Home
http://www.faz.net/-gqg-755ib
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

„Schattenbericht“ „Armut verfestigt sich“

Wer arm ist, bekomme in Deutschland immer weniger Chancen, seiner Armut zu entfliehen: Die Nationale Armutskonferenz fordert flächendeckende Mindestlöhne und gesetzliche Mindestrenten.

© dpa Vergrößern Das Risiko, arm zu werden ist größer als gedacht, schreibt der Bericht der Armutskonferenz

Wer arm ist, bekommt in Deutschland immer weniger Chancen, seiner Armut zu entfliehen. Seit einigen Jahren gebe es hierzulande die Tendenz, nach der sich Armut verfestige. Das geht aus dem Bericht der Nationalen Armutskonferenz (NAK) hervor, eines Zusammenschlusses sozial engagierter Gruppierungen, darunter der Caritasverband, das Rote Kreuz, der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Freie Wohlfahrtspflege.

Mit ihrem eigenen „Schattenbericht“ kommentiert die NAK den jeweils aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Die vierte Ausgabe dieser Analyse könnte noch in dieser Woche vom Kabinett verabschiedet werden. Die NAK fordert beispielsweise, in Deutschland flächendeckende gesetzliche Mindestlöhne einzuführen. „Mini-Löhne heute führen zu Mini-Renten morgen“, erklärte die NAK.

Gesetzliche Mindestrente

Außerdem verlangt sie: „Sozialversicherte, existenzsichernde Erwerbsarbeit im ersten und zweiten Arbeitsmarkt muss mit einem bundesweit bedarfsgerechten Ausbau von Betreuungsangeboten einhergehen.“ Erziehungs- und Pflegezeiten sowie Phasen der Erwerbslosigkeit müssten für die Rente „beitragsfähig“ gestaltet werden. Letztendlich schütze nur eine gesetzliche Mindestrente effektiv vor Altersarmut.

Mehr zum Thema

Zugleich kritisierten die Autoren des Berichts, dass die Politik die Chancen für einen Aufstieg überbewerte. Kleingeredet werde dagegen das Risiko zu verarmen. Auch das Auseinanderdriften von Arm und Reich werde in der Bundesregierung infrage gestellt.

Eine Frage der Definition

In der gesamten Armuts- und Reichtumsdebatte ist immer von zentraler Bedeutung, wie Armut konkret definiert wird. In der Praxis werden dafür verschiedene Ansätze verwendet. Die Vereinten Nationen und die Weltbank beispielsweise kategorisieren einen Menschen als arm, wenn er weniger als 1,25 Dollar am Tag zur Verfügung hat.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden, Eurostat und die OECD definieren Personen als arm, deren monatliches Nettoeinkommen weniger als 60 Prozent des nationalen Durchschnitts beträgt - für Singles in Deutschland liegt diese Schwelle derzeit beispielsweise bei 952 Euro im Monat.

Wissenschaftlicher Beirat: Altersarmut ist kein generelles Problem

Altersarmut ist in Deutschland nach Einschätzung von anderen Fachleuten kein generelles gesellschaftliches Problem. Armutsgefährdet sei eher die junge Generation, lautet das Fazit des am Dienstag in Berlin vorgestellten Gutachtens des unabhängigen wissenschaftlichen Beirats beim
Bundeswirtschaftsministerium.

Danach seien „unzureichende Erwerbsbiografien“ eine Gefahr, im späteren Alter in die Armut zu rutschen. Deshalb seien Maßnahmen wie Qualifizierung und Integration in den Arbeitsmarkt am ehesten geeignet, „die Altersarmut an der Wurzel zu packen“.

Auch spricht sich der Beirat in seinem Gutachten gegen gesetzliche Zusatzrenten aus. Die meisten derzeit diskutierten Vorschläge würden vor allem die Beitragszahler und die Steuerzahler belasten. Außerdem lehnen die Experten eine stärkere Anerkennung von Erziehungszeiten, von Zeiten der Erwerbsminderung oder der Arbeitslosigkeit ab.

Quelle: FAZ.NET/dpa/AP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Es geht um unser Geld Warum der Mindestlohn teuer ist

Mindestlohn und Alterseinkünfte: Immer wieder beschließt die Regierung Gesetzte ohne zu verraten, was sie wirklich kosten. Gut, dass jemand nachrechnet. Mehr Von Ernst Eggers

13.10.2014, 10:42 Uhr | Wirtschaft
Deutschland kriegt den Mindestlohn

Der Bundestag stimmte mit großer Mehrheit zu und beendete damit eine jahrelange politische Debatte um die gesetzliche Lohnuntergrenze. Mehr

03.07.2014, 16:12 Uhr | Politik
Epidemie Kann Ebola auf dem Landweg nach Deutschland kommen?

Kann sich Ebola bis nach Deutschland ausbreiten? An Flughäfen gibt es viele Kontrollen. Aber afrikanische Flüchtlinge kommen mit dem Zug oder in den Autos der Schlepper. Was Behörden und Fachleute zu diesem Szenario sagen. Mehr Von Uta Rasche

12.10.2014, 15:13 Uhr | Politik
FairTrade Mode aus Kenia

Die gemeinnützige Initiative Ethical Fashion bietet Frauen in Nairobi eine Chance, um der Armut zu entkommen. Durch die Organisation haben vor allem Frauen die Möglichkeit, Kontakte zu Modehäusern und Großhändlern zu knüpfen. Das Motto: "Keine Almosen, nur Arbeit". Mehr

31.07.2014, 14:48 Uhr | Wirtschaft
Thüringen Rot-Rot-Grün verschlägt der Wirtschaft die Sprache

Die Aussicht auf einen linken Ministerpräsidenten Bodo Ramelow lässt die Thüringer Wirtschaft offenbar verstummen. Was ist von der neuen Landesregierung zu erwarten? Ein Blick ins Wahlprogramm verschafft Klarheit. Mehr Von Claus Peter Müller und Henrike Roßbach

23.10.2014, 08:44 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.12.2012, 10:54 Uhr

Tests mit Schlagseite

Von Markus Frühauf

Bestünden alle Banken den Stresstest, hätte die EZB als künftige Bankenaufseherin schon vor dem Beginn versagt. Doch sie kann auch kein Interesse daran haben, die Schwächen der Banken schonungslos aufzudecken. Mehr 2 19


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Das verdienen Einwanderer hierzulande mehr

Viele Menschen ziehen nach Deutschland, weil sie hier mehr Geld verdienen können. Wie groß die Verdienststeigerungen sind und wie sie sich je nach Herkunftsland unterscheiden – unsere Grafik des Tages. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden