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Reallöhne der Deutschen Die Löhne sinken trotz Aufschwung

Die Reallöhne der Arbeitnehmer sinken weiter. Trotz Aufschwung und Klagen über Fachkräftemangel sind die Lohnsteigerungen deutlich hinter der Inflation zurückgeblieben, berichtet die F.A.S.

© F.A.Z. Vergrößern

Es sind gute Jahre, die die Arbeitnehmer in Deutschland jetzt hinter sich haben. Der Aufschwung war stark, so manche Gewerkschaft verhandelte sich eine kräftige Tariferhöhung heraus, viele Menschen fanden eine Stelle. Nicht mal die größte Rezession der Nachkriegsgeschichte konnte das Arbeitsmarkt-Wunder beenden - zum Schluss schien sogar Vollbeschäftigung möglich zu werden. Und weil die Arbeitgeber immer wieder über einen Fachkräftemangel klagten, konnte so mancher Angestellte eine Gehaltserhöhung durchsetzen.

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Doch jetzt wird klar: Selbst nach den Aufschwungjahren können die meisten Lohnerhöhungen immer noch nicht die Inflation ausgleichen. Eine noch unveröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass die Reallöhne der Deutschen in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gesunken sind. Auch die vergangenen zwei Aufschwungjahre haben den Trend nicht gedreht.

Die Daten stammen aus dem Sozio-Ökonomischen Panel, einer jährlichen Umfrage unter mehr als 20000 Deutschen. Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und Prämien werden nicht berücksichtigt - dennoch zeigen die Daten den Trend sehr zuverlässig. Und der ist eindeutig. Das Bruttoeinkommen eines mittleren Angestellten ist allein in den vergangenen fünf Jahren inflationsbereinigt um rund sieben Prozent gesunken. Zwar stiegen die Nominallöhne immer noch etwas. Doch die Lohnsteigerungen blieben unter der Inflation, obwohl die in jenen Jahren noch moderat war.

Es war einmal

„Bei den Lohnverhandlungen zeigte sich zuletzt das Muster, dass zwar tarifliche Einmalzahlungen vergleichsweise großzügig ausfallen, aber das Grundgehalt nur moderat erhöht wird“, resümieren die Autoren der Studie, Karl Brenke und Markus Grabka. „In der Gesamtschau wird der Kaufkraftverlust oft nicht vollständig ausgeglichen.“ Die Zahlen zeigen das deutlich: Im Jahr 2005 verdienten die Deutschen noch 2087 Euro im Monat.

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Doch 2008 reichte das Bruttoeinkommen nur noch für Waren, die zuvor 1970 Euro gekostet hätten- und in den nächsten zwei Jahren schrumpfte das Einkommen noch mal um weitere 1,5 Prozent auf 1941 Euro. Dass sich der Trend in diesem Jahr dreht, ist unwahrscheinlich: Zumindest die Tarifgehälter sind laut Statistischem Bundesamt abermals nicht schnell genug gewachsen, um die Inflation auszugleichen. „Im ersten Quartal 2011 gab es eine schwache Lohnentwicklung“, haben die Autoren beobachtet. Zwar seien im zweiten einige Tariferhöhungen wirksam geworden. Aber so werde es nicht weitergehen: „Für den weiteren Verlauf sind wieder nur moderate Lohnanhebungen zu erwarten.“

Offenbar ist der Arbeitskräftemangel noch nicht groß genug, die Vollbeschäftigung noch nicht nah genug, um die Arbeitgeber tatsächlich zu deutlichen Lohnerhöhungen zu zwingen. Am Anfang des Jahrzehnts traf der Lohndruck vor allem schlecht ausgebildete Arbeitnehmer. Viele rutschten in den Niedriglohnbereich ab. Dieser Trend hielt bis zum Jahr 2006. Dann war der Niedriglohnsektor auf eine Größe gewachsen, die es auch in anderen Industrieländern gibt - dort blieb er.

Zeitarbeit als Druckausgleich

Doch der Lohndruck verschwand dann nicht, sondern griff auf höhere Einkommen über. Auch für Arbeitnehmer mit Berufsausbildung gab es jetzt weniger Gehalt. Der Druck äußerte sich in Zeitarbeit, Teilzeit und befristeten Verträgen- sie gewannen an Bedeutung.

Infografik / Mindestlohn / Wie der Mindestlohn wirkt © F.A.Z. Vergrößern Wie der Mindestlohn wirkt

Zwar gibt es heute noch fast so viele unbefristete Vollzeitstellen wie im Jahr 1999, ihre Zahl sank innerhalb von zehn Jahren nur um drei Prozent. Aber die zusätzlich geschaffenen Stellen, die das deutsche Arbeitsmarkt-Wunder möglich machten, sie entstanden zum großen Teil mit anderen Verträgen: zum Beispiel in befristeten Verträgen oder in Zeitarbeit.

Nach 2005 sind selbst die Stundenlöhne der angestellten Hochschulabsolventen gesunken - obwohl ihre Arbeit gefragter ist als früher. Hätte es die zusätzliche Arbeit für Akademiker nicht gegeben, wären ihre Gehälter noch stärker gesunken, schätzen Grabka und Behnke.

Der Einzelne merkt es kaum

Doch auch so trifft der Reallohnrückgang die Gutverdiener mit. Selbst das einkommensstärkste Zehntel der Arbeitnehmer kann sich von seinem Einkommen heute weniger kaufen als im Jahr 2004, wie die Forscher ausgerechnet haben. Zwar haben sich die Gutverdiener in den vergangenen zwei Jahren ihrem alten Einkommen etwas angenähert - freilich ohne es wieder zu erreichen. Damit ist es ihnen den DIW-Zahlen zufolge kaum besser ergangen als dem einkommensschwächsten Zehntel der Arbeitnehmer.

Nur ein Trost bleibt den Deutschen: Der Einzelne bemerkt den Lohndruck kaum. Denn meist gibt es noch individuelle Gehaltssteigerungen über der Inflation - zumindest für diejenigen, die nicht zwischendurch arbeitslos werden. Wer in einer funktionierenden Karriere Berufserfahrung sammelt und gelegentlich befördert wird, bekommt dafür oft immer noch Gehaltserhöhungen. Sie sind nur offenbar nicht mehr so hoch wie früher: Im neuen Job verdient man dann weniger als der Vorgänger, die gleiche Arbeit wird schlechter entlohnt als zuvor.

Quelle: F.A.S.

 
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