09.10.2006 · Edmund Phelps hat bereits viele Auszeichnungen erhalten, nur auf den Nobelpreis hat er bisher vergeblich gewartet. Nun wird dem New Yorker Opernliebhaber und Makroökonom die Ehrung aus Stockholm zuteil.
Beim Ehepaar Edmund („Ned“) und Viviana Phelps an der Upper East Side in New York stehen seit Montag um 9 Uhr Ortszeit die Telefone nicht mehr still. So ist das eben, wenn man zum Nobelpreisträger gekürt wird.
Einen Teil dazu beigetragen haben dürfte freilich auch, daß Phelps erst vor zwei Wochen einen Lebenslauf mit Angaben der heimischen Telefonnummern ins Internet stellen ließ – vermutlich in Erwartung kommender Gratulationen.
Späte Genugtuung
Für Phelps ist der Preis eine so tiefe wie späte Genugtuung. Sie dürfte um so größer sein, als er seit Robert Mundell 1999 der erste Laureat ist, der das Preisgeld nicht mit einem anderen Wissenschaftler teilen muß. Schon seit vielen Jahren galt der New Yorker Ökonom als längst überfälliger Kandidat. Nach den Auszeichnungen für John Nash (1994) und Robert Lucas (1995) freilich, deren Werk zum Teil auf Erkenntnissen von Phelps aus den sechziger Jahren aufbauten, erschien eine Ehrung für ihn selbst immer weniger wahrscheinlich.
Zwar war Phelps schon mit vielen anderen Ehrungen ausgezeichnet worden. Man konnte aber dennoch gelegentlich den Eindruck gewinnen, daß ihm das Ausbleiben der von der gesamten Zunft erwarteten Anerkennung aus Stockholm als Forscher ein wenig die Motivation raubte.
Dynamik des Kapitalismus
Das dürfte sich nun ändern. Phelps ist von Herzen glücklich – und es ist zu hoffen, daß der Glanz des Nobelpreises auch auf sein neues Forschungsgebiet abstrahlt. Seit vielen Jahren liegt Phelps’ Hauptinteresse nicht mehr bei den klassischen makroökonomischen Fragen, mit denen er sich als junger Mann in den sechziger Jahren – vor allem an der Yale University und an der University of Pennsylvania – in verdienstvoller Weise auseinandergesetzt hat.
Er widmet sich nunmehr vor allem der Untersuchung der Frage, wie man die Rolle des Unternehmers und allgemein die Dynamik des Kapitalismus wissenschaftlich fassen kann. An der University of Columbia in New York, wo der 1933 in Evanston im Bundesstaat Illinois geborene Ökonom seit 1971 lehrt, leitet Phelps das 2001 gegründete „Center on Capitalism and Society“, das sich diesem Thema widmet.
Makroökonomischen Betrachtungsweise
Ein intellektueller Bruch ist das nicht. Auch schon in seinen technischeren Zeiten als Makroökonom war sich Phelps der Begrenztheit der modernen Ökonomie bewußt; gerade deshalb hat er sich stets um die Unterlegung der makroökonomischen Betrachtungsweise mit einzelwirtschaftlich sinnvollen Theorien bemüht.
„Der Kapitalismus ist ein sich ständig fortentwickelndes, unordentliches, überhaupt nicht zielgerichtetes System“, formuliert Phelps – und die ökonomische Theorie versage völlig bei dem Versuch, dieses System zu verstehen. Sie sei für echte Dynamik nicht offen. Um dem Wunder des Markts auf die Spur zu kommen, hat Phelps nun den ganzen Sommer damit verbracht, die Werke des großen Ökonomen Joseph Schumpeter neuerlich gründlich zu studieren.
„Der ultimative Bonvivant“
Aber auch jenseits der Ökonomie gibt es für Phelps ein Leben. Sein akademischer Sparringspartner Amar Bhidé von der University of Columbia bezeichnet ihn sogar schmunzelnd als „den ultimativen Bonvivant“, als Genießer, der das Leben bis in alle Winkel auskoste. Dazu gehört, daß er jeden Sommer für einen Monat des Wohllebens nach Italien reist, in Begleitung seiner Frau Viviana, einer gebürtigen Argentinierin, die ab und zu als Simultanübersetzerin für die Vereinten Nationen arbeitet.
Es gehört auch dazu, daß er gern exquisit speist, Champagner liebt, sich mit Opern bestens auskennt und selbst hörenswert zu singen weiß – und daß er manchmal sogar Gäste in den Genuß einer Kombination all dessen kommen läßt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,84 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.419,90 | −1,28% |
| EUR/USD | 1,2368 | −0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 103,33 $ | +0,08% |
| Gold | 1.540,00 $ | −2,50% |
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