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Porträt Axel Weber - ein Pragmatiker

21.04.2004 ·  Der Kölner Wirtschaftsprofessor Axel Weber gilt als ein Pragmatiker. Er soll neuer Präsident der Deutschen Bundesbank werden.

Von Patrick Welter
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Der Ökonom Axel Weber ist seit zwei Jahren Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Üblicherweise nutzen die fünf "Wirtschaftsweisen" diese Position, um mit ihren wirtschaftspolitischen Überzeugungen in die Öffentlichkeit hineinzuwirken. Nicht so Weber. Aktuelle Stellungnahmen zur Wirtschafts- oder Geldpolitik sind von ihm kaum bekannt. So erstaunt es nicht, daß sein Name in der Spekulation über einen Nachfolger des zurückgetretenen Bundesbankpräsidenten Welteke nicht fiel. Die Bundesregierung erzielte mit ihrem Personalvorschlag auch deshalb einen Überraschungscoup, weil der parteilose Weber als erster Wissenschaftler an die Spitze der Bundesbank berufen wird.

Der 47 Jahre alte Volkswirt ist ein ausgewiesener Geld- und Währungsfachmann. In Fachkreisen ist er bekannt als ein hart und empirisch arbeitender Mann, der sein Fach beherrscht, der aber nicht durch Originalität seiner wissenschaftlichen Beiträge aufgefallen ist. Gerühmt wird seine Arbeit als Wissenschaftsmanager. Zielstrebig baute Weber in Frankfurt das Center for Financial Studies (CFS) auf, das als Ort des intellektuellen Austauschs zwischen der Bankengemeinde und der Wissenschaft erfolgreich ist. Weber ist ein Netzwerker. Sein Engagement zeugt von dem Willen, im Dienste der Öffentlichkeit am Aufbau einer geistigen Infrastruktur für den Finanzplatz Frankfurt mitzuwirken. Es weist aber auch auf den großen Ehrgeiz Webers hin, der schon als Student an seinem Professor vorbei an wichtigen Konferenzen zur Geldpolitik teilnehmen wollte. Das gelang.

In der Bundesbank ist Weber ein alter Bekannter, er findet Anerkennung. Seit 2000 sitzt er im wissenschaftlichen Beirat der Institution. Als Präsident wird ihm die Aufgabe zufallen, die von Welteke eingeleitete Verschlankung und den Umbau der Behörde zu Ende zu bringen. Von ihm wird aber vor allem erhofft, daß er die wissenschaftliche Kompetenz der Bank stärkt und ausbaut, damit sie im Konzert der 13 Notenbanken im Europäischen Währungsraum in vorderer Reihe mitspielen kann.

Weber gilt als Person, die gern im Mittelpunkt steht. Im kleinen Kreis liege seine Stärke nicht darin, die Worte auf die Goldwaage zu legen, heißt es. Er verstehe es, seine Ziele durchzusetzen. Doch wird ihm auch Humor zugesprochen und die Eigenschaft, sich auf öffentlichem Terrain verbindlich zu bewegen. Geldpolitisch ist Weber kein unbeschriebenes, aber auch kein vollgeschriebenes Blatt. Der Pragmatiker schwimme im Strom mit, sagen professorale Kollegen übereinstimmend.

In seiner Amtszeit als Wirtschaftsweiser schwenkte der Sachverständigenrat inhaltlich um: von der stark an der Geldmenge ausgerichteten Bundesbanklinie hin zur Empfehlung an die Europäische Zentralbank (EZB), ihre Zwei-Säulen-Strategie abzulegen und sich einer direkten Inflationssteuerung zu bedienen. Doch klingt diese Kritik verhalten an. Größere Konflikte inhaltlicher Art sind im EZB-Rat wohl nicht zu befürchten. Der in Rheinland-Pfalz geborene Weber studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Konstanz. Er wechselte danach zur Universität Siegen, die ihn promovierte und an der er sich habilitierte. Der Ökonom lehrte in Bonn und Frankfurt und arbeitet seit 2001 als Professor für Internationale Ökonomie an der Universität zu Köln. Weber ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2004, Nr. 94 / Seite 10
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Jahrgang 1965, Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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