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Politisch korrektes Deutsch Verbände wollen „soziale Unwörter“ zensieren

Die Armutskonferenz will „soziale Unwörter“ aus dem Sprachgebrauch verbannen. Das Bündnis hat dazu eine Liste mit 23 abwertenden Begriffen erstellt. Nach Ansicht der Sprachwächter sind selbst Worte wie „alleinerziehend“ oder „arbeitslos“ diskriminierend.

© DPA „Alleinerziehend“? Darf man so nicht sagen...

Die Nationale Armutskonferenz will die deutsche Sprache verarmen lassen - und letztlich Zensur üben. Gewöhnlich kämpft das Bündnis, dem Sozialverbände wie die Arbeiterwohlfahrt und die Diakonie angehören, gegen Ausgrenzung. Nichts und niemand soll ausgeschlossen werden. In der Sprache aber soll nun radikal aussortiert werden. Die Armutskonferenz hat nun eine „Liste der sozialen Unwörter“ veröffentlicht. Sie enthält „irreführende und abwertende Begriffe, mit denen Menschen in ihrer Lebenssituation falsch beschrieben, schlimmstenfalls sogar diskriminiert werden“.

„Person mit Migrationshintergrund ohne eigene Migrationserfahrung“

Christoph Schäfer Folgen:

Angesichts der 23 „sozialen Unwörter“ auf der Liste lässt sich den Autoren zumindest keine Armut an Ideen vorwerfen. „Alleinerziehend“ beispielsweise ist ein „soziales Unwort“, um dessen Fatalität bislang vermutlich kaum jemand wusste. Die Armutskonferenz stört daran, dass es „nichts über mangelnde soziale Einbettung oder gar Erziehungsqualität“ aussage. Beides werde jedoch häufig mit „alleinerziehend“ assoziiert. Das Wort „arbeitslos“ dürfe ebenfalls nicht mehr vorkommen: „Es sollte erwerbslos heißen, weil es viele Arbeitsformen gibt, die kein Einkommen sichern.“

Der Zuwanderungsproblematik spendiert die Armutskonferenz gleich zwei Punkte auf der Liste. Seit das Wort „Ausländer“, mit dem Juristen in Deutschland lebende Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft bezeichnen, durch den politisch korrekten Begriff „Menschen mit Migrationshintergrund“ ersetzt wurde, dürften auch Wohlmeinende daran eigentlich nichts Prekäres mehr finden. Die Sprachwächter der Armutskonferenz sehen es anders. Sie stört, dass der Terminus „Person mit Migrationshintergrund“ in den Medien, der Politik und der breiten Öffentlichkeit „häufig mit einkommensschwach, schlecht ausgebildet und kriminell in Zusammenhang gebracht“ werde. „Während mit diesem Begriff Klischees reproduziert werden, wird er der sehr unterschiedlichen Herkunft der so Bezeichneten nicht gerecht.“

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Aus den gleichen Gründen abzulehnen sei auch eine Betitelung als „Person mit Migrationshintergrund ohne eigene Migrationserfahrung“ - ein Begriffsungetüm, das vermutlich ohnehin niemand verwenden würde. Welche Bezeichnung am Ende für Nichtdeutsche und Zugewanderte überhaupt noch verwendet werden darf, bleibt Geheimnis der Autoren.

Geistige Armut

Ein paar Worte zumindest stehen zu Recht auf der Unwort-Liste. „Behindertentransport“ etwa wird von den Autoren mit dem Hinweis abgelehnt, dass Objekte transportiert werden, Menschen aber befördert werden. Konsequenterweise von „Behindertenbeförderung“ zu sprechen, wirkt sprachlich aber auch verunglückt.

Unglücklich ist die Armutskonferenz übrigens auch mit dem Ausdruck „bildungsferne Schichten“. Besser sei „fern vom Bildungswesen“ oder „vom Bildungswesen nicht Erreichte“. Korrekterweise sei darauf hingewiesen, dass auch vom Bildungswesen Erreichte bisweilen an geistiger Armut leiden.

Quelle: F.A.Z.

 
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