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Private Altersvorsorge : Die Deutschen „riestern“ viel zu wenig

Senioren am Bodensee im November 2014 Bild: dpa

Die private Vorsorge funktioniere nicht, warnen die Grünen. Die Zahlen des Rentenversicherungsberichts der Bundesregierung seien zu optimistisch. Doch es gibt auch Vorschläge zur Lösung des Problems.

          Nach Einschätzung der Grünen droht in Deutschland ein starker Anstieg der Altersarmut, weil junge Menschen zu wenig zusätzlich vorsorgen, obwohl das Niveau der gesetzlichen Rente sinkt. „Die Erwartungen an die Riester-Rente sind deutlich überzeichnet“, sagte der Grünen-Rentenpolitiker Markus Kurth dieser Zeitung in Berlin. In ihrem jüngsten Rentenversicherungsbericht erwarte die Bundesregierung immer noch, dass das Gesamtniveau aus gesetzlicher Rente und Riester-Rente Ende der zwanziger Jahre rund die Hälfte des Durchschnittseinkommens der Beschäftigten erreichen werde. „Die Zahlen belegen, dass das viel zu optimistisch ist, denn der Grad der Abdeckung mit Riester-Verträgen ist viel zu niedrig und die Kapitalrendite auch“, sagte Kurth. „Die Idee, dass das sinkende Rentenniveau kompensiert wird, funktioniert nicht.“

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Kurth hat die Zahlen beim Finanzministerium erfragt: In Deutschland sind seit 2002 15,9 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen worden; ihre Zahl stagniert seit Jahren. Nur auf 12,7 Millionen werden noch Beiträge eingezahlt. Gestolpert ist Kurth darüber: Nur 6,4 Millionen Versicherte zahlen den vollen Satz von 4 Prozent des Bruttoeinkommens ein, nur sie bekommen die volle Zulage – vier Millionen Frauen und 2,4 Millionen Männer. Hier hatte sich die Bundesregierung deutlich mehr Zuspruch erhofft, denn insgesamt könnten hierzulande 35,7 Millionen Menschen riestern.

          Geringverdiener sollten höhere Zulagen bekommen

          In dieselbe Kerbe wie Kurth schlägt der Vorsitzende der CDU-Sozialausschüsse Karl-Josef Laumann: „Die Riester-Rente hat nicht die Stärke erreicht, die wir angenommen hatten“, sagte der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium kürzlich. Es müsse darüber diskutiert werden, wie die Riester-Rente profitabler werde. Eine Option sei, die private Altersvorsorge verpflichtend einzuführen. Nach dem Rentenbericht der Regierung wird das gesetzliche Rentenniveau vor Steuern im Jahr 2028 nur noch 44,4 Prozent des Durchschnittseinkommens erreichen. 2030 soll es gerade noch über 43 Prozent liegen. Über eine Riester-Rente (oder über eine betriebliche Altersvorsorge) muss also eine immer größere Rentenlücke überbrückt werden.

          Seit den Reformen, die vor allem das Ziel hatten, den Beitragssatz nicht zu sehr in die Höhe schießen zu lassen, ist klar: Nur wer zusätzlich vorsorgt, wird im Alter seinen Lebensstandard halten können. Die Regierung kalkuliert damit, dass die Riester-Rente diese Aufgabe erfüllen wird, dass sie – die das derzeitige Versorgungsniveau von 48 Prozent heute um 2,8 Prozentpunkte ergänzt – im Jahr 2028 6,1 Punkte beiträgt und so zu einem Gesamtniveau von 50,5 Prozent führt.

          Die Versicherungswirtschaft sorgt sich ums Geschäft, weil gerade die Jüngeren mit eher niedrigen Einkommen zögern, einen Vorsorgevertrag abzuschließen. Kurth sagt, viele fürchteten, dass sie im Alter ohnehin nur die staatliche Grundsicherung bekämen – auf die das Riestern angerechnet werde. Nur jeder Fünfte mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 1200 Euro sorge „riestergefördert“ vor. Kurth fordert als Anreiz, die Einführung eines Freibetrages bei der Grundsicherung zu prüfen. „Das wäre eine Lösung“, sagte er. „Allerdings eine teure, denn den Freibetrag müsste man wohl auch für die gesetzliche Rente gewähren.“ Geringverdiener sollten jedenfalls höhere Zulagen bekommen. Außerdem müssten Riester-Produkte transparenter werden. „Wir könnten uns auch ein neues Riester-Basisprodukt vorstellen, gespeist aus einem öffentlichen Fonds, öffentlich administriert und gemanagt durch die Deutsche Rentenversicherung – so ähnlich wie in Schweden“, sagte Kurth. Die Rentenversicherer winken noch ab – und das Bundesarbeitsministerium auch.

          Quelle: F.A.Z.

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