17.06.2005 · 1,3 Prozent mehr Wachstum, 220.000 mehr Arbeitsplätze, eine Million mehr Geburten: Eine Studie zeigt, wozu eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf führen könnte.
Deutschland könnte von einer besseren Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben wirtschaftlich enorm profitieren. Wenn Unternehmen es Arbeitnehmern ermöglichten, Kinder und Arbeit besser unter einen Hut zu bekommen, könnte das Bruttoinlandsprodukt in den nächsten 15 Jahren um 250 Milliarden Euro steigen, geht aus einer Prognos-Studie für das Bundesfamilienministerium hervor. „Das entspricht einer Steigerung von 1,3 Prozent“, sagte Familienministerin Renate Schmidt (SPD) am Freitag in Berlin.
Notwenig sind demnach beispielsweise mehr Teilzeitarbeit, Heimarbeitsplätze, Gleitzeiten sowie betriebliche Kinderbetreuung. „Balance von Arbeit und Familie, Arbeit und Privatem ist ein interessanter Wachstumsfaktor für unsere Gesellschaft“, sagte Schmidt. Eine familienfreundliche Unternehmenspolitik sei nicht nur für die Betriebe ein Gewinn, sondern bringe die gesamte Volkswirtschaft auf einen höheren Wachstumspfad. Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, ergänzte bei der gemeinsamen Präsentation, betriebliche Maßnahmen, um Arbeit und Privatleben besser in Einklang zu bringen, würden sich „handfest rechnen“.
Was die Geburtenrate hebt
Während derzeit nach den Worten Schmidts nur rund zehn bis 15 Prozent der Beschäftigten von so genannten Work-Life-Balance-Maßnahmen profitieren, geht die Studie davon aus, daß der Anteil auf 30 Prozent steigt. Dies würde nach den Berechnungen von Prognos dazu führen, daß die Geburtenrate von derzeit 1,3 Kindern pro Frau auf 1,56 Kinder pro Frau steigt. Zudem würde in den nächsten 15 Jahren ein zusätzliches Bruttoinlandsprodukt von 248 Milliarden Euro erwirtschaftet. Auch die sozialen Sicherungssysteme würden gestärkt: Die Arbeitgeber würden pro Jahr rund 7,6 Milliarden Euro Sozialbeiträge sparen, die öffentlichen Haushalte 13 Milliarden Euro.
Lösungen so konkret wie die Probleme
Als Konsequenz aus der Studie schlug Schmidt vor, die Familienfreundlichkeit in Deutschland und in den Unternehmen stärker zu überwachen. Sie betonte, daß sie dabei auf freiwillige Kooperation der Wirtschaft setze. Thumann wies darauf hin, daß es im Interesse der Unternehmen liege, mit familienfreundlichen Maßnahmen den wirtschaftlichen Folgen der Alterung und Schrumpfung der Gesellschaft entgegenzuwirken. „Die Probleme sind sehr konkret, die Lösungen sind aber auch sehr konkret“, sagte er. Eine Balance zwischen Arbeit und Privatleben sei nicht das einzige, aber ein „wichtiges Konzept um den demografischen Herausforderungen zu begegnen“.
Der Vorsitzende des Beirats der Prognos AG, Hans Barth, nannte die Vorteile einer solchen Herangehensweise für die Unternehmen: Zufriedene Mitarbeiter seien produktiver, motivierter und würden weniger fehlen. Weil sie sich stärker mit dem Unternehmen identifizierten, würden sie Kundenbindung und Firmenimage verbessern. Zudem sei die Gefahr geringer, daß sie kündigten. Daß auch die Volkwirtschaft im Ganzen gewinne, sei durch die Studie erwiesen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
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