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Rente : Wer bekommt wann wieviel?

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Bild: F.A.Z.

Die Diskussion um eine Erhöhung der Lebensarbeitszeit und eine Verringerung der Arbeitnehmer, die vorzeitig in den Ruhestand gehen, läßt die Frage offen: Mit wieviel Rente können die jetzige Rentnergeneration und die zukünftigen rechnen?

          Unerwartet früh hat die Bundesregierung damit begonnen, ihr Vorhaben einer „Rente mit 67“ voranzutreiben. Bis nächstes Jahr soll die schrittweise Heraufsetzung des Renteneintrittsalters von 2012 an gesetzlich verankert sein.

          Anreize für einen vorzeitigen Ruhestand sollen im Keim erstickt werden. Diesem Ziel dient auch die jüngste Verkürzung der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld. Allerdings sendet die Regierung widersprüchliche Signale aus: Erst zum Jahresende verlängerte sie die sogenannte 58er-Regelung, die dazu führt, daß Arbeitslose, die älter als 58 Jahre sind, zwar noch Arbeitslosengeld beziehen, dem Arbeitsmarkt aber nicht mehr zur Verfügung stehen müssen und deswegen auch nicht mehr in der Erwerbslosenstatistik geführt werden.

          Mehr als zwei Jahrzehnte haben die Bundesregierungen den vorzeitigen Ruhestand als vermeintliche Lösung der Probleme am Arbeitsmarkt gefördert. Das durchschnittliche Rentenzugangsalter entfernte sich immer mehr von der gesetzlichen Altersgrenze, dem 65. Geburtstag. Von der frühen Rente profitierten viele: Arbeitnehmer, die schneller und zunächst sogar ohne finanzielle Einbußen das Rentnerdasein genossen, Arbeitgeber, die sich in Krisenzeiten ihrer älteren Mitarbeiter entledigten, und Politiker, die den Anstieg der offiziellen Arbeitslosenquote begrenzt hielten.

          Der verdiente Ruhestand
          Der verdiente Ruhestand : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Sonderregeln nur zögerlich aufgegeben

          Leidtragende waren Arbeitnehmer und Arbeitgeber als Beitragszahler der Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung sowie die Steuerzahler, die über den Bundeszuschuß für Lücken in den Sozialkassen haften. Auch ist der Versuch, den Arbeitsmarkt durch Frühverrentung zu entlasten, kläglich gescheitert. Deutschland weist eine hohe Arbeitslosenquote auf und hat mit rund 40 Prozent die geringste Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer im Vergleich zu den anderen Industriestaaten. Die Erkenntnis, daß eine Umkehr nötig sei, ist nicht neu: Das gesetzliche Rentenalter wurde schon zu Beginn der neunziger Jahre schrittweise wieder auf 65 Jahre (auch für Frauen) heraufgesetzt, und es wurden Rentenabschläge für Vorruheständler eingeführt.

          Auch die rot-grünen Renten- und Arbeitsmarktreformen ließen eine Frühverrentung weniger attraktiv erscheinen. Die Bemühungen wirken: Männer gehen heute im Durchschnitt mit 63,1 Jahren in den Ruhestand, Frauen mit 63,3 Jahren - rund ein halbes Jahr später als vor sieben Jahren. Eine noch schnellere Annäherung an das normierte Rentenalter wurde dadurch verhindert, daß Sonderregeln wie die Rente wegen Arbeitslosigkeit oder Altersteilzeit unter Hinweis auf den Vertrauensschutz nur zögerlich aufgegeben wurden.

          Die schärfste Waffe gegen Frühverrentung bilden die Rentenabschläge. Von 1973 an konnten Männer zunächst ohne Abschlag vorzeitig mit 63 und Frauen mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen. 2003 mußte dagegen schon fast die Hälfte der Neurentner Abschläge von 0,3 Prozent je Monat hinnehmen. Die Rentenversicherer widersprechen dem Vorwurf, die Abschläge von 3,6 Prozent je Jahr seien zu niedrig kalkuliert. Versicherungsmathematisch bringe der Abschlag die (bei längerer Bezugsdauer) notwendige Rentenkürzung. Ökonomen wie der Rentenexperte Axel Börsch-Supan halten dagegen Abschläge von 7 bis 8 Prozent je Jahr für sinnvoll, um für die Versicherten den Anreiz für eine frühe Rente zu mindern.

          Explosion des Rentenbeitragssatzes

          Kommt die Rente mit 67 - für den Geburtsjahrgang 1964 soll sie nach den Plänen der Regierung voll gelten -, muß der, der mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen will, einen zusätzlichen Rentenabschlag von 7,2 Prozent hinnehmen. Ausnahmen von der Regel sollen nicht für besonders belastete Berufsgruppen gelten, wohl aber für Beschäftigte, die 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben.

          Geht ein 1941 geborener Arbeitnehmer 2006 in Rente und entsprach sein Einkommen 45 Jahre lang dem Durchschnittsverdienst (aktuell etwa ein Bruttoeinkommen von rund 30.000 Euro jährlich), erhält er in diesem Jahr 1176 Euro Rente. Es handelt sich hierbei um den vielzitierten „Eckrentner“. Wäre er bereits vor zwei Jahren in Rente gegangen, bekäme er monatlich nur 1048 Euro überwiesen.

          Aus den Berechnungen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge geht hervor, daß der 1964 geborene Rentner nach 47 Beitragsjahren 2031 inflationsbereinigt nur 1162 Euro erhalten wird - das sind 14 Euro weniger als der heutige Durchschnittsrentner, obwohl dieser zwei Jahre weniger Rentenbeiträge eingezahlt hat. Hier zeigt sich die Wirkung der Rechenfaktoren, die die vorige Bundesregierung in die Rentenformel zur Dämpfung des Rentenanstiegs eingefügt hat, um eine Explosion des Rentenbeitragssatzes auf lange Sicht zu vermeiden.

          „Teilweise erwerbsgemindert“

          Beim vorzeitigen Rentenbeginn mit 65 Jahren hätten die Rentner des Jahrgangs 1964 zudem Abschläge zu verkraften. Setzt sich Bundessozialminister Franz Müntefering (SPD) mit seinem Vorschlag durch, daß alle Arbeitnehmer, die 45 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt haben, die volle Rente erhalten werden, bekommen die Rentner des Jahrgangs 1964 im Jahr 2029 statt 1047 Euro 1122 Euro Rente überwiesen.

          Für Beschäftigte, die wegen gesundheitlicher Probleme nicht bis 67 arbeiten können, soll voraussichtlich der Zugang zu Erwerbsminderungsrenten erleichtert werden. 2001 wurden die Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsrente durch eine einheitliche Erwerbsminderungsrente ersetzt. Anspruch auf diese Rente haben alle Versicherten, die wegen Krankheit oder Behinderung außerstande sind, mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein.

          Wer täglich nur drei bis sechs Stunden arbeiten kann, gilt als „teilweise erwerbsgemindert“ und erhält eine abschlägige Erwerbsminderungsrente. Auch bei Inanspruchnahme einer Rente wegen Erwerbsminderung vor dem 63. Lebensjahr sind Abschläge hinzunehmen, jedoch geringere als bei der Altersrente, nämlich höchstens 10,8 Prozent. Den Rentenversicherern liegen keine Zahlen vor, welche Berufsgruppen besonders stark die Rente wegen Erwerbsminderung beanspruchen.

          Quelle: enn./mmue., F.A.Z., 11.02.2006, Nr. 36 / Seite 10

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