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Röttgen und Brüderle Die Energieminister

11.11.2009 ·  Direkter Vergleich im Bundestag: Erst durfte Rainer Brüderle, der neue Wirtschaftsminister der FDP, ans Rednerpult und blieb blass. Danach kam der andere Newcomer, Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), an die Reihe - und lieferte einen beeindruckenden Auftritt.

Von Konrad Mrusek
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Das Bundestagsprotokoll sorgt gelegentlich für faszinierende politische Schaukämpfe. So konnte man jetzt in der Debatte zur Regierungserklärung zwei Neulinge im Ministeramt im direkten Vergleich beobachten. Erst durfte Rainer Brüderle, der neue Wirtschaftsminister der FDP, an das Pult. Gut eine Stunde später kam der andere Newcomer, Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), an die Reihe.

Der politische Haudegen Brüderle wirkte in diesem Wettstreit erstaunlich blass und erntete nur pflichtschuldigen Beifall. Röttgen dagegen beeindruckte mit einem fulminanten Aufritt, in dem er trotz der knappen Redezeit einen weiten Bogen spannte von der Finanz- zur Ökokrise. Man hatte nicht den Eindruck, dass da ein ökologischer Neuling auftrat, der bis vor zwei Wochen vor allem als Mann der Wirtschaft galt.

In einem Interview mit dieser Zeitung (Rainer Brüderle im Interview: „Der Energieminister, das bin ich“) hatte Brüderle jüngst behauptet, er sei der eigentliche Energieminister. Seine Rede erweckte indes nicht den Eindruck, als ob er diesen Anspruch gegenüber Röttgen durchsetzen kann, zu dem auch die Erstellung eines Energiekonzeptes gehören würde. Der Umweltminister ist für die erneuerbaren Energien und auch für die Atomaufsicht zuständig, und daher gab es stets zwischen dem Umwelt- und Wirtschaftsressort ein Fingerhakeln in der Energiepolitik.

Brüderles rhetorische Blässe

Die Industrie – und auch die FDP – hätten es daher gern gesehen, wenn Brüderle die gesamte Energie bekommen hätte. Das hat die Bundeskanzlerin verhindern können, und diese Rückendeckung war nun spürbar: Röttgen war in diesem Passus seiner Rede ebenso ausführlich und fast noch präziser als Brüderle. Er will offenbar auch in dieser Hinsicht der energischere Minister sein.

Die rhetorische Blässe des 64 Jahre alten Brüderle hing offenbar damit zusammen, dass der Pfälzer das Vorurteil widerlegen wollte, er sei vor allem der Spezialist für flotte Sprüche. Er versagte sich daher jede überflüssige Witzelei. Dies nahm seiner Rede die Spritzigkeit. Hinzu kamen einige arg allgemeine Sätze, wie etwa die Aussage, im Fall Opel liege der Ball nun beim Mutterkonzern GM und nicht in Berlin. Von einer „Grußwort-Rede sprach daher Hubertus Heil (SPD). Brüderle solle aufpassen, so frotzelte Heil, dass er nicht wie der ehemalige Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zu einem „Problembären“ werde. Dieses Wort hatte seinerzeit Brüderle geprägt.

Die Union will nun noch mehr den Grünen nacheifern

Röttgen trug zwar keine grüne, sondern eine blaue Krawatte bei seinem ersten Auftritt als Umweltminister. Doch so „grün“ hat sich selten ein CDU-Politiker im Parlament präsentiert. Einmal wurde sogar Jürgen Trittin von den Grünen weich und klatschte in die Hände, als Röttgen Parallelen zog zwischen der Finanzkrise und der drohenden Klimakatastrophe. Er geißelte dabei das allzu kurzfristige Kalkül, das die Finanzbranche an den Abgrund geführt habe. Diesen Fehler dürfe man nicht noch einmal wiederholen. „Wir brauchen eine nachhaltige Ordnung, denn wir haben die Schäden des kurzfristigen Denkens gesehen.“

Röttgen lobte seine Vorgänger Trittin und Sigmar Gabriel (SPD) nicht nur aus Höflichkeit, sondern auch aus politischem Kalkül: Er wollte mit seiner Rede signalisieren, dass die Union nun noch mehr den Grünen nacheifern will. „Wir sind ambitionierter als die Vorgänger.“ Denn das Gut, das mit dem KIimaschutz geschützt werden solle, sei nicht irgendein Wert, sondern ein Gut der Menschheit und damit ein Teil der Schöpfung. „Klimaschutz ist teuer, aber das Nichthandeln wäre noch teurer. Daher muss die Klimakonferenz in Kopenhagen ein Erfolg werden.“

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Jahrgang 1950, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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