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Sarrazin-Affäre „Es geht immer alles, wenn man will“

19.10.2009 ·  Die Herren sprechen nicht mehr miteinander. Und doch vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Details über den Streit von Bundesbank-Präsident Axel Weber mit seinem Vorstandskollegen Thilo Sarrazin bekannt werden. Die neuesten Wendungen in der Bundesbank-Posse.

Von Stefan Ruhkamp
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Die Herren sprechen nicht mehr miteinander. Und doch vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Details über den Streit von Bundesbank-Präsident Axel Weber mit seinem Vorstandskollegen Thilo Sarrazin bekannt werden. Hat Sarrazin aus bösem Willen Weber auf die Palme gebracht? Oder hat Weber Sarrazin hereingelegt?

Hier die neuesten Wendungen in der Bundesbank-Posse rund um Sarrazins Interview mit der Kulturzeitschrift "Lettre International": Webers Warnung kam anscheinend zu spät, denn das Interview war wohl schon gedruckt, als er seine Empörung übermitteln ließ (siehe Sarazzin und Weber: Kabale unter Bundesbankern). Ein Punkt für Sarrazin.

Späte Entschärfung wäre durchaus möglich gewesen

Aber nun wird bekannt, dass Sarrazin auch bei einer früheren Warnung vermutlich nicht nachgegeben hätte. Selbst nach Webers Warnschuss bemühte er sich offenbar nicht um Schadenbegrenzung. Punktabzug für Sarrazin.

Eine sehr späte Entschärfung des Interviews wäre durchaus möglich gewesen, selbst nach Druck der Zeitschrift, sagte Frank Berberich, Chefredakteur von "Lettre International" der F.A.Z. "Es geht immer alles." Wegen einer falschen Seitennummerierung habe er selbst schon einmal eine halbe Auflage der Zeitschrift ein zweites Mal drucken lassen. Kostenpunkt etwa 20.000 Euro.

Doch der Bundesbank-Fall ist komplizierter. Es lohnt sich nachzuhalten, wer wann was wusste, weil auf den Eklat des Interviews - Sarrazin beklagte unter anderem den fehlenden Integrationswillen mancher Türken, und dass sie "ständig neue kleine Kopftuchmädchen" produzierten - eine heftige Reaktion der Bundesbank folgte. Weber distanzierte sich von Sarrazins Äußerungen. Wenig später legte Weber trotz Sarrazins öffentlicher Entschuldigung nach, was als kaum verklausulierte Rücktrittsforderung interpretiert wurde. Zudem entzog er Sarrazin einen Teil der Kompetenzen im Vorstand. Sarrazin ist nun nur noch für Informationstechnik und Risikokontrolle verantwortlich. Diese Eskalation wurde im Umfeld der Bundesbank unter anderem mit Webers Empörung über Sarrazins Entgleisung trotz der angeblich frühzeitigen Warnung begründet.

„Wenn man es wirklich will, kann man anrufen“

War Weber also von Anfang an empört und hat er Sarrazin rechtzeitig zur Ordnung gerufen? Dem Vernehmen nach erhielt Axel Weber am 14. September Kenntnis von dem Interview. Seine ablehnende Haltung ließ er Sarrazin ausrichten. Doch den soll die Warnung frühestens am 22. September erreicht haben. Zu diesem Zeitpunkt war die Sonderausgabe von Lettre International, die am 1. Oktober erschien, schon seit einem Tag gedruckt, die Termine für die Abgabe der Texte und der Redaktionsschluss (14. September) längst verstrichen. Ohne große Schwierigkeiten hätte man die Texte noch bis zum 17. September verändern können.

Und danach? Nach Drucklegung seien Änderungen zwar kostspielig, aber immer noch möglich, erläutert Berberich. Verzögerungen könnten die Verletzung von Verträgen mit Anzeigenkunden bedeuten. Man komme den eigenen Autoren aber in solchen Fällen sehr weit entgegen, sofern die Zeitschrift noch nicht ausgeliefert sei. Es gehe sicher nicht um Kosten in Millionenhöhe. "Wenn man es wirklich will, kann man anrufen und selbst eine sehr späte Änderung versuchen", sagt Berberich. Doch das habe niemand getan, weder die Pressestelle der Bundesbank noch Sarrazin. "Wir hätten alles versucht, um eine Katastrophe für einen unserer Autoren zu vermeiden." Stefan Ruhkamp

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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