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Rom : Vatikanbank schließt fast 1000 Konten

Die Vatikanbank residiert in dem halbrunden Turm rechts direkt neben dem apostolischen Palast. Im Palast wohnten bislang auch die Päpste - nur Franziskus ist nicht eingezogen - er wohnt noch immer im Gästehaus. Bild: Reuters

Die Vatikanbank will endlich einen sauberen Ruf. Vor wenigen Tagen hat sie zum ersten Mal überhaupt eine Bilanz veröffentlicht. Nun hat sie hunderte Briefe an Kontoinhaber verschickt, mit der Aufforderung, ihre offenbar illegalen Konten zu schließen.

          Die Vatikanbank steht weiterhin im Mittelpunkt von Berichten und Gerüchten über Konten von Inhabern, die eigentlich nicht zum Kundenkreis gehören sollten, und mit Millioneneinlagen ungeklärten Ursprungs. Nach einem Bericht des „Corriere della Sera“ wurden gerade 900 Briefe an bisherige Kontoinhaber verschickt mit der Aufforderung, die Konten beim Finanzinstitut mit dem offiziellen Kürzel „IOR“ zu schließen. Auch auf Nachfrage wurde von der Vatikanbank aber der Umstand, dass 1000 illegale Konten mit insgesamt 300 Millionen Euro gefunden worden seien, nicht bestätigt. Diese Informationen waren am Sonntag von „Spiegel Online“ verbreitet worden.

          Begrenzter Kundenkreis soll Missbrauch vorbeugen

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Dass es in den vergangenen Jahren im Finanzinstitut des Vatikan viel mehr Kunden gab, als rechtlich gesehen zulässig war, wird dabei nicht abgestritten. Offiziell sind nur die wenigen Bürger des Vatikan, katholische Diözesen und Orden sowie beim Vatikan akkreditierte Diplomaten zur Führung eines Kontos berechtigt. Auch die 5000 derzeitigen und ehemaligen Mitarbeiter des Vatikan dürfen ein Konto bei der Bank halten, dort nun aber nicht mehr Geld von auswärts deponieren. Bereits in den seit Monaten veröffentlichten Daten berichtete das Institut von einem Rückgang der Kundenzahlen von 21.000 Ende 2011 auf 18.900 Ende 2012. Zudem heißt es nun, der Verwaltungsrat habe im Juli dieses Jahres beschlossen, die – früher offenbar sehr „flexibel“ gehandhabte – Definition des Kundenkreises strenger zu fassen, womit etwa ehemalige Vatikanbotschafter ihre Konten verlieren.

          Wie viele dieser nun überzähligen und illegitimen Kunden bei der Vatikanbank Schwarzgeld deponiert haben, ist derzeit nicht klar. Sicher scheint, dass nicht jedes der nun geschlossenen Konten automatisch mit Schwarzgeld in Verbindung gebracht werden kann. Offiziell berichtet die Vatikanbank, dass sich der Kundenkreis aufteile in 5200 institutionelle Kunden wie der Heilige Stuhl, vatikanische Institutionen, Diözesen und religiöse Orden, denen 6 Milliarden Euro an Vermögen zuzuschreiben sei, von einem verwalteten Vermögen von insgesamt 7,1Milliarden Euro. 13700 Kunden seien individuelle Personen mit angelegten Vermögenswerten von insgesamt 1,1 Milliarden Euro.

          Spekulationen über Schwarzgeld

          Dass in diesem Jahr noch zahlreiche verdächtige Konten und Geldströme zu Tage gefördert werden, steht außer Zweifel, denn seit mehreren Monaten werden alle Konteninhaber und Kontobewegungen von der amerikanischen Unternehmensberatung Promontory geprüft. Dazu hat der neue IOR-Präsident Ernst von Freyberg das große Büro seiner Vorgänger geräumt, um dort Platz zu schaffen für zwei Arbeitsgruppen von jeweils fünf bis acht Beratern, die seit Monaten systematisch nach Verdachtsfällen suchen. Die amerikanische Unternehmensberatung Promontory wird geführt von Fachleuten, die früher in leitenden Positionen bei Aufsichtsbehörden wie der amerikanischen Börsenaufsicht Sec arbeiteten.

          Entdeckt wurden nach Angaben des „Corriere della Sera“ auch große und dennoch ungeklärte Kontobewegungen von Vatikanbotschaften aus Syrien, Iran, Irak und Indonesien – angeblich aber aus dem Jahr 2011. Bis in die Neunziger Jahre war die Vatikanbank Drehscheibe für Italiens illegale Parteienfinanzierung. Italienische Staatsanwälte hatten auch Geistliche entdeckt, die als Strohmänner für die Mafia Geld anlegten.

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