Home
http://www.faz.net/-gqe-75ckw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Regionale Unterschiede Viele junge Hartz-IV-Empfänger in Berlin

Fast ein Fünftel der 15 bis 24 Jahre alten Berliner bekommen Hartz IV; in München dagegen sind es nur etwas mehr als fünf Prozent. Das ergab eine Studie des DGB zu regionalen Unterschieden bei der Jugendarbeitslosigkeit.

© dpa Jugendliche in Berlin beziehen besonders oft Hartz IV, Jugendliche in München nur selten.

Der Anteil junger Menschen an den Hartz-IV-Empfängern ist in Berlin am höchsten und in München am niedrigsten. Das ergab eine am Donnerstag bekannt gewordene Analyse des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) von 14 Städteregionen. Demnach bezogen in Berlin mit 19,2 Prozent fast ein Fünftel der 15-  bis 24-Jährigen Hartz IV, in München waren es nur 5,1 Prozent. Hohe Hartz-IV-Quoten in dieser Altersgruppe gab es auch in Duisburg mit 17,4 Prozent sowie Dortmund mit 15,7 und Bremen mit 14,7 Prozent.

Relativ gut sah es demnach außer in München auch in Dresden mit einer Hilfequote von 9,6 Prozent sowie in Aachen mit 10,0 und  Nürnberg mit 10,2 Prozent aus. Bundesweit waren Mitte des Jahres 8,8 Prozent aller 15- bis 24-Jährigen auf Hartz IV angewiesen. Die  Hilfebedürftigkeit lag damit um 0,5 Prozentpunkte höher als für alle Menschen im erwerbsfähigen Alter. Ein relativ großer Anteil dieser hilfebedürftigen jungen Menschen lebt laut DGB eher in großstädtischen Regionen.

Mehr zum Thema

„Die Erfolge beim Abbau der Jugendarbeitslosigkeit haben bisher nichts daran ändern können, dass Jugendliche ein überdurchschnittliches Verarmungsrisiko haben“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP aus der Studie. Im September 2012 lebten demnach 534.000 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren von Hartz IV, allerdings war weniger als die Hälfte von ihnen arbeitslos. „Das Verarmungsrisiko dieser Jugendlichen ist hier offensichtlich längst  nicht immer Ausdruck nur eigener beruflicher Integrationsprobleme, sondern relativ oft auf das Fehlen Existenz sichernder Arbeitsplätze der Eltern zurückzuführen“, heißt es in der Studie.

Bei Kindern unter 15 Jahren lag die Hilfequote im Juli 2012 bundesweit sogar bei 15,3 Prozent. Armut gehe einher mit schlechten Bildungschancen, so die Analyse. An Hauptschulen gebe es dreimal öfter arme Schüler. „Eltern armer Kinder entscheiden sich häufiger gegen weiterführende Schulen, weil ihre Kinder früher Geld verdienen sollen“, so die DGB-Analyse. Relativ geringe berufliche Perspektiven förderten wiederum Resignation und Mutlosigkeit. „Es verwundert nicht, wenn jugendliche Hartz-IV-Empfänger die Schule  ohne Schulabschluss verlassen.“

Weise will Anwartschafts-Regelung verändern

Derweil sorgt ein neuer Vorschlag des Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit für Diskussionen: Frank-Jürgen Weise hat angeregt, dass Arbeitnehmer mit Kurzzeit-Stellen künftig schneller einen Anspruch auf das Arbeitslosengeld I erwerben sollen. Damit könnte verhindert werden, dass jemand bei einem Arbeitsplatzverlust wegen fehlenden Anspruchs auf das zumeist höhere Arbeitslosengeld I direkt in Hartz IV falle, sagte Weise in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Zwischen November 2011 und Oktober 2012 waren 721.000 Beschäftigte nach einem Verlust ihrer Stelle direkt zu Hartz-IV-Beziehern geworden.

„Atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeitarbeit, befristete Stellen oder Zeitarbeit haben in den vergangenen Jahren den größten Zuwachs gehabt. In diesen Fällen müssen wir tatsächlich überprüfen, ob die bestehende Anwartschafts-Regelung für das Arbeitslosengeld I noch passt“, sagte Weise. „Das wird bereits durchgerechnet.“

Quelle: FAZ.net mit DPA

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Großbritannien Zwangskurse für junge Arbeitslose

Rund eine halbe Million junge Menschen in Großbritannien sind ohne Arbeit. Nun hat die Regierung ein umstrittenes Trainingsprogramm gestartet – um ihnen beizubringen, Vorstellungsgespräche zu meistern oder eine Bewerbung zu schreiben. Mehr Von Marcus Theurer, London

17.08.2015, 13:42 Uhr | Wirtschaft
Junges Drama Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland

In keiner anderen europäischen Region sind so viele junge Menschen ohne Job wie in Epirus. Inmitten der griechischen Wirtschafts- und Schuldenkrise sind ihre Perspektiven besonders düster - die strukturschwache Region im Nordwesten des Landes gehört zu den ärmsten in Griechenland. Mehr

02.07.2015, 11:29 Uhr | Wirtschaft
Bedarf bis 2020 In Berlin fehlen Zehntausende Wohnungen

Wohnungen sind in den Großstädten zunehmend Mangelware. Doch während in Berlin, München und Hamburg zu wenig Immobilien entstehen, wird auf dem Land sogar zu viel gebaut. Mehr Von Anne-Christin Sievers

19.08.2015, 10:31 Uhr | Finanzen
Duisburg Letzte Ehre für IS-Opfer Ivana Hoffmann

In Duisburg haben mehr als 500 Menschen mit einem Trauermarsch an die in Syrien getötete Ivana Hoffmann erinnert. Hoffmann soll auf kurdischer Seite gegen die Terrororganisation IS gekämpft haben. Mehr

15.03.2015, 11:03 Uhr | Gesellschaft
Chancen für Azubis Noch ohne Lehrstelle? Auf nach Bayern!

Ob Jugendliche jetzt noch eine Lehrstelle finden, hängt stark davon ab, wo sie suchen. Denn nur in bestimmten Regionen Deutschlands sind Ausbildungsplätze üppig vorhanden, anderswo sieht es mau aus. Mehr

21.08.2015, 14:25 Uhr | Beruf-Chance

Veröffentlicht: 27.12.2012, 13:24 Uhr

Mausetot im Deutsche-Bank-Prozess

Von Joachim Jahn

Im Strafprozess gegen ehemalige und amtierende Deutsche-Bank-Manager will die Staatsanwaltschaft eine ganze Armada weiterer Zeugen hören. Ist es das Zeichen, dass die Anklage schon mausetot ist? Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Microsoft wächst langsamer als die Konkurrenz

Für Microsoft gab es in dieser Woche Grund zum Feiern. Doch nachdem Apple Microsoft beim Umsatz längst überflügelt hat, kommt nun auch Google näher ran. Mehr 0