01.03.2010 · Das System der Mülltrennung funktioniert eher schlecht als recht. Viele Verbraucher haben den Überblick verloren, was in welche Tonne gehört. Abhilfe schaffen könnte eine gemeinsame Wertstofftonne für alle recycelbaren Abfälle.
Von Helmut BünderKorrekte Müllsortierer wissen, wie es geht: Eine leere Shampooflasche ist eine Verpackung und muss in die gelbe Tonne. Die zerkratzte Rührschüssel und das kaputte Spielzeugauto bestehen zwar auch aus Plastik, aber sie sind keine Verpackungen und gehören deshalb in den Restmüll. Aus der Shampooflasche wird Granulat gemacht, aus dem mehr oder wenige nützliche neue Kunststoffprodukte entstehen; die Rührschüssel landet in der Müllverbrennung und geht in Rauch auf.
Wer seinen Müll so sortiert, wie es die deutschen Abfallbestimmungen vorsehen, sollte sich über die Logik des Systems nicht zu viele Gedanken machen. Das Ziel, knappe Ressourcen und die Umwelt zu schonen, spielt dabei nur eine Nebenrolle. Über die „richtigen“ Grenzen in der Tonnenwirtschaft entscheidet das Geld. Im Preis für das Shampoo war bereits eine Lizenzgebühr für den Grünen Punkt oder eines der anderen dualen Systeme enthalten, welche später die Abholung und Verwertung der leeren Flasche organisieren. Für die Entsorgung der „gebührenfrei“ verkauften Rührschüssel ist hingegen die Kommune zuständig, die die Bürger mit ihrem Abgabenbescheid zur Kasse bittet.
Nicht einleuchtend - oder schlicht zu lästig
Weil vielen Verbrauchern diese Logik nicht einleuchtet oder ihnen die Mülltrennung schlicht zu lästig ist, funktioniert das System eher schlecht als recht. Immer noch endet ein großer Teil des Verpackungsmülls in der schwarzen Tonne, umgekehrt erschweren „Fehlwürfe“ das Recycling. „In Deutschland werden jedes Jahr rund 2,5 Millionen Tonnen Kunststoffabfall verbrannt, weil die Wertstoffe im Restmüll landen“, sagt ein Sprecher des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE). Nicht einmal die Hälfte des Kunststoffabfalls werde stofflich wiederverwertet. Auch bei Altmetallen lasse sich das Mengenaufkommen aus dem Hausmüll durch verbesserte Sammelsysteme noch erheblich steigern. Viele Entsorger fordern deshalb die Umstellung auf eine gemeinsame „Wertstofftonne“ für alle recycelbaren Abfälle. Mit seinen Plänen für eine wirksamere Müllsortierung und eine Steigerung der Wiederverwertungsquote läuft das Bundesumweltministerium bei ihnen offene Türen ein.
Modellversuche in Leipzig, Berlin, Hamburg und anderen Städten haben gezeigt, dass das Modell der Wertstofftonne auch bei den Verbrauchern gut ankommt. Eine repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts Forsa ergab, dass 83 Prozent der Bundesbürger eine Wertstofftonne befürworten – vorausgesetzt, ihre Müllgebühren steigen nicht weiter an. Dazu allerdings ist im Entwurf des Umweltministeriums noch keine Aussage zu finden. Bis spätestens 2015, heißt es darin, sollen Kunststoff, Metall, Papier und Glas getrennt gesammelt werden. Während die EU nur eine Recyclingquote von 50 Prozent verlangt, plant das Umweltministerium eine gesetzliche Mindestvorgabe von 65 Prozent für das Recycling von Haushaltsmüll und ähnlichen Abfällen aus Gewerbe und Industrie. Bei Papier und Glas müsste sich dafür kaum etwas ändern: Hier bliebe es bei den Papiertonnen und Altglascontainern, die jetzt schon hohe Recyclingquoten garantieren. Nach Angaben des BVSE werden knapp 70 Prozent des Altpapiers wiederverwertet, beim Glas liege die Quote sogar bei mehr als 80 Prozent.
Eine Art „Gelbe Tonne Plus“
Die Wertstofftonne, die die Bundesregierung schon im Koalitionsvertrag angekündigt hatte, müsste vor allem die Lücke beim Kunststoff schließen. Sie läuft auf eine Art „Gelbe Tonne Plus“ hinaus. Neben den Verpackungen würden darin auch alle übrigen Kunststoffe und Metalle für das spätere Recycling gesammelt. In die schwarze Tonne käme nur noch der unverwertbare Restmüll. „Das ist ohne eine Erhöhung der Müllgebühren machbar“, verspricht Eric Schweitzer, Mitinhaber des Berliner Entsorgungsunternehmens Alba. In gemeinsamen Versuchen mit Wohnungsgesellschaften hat das Unternehmen Erfahrungen gesammelt. Weil die Wohnungsgesellschaften mit kleineren Restmüllbehältern auskämen, rechne sich das Modell ohne Mehrkosten für die Verbraucher.
Nicht ganz so zuversichtlich sieht das Rüdiger Siechau, Vorstandsvorsitzender des Verbandes kommunale Abfallwirtschaft und Stadtreinigung (VKS). Für die Wertstofftonne werde es auf jeden Fall eine neue kommunale Müllgebühr geben müssen, sagte er. Auch Siechau rechnet zwar damit, dass dann auf der anderen Seite die Restmüllabgabe sinken kann. Ob das unter dem Strich ausreichen werde, um die Gesamtkosten stabil zu halten, hänge jedoch vom Einzelfall und den Verhältnissen in den jeweiligen Kommunen ab.
Kunststoff recyclen?
Juri Garkov (JuriGarkov)
- 01.03.2010, 23:28 Uhr
Eine Riesendummheit
Michael Brüggemann (bruegge1952)
- 01.03.2010, 23:57 Uhr
Sehr unterhaltsam
Robert Arnold (RobertArnold)
- 02.03.2010, 02:57 Uhr
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Horst Trummler (Vandale6906)
- 02.03.2010, 07:48 Uhr
Nur der persönliche Nutzeffekt entscheidet über persönliches Verhalten
Fredericus Secondo (FredericusSecondo)
- 02.03.2010, 10:54 Uhr
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