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Sarrazin-Affäre Die letzte Warnung kam wohl zu spät

18.10.2009 ·  Die Affäre um das umstrittene Interview Thilo Sarrazins kocht abermals hoch: Darüber, wann die Bank Sarrazin informierte, dass Präsident Weber mit den Äußerungen nicht einverstanden sei, gibt es unterschiedliche Darstellungen.

Von Stefan Ruhkamp und Carsten Knop
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Zu der Frage, wann die Bundesbank ihr Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin informiert hat, dass der Präsident Axel Weber mit dem umstrittenen Interview seines Vorstandskollegen nicht einverstanden ist, gibt es unterschiedliche Darstellungen.

Die Bundesbank hat Vorwürfe zurückgewiesen, Weber habe erst protestiert, als dieses schon gedruckt war. Vielmehr habe Weber mehrere Passagen in dem Interview, das später einen Sturm der Entrüstung auslöste, sofort als inakzeptabel bezeichnet, als er persönlich Kenntnis davon erhielt. Er habe dann seinen Pressechef beauftragt, dies an Sarrazin weiterzugeben. Das habe dieser Sarrazin dann auch rechtzeitig mitgeteilt. Laut einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ wurde diese Aussage aber frühestens am 22. September und damit nach der Drucklegung weitergegeben (siehe Sarazzin und Weber: Kabale unter Bundesbankern).

Sarrazin: Habe das Interview als Privatperson gegeben

Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hatte in dem Anfang Oktober in der Berliner Zeitschrift „Lettre International“ erschienenen Interview gesagt, die Berliner Türken und Araber hätten keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel. „Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate“, ließ sich Sarrazin zitieren. In einer anderen Passage hieß es: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“

Daraufhin distanzierte sich die Bundesbank in ungewöhnlich deutlicher Form von Sarrazins Äußerungen.

Er selbst entschuldigte sich kurz darauf und betonte, er habe das Interview als Privatperson gegeben und nicht als Bundesbank-Vorstand. Etwaige Missverständnisse bedauerte Sarrazin in einer Erklärung. Gleichwohl beließ es Bundesbank-Präsident Axel Weber nicht dabei. Er bezeichnete das Interview und seine Folgen auf dem Treffen des Internationalen Währungsfonds vor zwei Wochen als Reputationsschaden für die Bundesbank, was von vielen Beobachtern als eine Rücktrittsaufforderung an Sarrazin interpretiert wurde.

Zuständigkeit für Bargeldversorgung entzogen

Mit den neuen Medienberichten und den Vorwürfen gegen Weber kocht die Affäre um das Sarrazin-Interview abermals hoch, obwohl sich die Vorstände der Bundesbank in der vergangenen Woche auf Stillschweigen geeinigt hatten. Sarrazin war zuvor am Dienstag von seinen Vorstandskollegen die Zuständigkeit für die Bargeldversorgung in Deutschland entzogen worden (siehe auch Vorstandsbeschluss: Bundesbank straft Sarrazin ab). Sarrazin ist seit Mai Vorstandsmitglied der Bundesbank. Nach dem Kompetenzentzug ist er noch für Informationstechnik und Risikokontrolle zuständig.

Die Bundesbank betont nun, Sarrazin habe ausdrücklich abgelehnt, bei dem Interview von der Kommunikationsabteilung betreut zu werden. Er habe frühe Warnungen vor möglichen heftigen Reaktionen auf das Interview ignoriert. Das Gespräch sei von Sarrazin selbst und nicht, wie nun dargestellt, von der Bundesbank autorisiert.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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