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Rohstoffe Kein Blut ins Handy

12.02.2010 ·  Coltan ist ein ganz besonderer Stoff: Mobiltelefone, Laptops und Flachbildschirme kommen ohne ihn kaum aus. Der wertvolle Rohstoff wird illegal über die Grenze verschoben, den Erlös streichen Rebellenführer ein. So hat sich der kongolesische Bürgerkrieg selbst genährt.

Von Manfred Schäfers
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Der wertvolle Rohstoff wird illegal über die Grenze verschoben, den Erlös streichen Rebellenführer ein. So hat sich der kongolesische Bürgerkrieg selbst genährt. Man spricht in Kongo nicht ohne Grund von Blutcoltan. Das Geld aus den Rohstoffen hilft, Truppen zu finanzieren und Waffen zu kaufen. Die Soldaten kämpfen nicht zuletzt um die Rohstoffe, die im Herzen Afrikas so reich im Boden liegen. Der Teufelskreis aus Waffen und Geld hat im früheren Zaire Millionen Menschen das Leben gekostet und die gesamte Region destabilisiert. Offiziell ist der Bürgerkrieg beendet, aber in Ostkongo gibt es immer noch diverse Kampfeinheiten.

Coltan ist ein ganz besonderer Stoff. Er ist aus der modernen Mikroelektronik nicht mehr wegzudenken. Mobiltelefone, Laptops und Flachbildschirme kommen ohne ihn kaum aus. "Kein Blut in mein Handy", mahnten Aktivisten in den reichen Ländern schon vor einigen Jahren. Neben Coltan geht es in Kongo unter anderem um Gold, Zinnerz, Wolframit.

Der Weg der Rohstoffe soll transparent werden

Was die Rebellen einstreichen, fehlt Regierung und Bevölkerung. Die gesamte Infrastruktur in dem riesigen Land von der fünffachen Größe Deutschlands ist marode. In Kongo soll es Gesundheitsstationen geben, die noch so aussehen wie nach dem Abzug der Belgier vor einem halben Jahrhundert. Es fehlt an Schulen, an Straßen, an nahezu allem. Die internationale Staatengemeinschaft treibt eine Initiative zur Identifizierung der Rohstoffquellen voran, um unklare Warenströme und nebulöse Zahlungswege zu verhindern.

Es gibt ein gemeinsames Ziel, aber verschiedene Interessen: Der Regierung im fernen Kinshasa ist daran gelegen, das Geld aus dem Verkauf der Rohstoffe in ihre Kassen zu lenken. Ob es dann zum Wohle der Armen im Land ausgegeben wird oder für Luxusvillen der Herrschenden, die dort stehen, wo die Reichen der Welt zu Hause sind, das steht auf einem anderen Blatt. Die großen Unternehmen in den Industrieländern sind aus einem anderen Grund ebenfalls an klaren Handelswegen interessiert. Wenn sich später erweisen sollte, dass an ihren Produkten sozusagen Blut klebt, stehen sie am Pranger, selbst wenn sie die Rohstoffe in gutem Glauben gekauft haben sollten. Ein solcher Imageverlust ist schwer wieder loszuwerden.

Deutschland unterstützt den Kongo, damit das gebeutelte Land in die Lage versetzt wird, ein System aufzubauen, das es erlaubt, die Handelskette des Coltans und anderer mineralischer Rohstoffe von der Lagerstätte bis im Idealfall zum Speicher im Handy nachzuvollziehen. Seit dem Jahr 2006 sind dafür 8,6 Millionen Euro bereitgestellt worden. Zum einen will man ein Zertifizierungssystem für Coltan, Kasserit, Wolframit und Gold aufbauen und in Beratungsbetrieben einführen, zum anderen will man die kongolesische Regierung dazu bringen, dass die Einnahmen tatsächlich bei der armen Bevölkerung ankommen. Man hofft, dass irgendwann die Einnahmen aus den Rohstoffen vollständig und transparent im Haushalt des Staates erscheinen. Nur dann können die Abgeordneten die Verwendung der Mittel kontrollieren. Nur so kann verhindert werden, dass sich die Mächtigen weiterhin schamlos die Taschen vollstopfen.

Zertifizierung von Handelsketten

Damit alle Bevölkerungsgruppen vom Rohstoffreichtum profitieren, wurde die Extractive Industries Transparency Initiative (Eiti) gegründet. Dahinter stehen private Unternehmer, regierungsunabhängige Bewegungen, einzelne Länder und internationale Organisationen. Indem Unternehmen veröffentlichen, was sie für ihre Rohstoffe gezahlt haben, soll es Regierungen erschwert werden, Mittel zu unterschlagen. Der Druck auf die Regime, in Afrika mitzumachen, wächst. Der Kongo gilt inzwischen als Kandidat, Ruanda hat beim Besuch des Bundesentwicklungsministers Dirk Niebel in diesem Monat signalisiert, sich zu beteiligen. Weltweit entsteht nach Schätzungen der Weltbank durch Korruption in jedem Jahr ein Schaden von mindestens einer Billion Dollar - nicht nur weil Geld auf den falschen Konten landet, sondern auch weil im Zweifel Projekte durchgesetzt werden, die nicht im Interesse der jeweiligen Länder sind.

Die kongolesische Blutspur führt über Ruanda in die Industrieländer. Zumindest ist das Nachbarland wiederholt beschuldigt worden, maßgeblich an der illegalen Ausbeutung des östlichen Kongos beteiligt gewesen zu sein. Im Auftrag der Bundesregierung arbeitet die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe mit Ruanda an einem Pilotprojekt zur Zertifizierung von Handelsketten mineralischer Rohstoffe. Auf ihrem Gipfel in Heiligendamm hatten die acht großen Industrieländer im Jahr 2007 ein solches Pilotprogramm beschlossen. Neben dem Aufbau eines Herkunftsnachweises geht es um die Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards bei der Rohstoffgewinnung. Darüber hinaus arbeitet man an einem analytischen Verfahren, das es erlaubt, die Herkunft von Tantal-Erzen, wozu Coltan gehört, zu klären. "Wenn dann eine Charge ohne Zertifikat auf dem Weltmarkt verkauft wird, sehen wir, welcher Warlord dahintersteht", betont Niels Breyer, der im Entwicklungsministerium für Zentralafrika zuständig ist.

Der mineralische Fingerabdruck soll die Quelle verraten. Doch Jürgen Heraeus vom gleichnamigen Familienunternehmen, das seit langem Edelmetalle verarbeitet, ist skeptisch: "Wenn eine Mischung angeboten wird, dann ist das nicht mehr nachvollziehbar." Er warnt auch davor, über das Ziel hinauszuschießen: "Wenn wir zu harte Auflagen machen, läuft das Geschäft komplett über China."

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