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Preiserhöhungen Die Stromkonzerne schlagen zu

20.08.2006 ·  519 der 876 Stromversorger wollen zum 1. Januar 2007 die Preise erhöhen - um sechs bis sieben Prozent. Auch Eon und RWE sind dabei und melden gleichzeitig Rekordgewinne. Verwerflich ist das nicht - gäbe es nur richtigen Wettbewerb.

Von Dyrk Scherff
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Es riecht nach Skandal. Die großen Stromversorger Eon und RWE kündigen satte Preiserhöhungen von bis zu sieben Prozent für das kommende Jahr an. Gleichzeitig präsentieren sie aber Milliarden-Gewinne.

Eon hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr um 13 Prozent auf fast fünf Milliarden Euro erhöht und begründet das mit der Entwicklung des Strompreises. Auch die anderen großen Versorger wie RWE oder EnBW steigerten ihre Ergebnisse deutlich. Gleichzeitig klettern die Strompreise kräftig.

Kunden in Rage

Das geht schon seit einigen Jahren so. Ein Durchschnittshaushalt zahlt jetzt ohne Steuern im Durchschnitt 14,10 Cent je Kilowattstunde, knapp fünf Prozent mehr als vor einem Jahr. Von 2004 auf 2005 sind die Preise ähnlich stark gestiegen.

Das bringt die Kunden in Rage. Sie sehen sich als Finanziers von Rekordgewinnen der Versorger und zweifeln deren Argumentation an. Die geplante Preiserhöhung begründen die Versorger mit der Anhebung der Mehrwertsteuer, die an den Kunden weitergegeben werden soll. "Zudem waren die Bezugspreise für Strom im ersten Halbjahr um ein Drittel höher als 2005", sagt Alexander Land, einer der Sprecher von Eon Energie.

Untersuchungsausschuß gefordert

Diese Argumente werden von Politikern und Ökonomen heftig kritisiert. SPD-Energieexperte und Vorstandsmitglied Hermann Scheer forderte einen "öffentlichen Untersuchungsausschuß" zur Preispolitik der Konzerne. Auch Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), läßt höhere Bezugspreise für Strom als Argument nicht gelten. Schließlich produzierten die Versorger ihren Strom im wesentlichen selbst. "Für die Eigenerzeugung sind die Kosten nicht stark gestiegen. Atomkraft sowie Braun- und Steinkohle sind nicht teurer als im vergangenen Jahr." Sie machen den überwiegenden Teil der Produktion aus. Teurer seien lediglich Öl und Erdgas geworden.

"Die Argumente der Energieversorger sind nicht falsch, aber es ist fraglich, ob sie die Höhe der Anpassungen rechtfertigen", kritisiert Ulf Moslener, Energieexperte des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Zweifel an der Notwendigkeit einer Tariferhöhung von Eon und RWE nähren schließlich auch die Konkurrenten. Vattenfall und EnBW betonen, im Januar nicht mehr verlangen zu wollen. Allerdings hatte EnBW erst im Juli die Preise um 4,5 Prozent erhöht.

Keine Branche wie jede andere

Doch warum werden solche Preiserhöhungen überhaupt so breit in der Öffentlichkeit diskutiert? Ist es nicht normal, wenn Stromkonzerne wie andere Unternehmen ihren Gewinn zum Wohle ihrer Aktionäre maximieren wollen? Schließlich regt sich auch kaum jemand auf, wenn Puma oder Metro die Preise nach oben schrauben. Die Diskussion über höhere Kosten der Stromkonzerne ist eine Scheindebatte. Wenn Puma höhere Preise durchsetzen kann, weil es einen guten Sportschuh herstellt, begründet es die Anhebung nicht mit höheren Kosten. Und Pumas Kunden diskutieren nicht, ob die Kosten tatsächlich gestiegen sind, sondern ob der Schuh den Preis wert ist.

Doch der Strommarkt ist kein normaler Markt wie die Sportschuhbranche. "Bei Strom ist einiges anders", erklärt DIW-Expertin Kemfert. Zum einen braucht jeder Strom, kann also schlecht darauf verzichten. Da läßt sich der Turnschuh von Puma leichter entbehren. Zum anderen ist der Wettbewerb im Strommarkt stark eingeschränkt, weil sich die großen vier Produzenten Eon, RWE, EnBW und Vattenfall den deutschen Markt regional aufgeteilt haben, sich kaum Konkurrenz untereinander machen und neuen Wettbewerbern hohe Hürden aufbauen.

Bundesnetzagentur will Preise drücken

Denn die vier kontrollieren die Stromproduktion und den Transport durch eigene Netze. Diese Infrastruktur müssen Konkurrenten nutzen, denn ihnen fehlt das Geld für eigene Kraftwerke und Leitungen. Damit müssen sie aber auch die Preise der Marktführer akzeptieren. Sie haben dadurch wenig Chancen, deutlich billiger anzubieten. Puma hingegen muß sich ständig mit Adidas und Nike messen. Zu hohe Preise strafen die Konsumenten mit dem Wechsel zur Konkurrenz.

Um dieses Dilemma aufzulösen, begann im vergangenen Jahr die staatliche Regulierung des Strommarktes durch die Bundesnetzagentur. Sie kontrolliert die Gebühren, die große Versorger von Wettbewerbern für die Durchleitung des Stroms durch ihre Netze verlangen. Die Behörde hat die Marktführer schon aufgefordert, die Preise um mehr als zehn Prozent zu senken. Kemfert vermutet daher, daß die Stromanbieter die Tarife vor allem anheben, um diese Einnahmeverluste auszugleichen. Je stärker der Regulierer durchgreift, desto eher kommt der Wettbewerb in Gang. In diesem Jahr dürfen die Verbraucher zudem noch auf die Bundesländer hoffen. Letztmals müssen sie die Preise genehmigen. Einige von ihnen wie Hessen oder Schleswig-Holstein haben bereits angekündigt, daß sie möglicherweise gar keine Erhöhung erlauben werden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 20.08.2006, Nr. 33 / Seite 43
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