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Russland Geteilte Meinungen zu Putins Rückkehr

Wladimir Putin soll in Russland wieder das Amt des Präsidenten übernehmen. Die Wirtschaft ist erleichtert, dass die Zeit der Unsicherheit vorbei ist - vermisst aber ein Signal des Aufbruchs.

© dapd Vergrößern Ämtertausch: Wladimir Putin (l.) und Dmitrij Medwedjew

Die Ankündigung einer Ämterrochade zwischen dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew und dem Ministerpräsidenten Wladimir Putin hat unter Wirtschaftsbeobachtern zu einer einhelligen Feststellung geführt: Die Zeit der politischen Unsicherheit darüber, wer der nächste russische Präsident sein wird, ist vorbei. Die frühzeitige Klärung der Frage wird positiv vermerkt. Die Hoffnung auf wirtschaftliche Normalität herrscht vor.

Frank Schauff, Geschäftsführer der Interessensvertretung Association of European Businesses in Moskau, berichtet ohnehin von einem geringen Ausmaß an Aufgeregtheit der europäischen Unternehmen hinsichtlich der Nachfolgerfrage. Putins Rückkehr ins Präsidentenamt kam nicht überraschend, die Auswahl der Kandidaten war eingeschränkt. Während die Positionen in der ersten Reihe geklärt sind, könnten aber Positionskämpfe in der zweiten Reihe noch für Aufregung sorgen. Vor allem die Vorgänge um den russischen Finanzminister Aleksej Kudrin werden von Investoren genau verfolgt.

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An den Moskauer Aktienbörsen kam es zunächst am Montagmorgen zu fallenden Kursen. Damit wurde der Kursverfall der vergangenen Woche fortgesetzt. Im Handelsverlauf am Montag drehten die Börsenkurse jedoch ins Plus, um danach wieder nach unten zu zeigen. Es ist schwierig zu unterscheiden, ob der Kursverlauf mehrheitlich von äußeren Umständen oder von der Entscheidung zur Präsidentschaft getrieben war.

Die überraschende Ankündigung des russischen Finanzministers Aleksej Kudrin, einer Regierung unter einem Ministerpräsidenten Medwedjew nicht angehören zu wollen, wurde ebenfalls als Erklärung für den Kursverfall am Morgen herumgeboten. Kudrin gilt als einer der Väter der stabilitätsorientierten Makro- und Finanzpolitik und ist auch international sehr angesehen. Medwedjew ringt offenbar um seine Autorität und forderte Kudrin auf zurückzutreten. Nach dieser Meldung setzte ein Verkauf an den Börsen ein.

Stabilität des politischen Gefüges

Die zwischenzeitige Kurserholung kann auf eine verbesserte Situation an den internationalen Finanzmärkten zurückgeführt werden, der Preis für Erdöl war ebenfalls gestiegen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitierte zudem einen Händler, dass wohl mit dem russischen Staat verbundene Investoren für einen Kursanstieg sorgen hätten müssen. Auf alle Fälle stiegen vor allem die Kurse von Konzernen in der Energiebranche und von Unternehmen mit „starken“ Verbindungen zum inneren Zirkel. Die Talfahrt des Rubels gegenüber Euro und Dollar hingegen setzte sich am Montag fort. Seit einiger Zeit befindet sich die russische Währung aufgrund sinkender Erdölpreise und Kapitalflucht unter Druck.

Neben der Eliminierung der Unsicherheit verweisen Wirtschaftsvertreter vor allem auf die Stabilität des politischen Gefüges in Russland. Stabilität als Vorhersehbarkeit ist ein wichtiger Faktor für die Attraktivität eines Investitionsstandorts. Für die deutsche Wirtschaft könnte die Rückkehr Putins in das Präsidentenamt angesichts seiner wohlwollenden Einstellung gegenüber Deutschland positiv sein, meint Michael Harms, Vorstandsvorsitzender der deutsch-russischen Auslandshandelskammer Moskau. Harms sagt auch, insgesamt sei die Entscheidung aber kein Signal des Aufbruchs. Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft verweist darauf, dass es entscheidend sei, ob es in Russland über einzelne Personen hinaus den breiten politischen Willen für mehr Modernisierung und Marktwirtschaft gebe.

Quelle: F.A.Z.

 
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