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Rekordinflation EZB deutet Zinserhöhung im Juli an

05.06.2008 ·  So deutlich ist Jean-Claude Trichet, Europas oberster Währungshüter schon lange nicht mehr geworden: Die Europäische Zentralbank ist über die hohe Inflation alarmiert - und hat überraschend eine Straffung der Geldpolitik in Aussicht gestellt.

Von Benedikt Fehr
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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angedeutet, zur Bekämpfung der Inflation ihren Leitzins von derzeit 4 auf 4,25 Prozent anzuheben. „Es ist nicht sicher, aber es ist möglich, dass wir den Leitzins auf unserer nächsten Sitzung um einen kleinen Betrag erhöhen“, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag in Frankfurt. Zur Begründung verwies Trichet auf gestiegene Inflationsgefahren. Im EZB-Rat gebe es deshalb „erhöhte Alarmiertheit“. Wie erwartet, ließ der EZB-Rat am Donnerstag den Leitzins unverändert bei 4 Prozent.

Laut Trichet gab es im EZB-Rat Stimmen, die für steigende Leitzinsen plädiert hätten, andere Stimmen dagegen. Der Beschluss, den Zins zunächst nicht zu verändern, sei dann aber im Konsens getroffen worden. Bislang hatten die Investoren an den Zins-Terminmärkten eine Zinserhöhung erst für Ende des Jahres erwartet. Die Mehrheit der EZB-Beobachter in den Banken hatte bislang sogar eine Zinssenkung im weiteren Jahresverlauf vorhergesagt. Viele dieser Volkswirte hatten dies mit abstrakten Modellen begründet, darüber aber offensichtlich die Stimmung im EZB-Rat - und die Sorgen der Bevölkerung über die erhöhte Inflation - verkannt. Nach Trichets ziemlich unverblümter Andeutung einer Zinserhöhung stieg der Euro-Wechselkurs innerhalb von nur Minuten von 1,5370 auf 1,5530 Dollar.

Höhere Zinsen würden Anlagen in Euro im internationalen Vergleich attraktiver machen. An den Anleihemärkten stiegen die Renditen, hingegen gaben die Aktienkurse an den europäischen Börsen nach. Neben dem Dollar verlor auch das britische Pfund zum Euro an Wert. Zuvor hatte die britische Notenbank mitgeteilt, ihren Leitzins bei 5 Prozent zu belassen.

Inflationsrate wird höher als 3 Prozent bleiben

Nach Angaben von Trichet wird die Inflationsrate noch für einige Zeit höher als 3 Prozent bleiben und erst im Laufe des Jahres 2009 allmählich zurückgehen. Der EZB-Rat wolle die Inflation auf mittlere Frist - also in 18 bis 24 Monaten - wieder auf das angestrebte Ziel von unter, aber nahe 2 Prozent drücken. Trichet deutete damit an, dass die Inflation auch 2009 höher als erwünscht sein dürfte.

Dies ergibt sich auch aus den neuen Vorhersagen des Eurosystems, also der EZB und der nationalen Zentralbanken des Euro-Raums: Demnach wird die Inflation in diesem Jahr zwischen 3,2 und 3,6 Prozent betragen, der Mittelwert der Vorhersage beträgt also 3,4 Prozent. Noch im März hatte der Stab der EZB einen Mittelwert von nur 2,9 Prozent vorhergesagt. Auch für das kommende Jahr hoben die Volkswirte der Zentralbanken ihre Inflationsvorhersagen an: von 2,1 auf 2,4 Prozent. Der EZB-Rat betrachte diese „Projektionen“ als eine wichtige Information, mache sie sich aber nicht zu eigen, betonte Trichet. Denn die Projektionen unterstellten zum Beispiel, dass es zu keinen nennenswerten „Zweitrundeneffekten“ komme, also zu dem Versuch, die Teuerung durch hohe Tarifabschlüsse aufzuholen. Laut Trichet hat die Preis-Lohn-Spirale in den siebziger Jahren, die der Ölpreisanstieg damals ausgelöst hatte, erheblich zum Entstehen der Massenarbeitslosigkeit in Europa beigetragen. Daraus gelte es, Lehren zu ziehen.

Nach Einschätzung des EZB-Rats wird sich das Wirtschaftswachstum in diesem und dem nächsten Jahr abschwächen. Dabei dürfte der konjunkturelle Tiefpunkt schon in diesem Jahr liegen. Das Wachstum werde sich somit im kommenden Jahr wieder beschleunigen. Der in den neuen Projektionen angegebene Mittelwert für die durchschnittliche Wachstumsrate von 1,5 Prozent untertreibe somit die wirtschaftliche Dynamik, sagte Trichet. Zur Finanzmarktkrise sagte er, bei den Turbulenzen handele es sich um einen andauernden Prozess. Bislang sei aber nicht festzustellen, dass dies den Zugang der Wirtschaft zu Krediten nennenswert beeinträchtige. Vielmehr habe die Kreditvergabe auch im April stark zugenommen.

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