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RWE und Eon : Die Energiezwerge

Kühltürme des RWE-Kraftwerks Niederaußem, rechts der Kölner Dom. Bild: dpa

Noch immer wird das Märchen erzählt, die Energieriesen Eon und RWE seien die erfolgreichsten Lobbyisten des Landes, die die Energiewende blockieren, die Energiepreise erhöhen und die Ökostromer klein halten. Dabei werden sie gerade zu Zwergen degradiert.

          Die Energikonzerne Eon und RWE sind immer noch bestens geeignet für die Rolle des Schurken, denen man problemlos staatliche Preissenkungen auferlegen kann. Das hat SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück jetzt ernsthaft gefordert.

          In Wahrheit erlebt das Publikum heute Energiekonzerne, deren deutsche Geschäftsmodelle schlicht zerfallen. Eon, der einst größte Konzern mit Sitz in Deutschland, hat in fünf Jahren knapp 70 Prozent seines Wertes eingebüßt, RWE in der gleichen Spanne sogar noch mehr. Seit Fukushima (2011) hat sich der Börsenwert der beiden Riesen halbiert.

          Vorbei sind die Zeiten, als Bewerber sich um die Arbeitsplätze rissen, weil dort guter Lohn, sichere Arbeit und nicht zu viel Anstrengung lockten. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen die Papiere der Energiekonzerne Witwen und Waisen ans Herz gelegt wurden als langfristig sichere Geldanlage. Natürlich waren die Aktien damals auch eine sichere Nummer wegen der kartellähnlichen Energieerzeugungs- und -verteilungsstrukturen in Deutschland. Das hatte mit wettbewerblicher Marktwirtschaft wenig zu tun. Die Zeche für die Dividenden zahlten die Kunden. Ein Umbruch war zweifelsohne nötig.

          Doch was wir jetzt stattdessen haben, spottet jeder Beschreibung. Die klassischen Kraftwerke, die mit Gas oder Steinkohle befeuert werden, verlieren zunehmend ihre geschäftliche Existenzberechtigung. Ihr Betrieb lohnt sich nicht mehr, weil immer mehr Ökostrom in die Leitungen drängt.

          Nun könnte man sagen: Klasse, das war ja so gewollt. Das Problem ist nur: Man braucht die konventionellen Kraftwerke, denen die geschäftliche Basis abhandengekommen ist, leider noch eine ganze Weile, grob 30 bis 50 Jahre. Denn der Ökostrom reicht noch nicht aus zur Befriedigung der Nachfrage. Er wird ferner nicht dann geliefert, wenn man ihn braucht, und auch nicht dorthin, wo man ihn braucht.

          Eon und RWE werden zu Ersatzspielern

          Um das noch einmal zu verdeutlichen: Der unzuverlässige, staatlich geförderte Ökostrom verdrängt Kraftwerke, die den Strom geliefert haben, wenn er gebraucht wurde, und zwar dort, wo er gebraucht wird. Aus einem System, in dem die Nachfrage das Angebot steuert, wird eines, in dem Wind, Sonne und staatliche Förderung das Angebot bestimmen.

          RWE und Eon werden mit ihren deutschen Erzeugungskapazitäten zu Reservespielern degradiert. Gleichzeitig entstehen neue Subventionstatbestände, als ob noch nicht genug umverteilt würde im deutschen Energiesystem.

          Der Stromkunde wird über kurz oder lang die Energieversorger allein dafür bezahlen müssen, dass sie ihre unrentablen konventionellen Kraftwerke nicht einmotten, sondern stattdessen trotz schlechter geschäftlicher Perspektive am Netz lassen. Die Alternative wäre ein Blackout. Für die Kraftwerksbetreiber bleibt das Geschäft trotzdem schwer kalkulierbar, solange die Politik den Preis bestimmt

          Vor vier Jahren - vor der letzten Bundestagswahl - waren die Konzerne im Hinblick auf die Politik noch voller Zuversicht. Die Versorgeraktien stiegen vor dem Wahltermin in Erwartung eines Wahlsieges von CDU und FDP und der damit verbundenen Hoffnung auf Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke. Dann kam alles ganz anders. Dieses Mal dürfen die Konzerne nichts erwarten von einer neuen Bundesregierung. Rot-Grün wird die Probleme der Versorger eher noch verschärfen, Schwarz-Gelb zumindest nichts daran ändern. Die Energieunternehmen streichen weiter Arbeitsplätze, suchen ihr Heil im Ausland und senden schlechte Nachrichten an die Aktionäre. Riesen sind zu Zwergen geschrumpft.

          RWE und Eon werden mit ihren Kraftwerken zu Zwergen degradiert.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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          Quelle: F.A.S.

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