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Russland Die Feuerkatastrophe lähmt die Wirtschaft

12.08.2010 ·  Autobauer stellen die Produktion ein, an der Börse wird weniger gehandelt, Mitarbeiter nehmen Urlaub oder arbeiten zu Hause: Die schweren Brände legen Teile des Geschäftslebens lahm. Die Wirtschaft wird deshalb dieses Jahr weniger wachsen.

Von Gerald Hosp, Moskau
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Winde am Dienstag und Mittwoch haben den giftigen Smog aus Moskau vertrieben. Für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh: Immer noch drückt die Hitze, immer noch lodern die Wald- und Torfbrände außerhalb der Hauptstadt. Dreht der Wind, könnte Moskau wieder in Rauch gehüllt sein. Laut dem staatlichen Wetterdienst soll die Hitze noch bis zum 20. August anhalten.

Auch wenn es noch nicht absehbar ist, wann die verheerenden Wald- und Torfbrände in Russland unter Kontrolle gebracht werden, gibt es schon grobe Schätzungen, wie stark sich die Feuerkatastrophe auf die wirtschaftliche Entwicklung Russlands auswirken könnte. Bankökonomen sprechen von einer Reduktion des Wachstums des Bruttoinlandprodukts (BIP) von bis zu einem Prozentpunkt, was einen Schaden von rund 11 Milliarden Euro bedeuten würde. Der Internationale Währungsfonds rechnete bisher mit einer Wachstumsrate von 4,3 Prozent für dieses Jahr, im vergangenen Jahr hatte die russische Wirtschaft einen Rückschlag von 7,9 Prozent hinnehmen müssen.

Am offensichtlichsten sind die Verluste in der Landwirtschaft, die durch die anhaltende Dürre und die Feuersbrünste schwer getroffen wurde. In diesem Jahr sollen nach Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums höchstens 65 Millionen Tonnen Getreide eingefahren werden. Im vergangenen Jahr hatte die Ernte noch 97 Millionen Tonnen betragen. Auch die Ernte von Mais, Sonnenblumen und Zuckerrüben soll betroffen sein. Für die Aussaat des Wintergetreides sei es aber noch nicht zu spät, heißt es. Es müsste jedoch bald ein Wetterumschwung erfolgen.

Regierung verspricht Subventionen für Landwirte

Ministerpräsident Wladimir Putin bekräftigte diese Woche das umstrittene Verbot für Getreideausfuhr, das vom 15. August bis zum Ende des Jahres gültig sein soll. Zudem sollen die staatlichen Getreidereserven nicht mehr per Auktion, sondern nach Bedürfnislage verteilt werden. Die Regierung versprach Subventionen für Landwirte von umgerechnet 887 Millionen Euro. Damit sollen höhere Preise verhindert werden. Der Weizenexport betrug 2009 aber nur rund 1 Prozent der Gesamtausfuhr. Insgesamt könnte der Ausfall in der Landwirtschaft, die rund 3 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, das Wachstum laut Schätzungen um bis zu 0,6 Prozentpunkte verringern.

Die Wirtschaft leidet insgesamt unter Produktionsausfällen. Manche Industrieunternehmen, darunter auch Fahrzeugbauer wie Awtowas, Gas und Volkswagen, stellten die Produktion ein oder reduzierten die Arbeitszeit. In Moskau und in anderen Großstädten, die stark von giftigem Smog heimgesucht werden, verlangsamte sich das Arbeits- und Wirtschaftsleben. In den Büros wird früher Feierabend gemacht und vermehrt Urlaub genommen, Arbeit wird zunehmend von zu Hause erledigt. Die Handelsaktivität an den russischen Börsen verringerte sich stark. Manche Banken stellten ihre täglichen Wirtschaftsberichte ein. Die russische Investmentbank VTB Capital schätzt, dass im Juli und im August mindestens 30 Prozent der Wirtschaft in einem „Stand-by-Betrieb“ laufen würden. Dadurch könnte das BIP-Wachstum in diesem Jahr um bis zu 0,2 Prozentpunkte geringer ausfallen. Andere Schätzungen gehen auf bis zu 0,5 Punkte. Wie hoch die Folgekosten sein werden, hängt in erster Linie von der Dauer der Hitze und der Brände ab. Der Umstand, dass derzeit Urlaubszeit ist, dämpft die negativen Folgen für die Wirtschaft.

Brotpreise schon jetzt um 20 Prozent erhöht

Eine weitere mögliche Folge der Ernteausfälle ist eine erhöhte Teuerungsrate. Die Brotpreise wurden schon um 20 Prozent erhöht. Der russische Konsumentenkorb besteht zu 24 Prozent aus Produkten, die mit Getreide in Verbindung stehen. Eine Erhöhung der Inflation zwischen 0,5 und 1,5 Punkten wird prognostiziert. Die Behörden gehen derzeit noch von einer jährlichen Teuerungsrate von 6 bis 7 Prozent aus. Da der Preisanstieg als temporär angesehen wird, ist nicht mit einer Erhöhung der Zinsen durch die Zentralbank zu rechnen, um den Inflationsdruck zu dämpfen.

Der Haushalt könnte aber in zweierlei Hinsicht belastet werden: zum einen durch sinkende Steuereinnahmen wegen sinkender Wirtschaftsaktivität, zum anderen durch erhöhte Ausgaben für Katastrophenschutz, Kompensationszahlungen und Landwirtschaftssubventionen. Damit erhöht sich auch die Abhängigkeit Russlands vom Erdölpreis. Die lang anhaltende Dürre und die Feuersbrünste hatten bisher keine Auswirkungen auf die Notierungen für russische Aktien und Anleihen gezeigt, weil der Preis für das schwarze Gold in dieser Zeit nach oben geklettert war. Solange das Feuer die Förderung und den Transport von Erdöl nicht gefährdet, wird es daran auch keine großen Änderungen geben.

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