben und der Bereich Transport und Logistik mit dem Schenker-Konzern insgesamt zulegte, entwickelte sich der Güterverkehr auf der Schiene weiter negativ, sowohl was die Umsätze als auch was die Erträge angeht. Ein Minus von 50 Millionen Euro verzeichnete die Schienengüterverkehrs-Tochter Railion. Mehdorn führte das auf das konjunkturelle Umfeld und die geringen Margen im Güterverkehr zurück.
hoher Energiepreis?
(hansdul)
- 11.08.2005, 15:08 Uhr
