07.08.2010 · Der Weltmarktpreis für Weizen ist stark gestiegen - der deutsche Verbraucher muss aber nichts befürchten: Brot und Brötchen werden dadurch nicht teurer. Die schlechte Ernte in Russland kann durch Lagerabbau und zum Teil gute Ernten in Amerika und Europa ausgeglichen werden. Der Müller aber leidet.
Von Lukas WeberDer heftige Preisanstieg auf dem Weltmarkt für Weizen wird im Haushaltsetat der deutschen Verbraucher keine Spuren hinterlassen. Denn die schlechte Ernte in Russland kann durch Lagerabbau und zum Teil gute Ernten in Amerika und Europa ausgeglichen werden. Zudem ist der Anteil des Rohstoffs an den Endpreisen für Nahrungsmittel wie Brot oder Brötchen ohnehin gering. Allerdings leiden die Müller unter den hohen Einkaufspreisen.
Es gebe keinen Anlass zur Alarmstimmung, sagt Agnes Scharl vom Deutschen Bauernverband angesichts der russischen Missernte und der Entwicklung am Weltmarkt. Die Ernte, die derzeit im Gange ist, sei zwar schlechter als im vergangenen Jahr, werde aber im langfristigen Durchschnitt liegen. Im Ausland, zum Beispiel in Frankreich, werde sie mancherorts recht gut ausfallen. Der Bauernverband verweist auf die Schätzung der Europäischen Kommission, wonach die gesamteuropäische Ernte im Durchschnitt liegen werde.
In aller Welt wird mit etwa 650 Millionen Tonnen gerechnet, bei einem Verbrauch von rund 655 Millionen Tonnen. Das kann problemlos aus den Lagern ausgeglichen werden, die seit den Krisenjahren 2006 und 2007 gut gefüllt sind. Getreide ist mehrere Jahre haltbar. Weizen ist mit etwa zwei Dritteln Anteil die mit weitem Abstand wichtigste Getreidesorte.
Die Mehrkosten für die deutschen Verbraucher halten sich in Grenzen
Der russische Exportstopp hat freilich die Spekulation angeheizt (siehe Russlands Exportverbot treibt den Weizenpreis). Die Bauern, die einen Teil ihrer Ernte mit Termingeschäften vorab verkaufen, sind mit dem anderen Teil zurückhaltend. Das macht den Müllern Kummer. Der Verband Deutscher Mühlen hat deshalb am Freitag deutliche Preiserhöhungen für Mehl angekündigt. „Bleibt der Weizenpreis auf dem aktuellen Niveau, kommen auf uns in diesem Jahr bis zu 1 Milliarde Euro an zusätzlichen Kosten zu“, sagte Hauptgeschäftsführer Manfred Weizbauer, dessen Verband rund 600 Mühlenunternehmen vertritt.
Das sei mehr als die Hälfte des Jahresumsatzes. Eine Tonne Mehl kostet derzeit etwa 300 Euro je Tonne. Das ist nach Angaben Weizbauers eine Preissteigerung von 50 Prozent in wenigen Wochen. Spekulanten mischten mit, und die Landwirte hofften auf Zusatzerlöse. Ihre Verkaufsbereitschaft sei deshalb gering.
Die zu erwartenden Mehrkosten für die deutschen Verbraucher halten sich indessen in Grenzen, weil der Weizenpreis nur wenige Prozent zu den Endpreisen für Brot und Brötchen beiträgt. Der Mühlenverband beziffert den durchschnittlichen Verbrauch je Kopf in Deutschland auf jährlich etwa 65 Kilogramm und leitet daraus eine Mehrbelastung von bis zu 10 Euro im Jahr ab.
„Wir erwarten derzeit keine exorbitanten Preissteigerungen“
Auch der deutsche Einzelhandel rechnet nicht mit einem Preisschub bei Lebensmitteln. „Wir erwarten derzeit keine exorbitanten Preissteigerungen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes HDE, Stefan Genth, am Freitag. Genth verwies auf die Erfahrung vergangener Jahre, in denen die Getreidepreise ebenfalls stark gestiegen seien, ohne spürbare Auswirkungen auf die Nahrungsmittelpreise.
Lukas Weber Jahrgang 1957, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend und Wirtschaft“.
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