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Safran in Afghanistan : Das teuerste Gewürz der Welt

Gewürz per Hauspost: Safrananbau ist in Afghanistan ein Erfolgsmodell, doch Beschränkungen erschweren den Handel. Bild: Getty Images

In Afghanistan steigen viele Bauern von Opium auf Safran um. Es ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten des Wiederaufbaus. Doch das Nachbarland Iran, das den weltweiten Safranhandel bislang dominiert, beobachtet die Entwicklung mit Argwohn.

          Noch vor einigen Jahren war der Ghorian-Distrikt im Westen Afghanistans ein Zentrum des Drogenanbaus. Heute blühen dort violette Krokusse mit knallroten Stempelfäden: Safran, das angeblich teuerste Gewürz der Welt. "Safran ist der beste Ersatz für Opium, weil er ähnlich hohe Erträge abwirft und einen ebenso guten Markt hat", sagt Safranhändler Qudratullah Rahmati, der seine Waren zurzeit auf der Grünen Woche in Berlin ausstellt. Rund 2000 Dollar bekommt sein Unternehmen Afghan Red Gold für ein Kilo. "Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem", sagt er.

          Friederike Böge

          Redakteurin in der Politik.

          Seit 2004 hat sich die Anbaufläche für Krokusse am Hindukusch fast jedes Jahr verdoppelt und wäre wohl noch schneller gewachsen, wenn es nicht einen Mangel an Blumenzwiebeln gäbe. "Iran hat harte Strafen für die Ausfuhr der Knollen eingeführt. Oft wird gleich das ganze Fahrzeug beschlagnahmt", sagt Rahmati. Das Nachbarland, das den weltweiten Safranhandel bislang dominiert, beobachtet die Entwicklung jenseits der Grenze mit Argwohn, erst recht, seit die internationalen Sanktionen gegen Iran auch den Gewürzexport in Mitleidenschaft ziehen.

          Safran ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten des Wiederaufbaus in Afghanistan. Noch vor ein paar Jahren hatten afghanische Lebensmittel auf dem Weltmarkt keine Chance: schlecht verpackt, falsch geerntet, unsauber verarbeitet. Zahlreiche Hilfsorganisationen halfen dabei, den Bauern das Wissen über internationale Standards zu vermitteln.

          Die knallroten Stempelfäden werden später getrocknet als Gewürz verwendet
          Die knallroten Stempelfäden werden später getrocknet als Gewürz verwendet : Bild: AFP / SANYAEE DEVELOPMENT ORGANISATION

          Händler kämpfen mit Exportschranken

          "Die Kunst besteht nun darin, die besten Märkte zu erreichen", sagt Rahmati. Das allerdings ist für afghanische Unternehmen nicht so einfach. Geschäftskontakte scheitern oft schon an den Visa-Bestimmungen. Rahmatis Chef bekam keine Einreisegenehmigung für Deutschland, obwohl die Bundesregierung seinen Stand auf der Grünen Woche bezahlt. Die Kunden aus Europa und Amerika sind wegen des Krieges kaum gewillt, nach Kabul zu reisen. Noch schwieriger wird es beim Export. Gerade erst hat die Europäische Union Frachtflugzeugen vom Hindukusch die Landeerlaubnis entzogen. Rahmati musste deshalb seine Ware mit der Hauspost der amerikanischen Botschaft verschicken.

          Der Seeweg ist ebenso mühsam, Afghanistan hat keinen Zugang zum Meer. Händler klagen über Schikanen in Pakistan, Iran und Usbekistan. Oft würden Lastwagen aus Kabul über Wochen stehengelassen. Afghanische Lastwagen dürfen meist gar nicht erst die Grenze überqueren, weil ihre Fahrer weder Führerschein, Versicherung noch gewartete Fahrzeuge haben. Dann muss die Ware per Hand umgeladen werden, was vor allem frische Früchte gar nicht mögen.

          Im Länderranking der Weltbank belegt Afghanistan beim grenzüberschreitenden Handel den letzten Platz. 30 Unterschriften von verschiedenen afghanischen Behörden sind notwendig, um einen Container auszuführen. Ahmad Jawaid, der Chef der afghanischen Exportförderagentur, würde das gerne ändern. "Wenn Sie versuchen, die Zahl der beteiligten Institutionen zu reduzieren, treffen Sie auf Widerstand", sagt Jawaid. Das Hauptproblem sei, dass die Posten in den Ministerien nicht mit qualifizierten Bewerbern, sondern mit Vettern und politischen Verbündeten besetzt würden. Immerhin: Jawaid hat es mit deutscher Hilfe geschafft, Vertreter aller beteiligten Behörden unter einem Dach zusammenzuführen.

          Wer Geschäfte mit Afghanistan macht, braucht Geduld. In Dubai hinterlegten Kundinnen ihre Visitenkarten in den Geschäften, sagt ein Mitarbeiter des afghanischen Landwirtschaftsministeriums. Man möge sie anrufen, wenn die nächste Safranlieferung aus Afghanistan eintrifft.

          Quelle: boe./F.A.Z.

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