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Politisch korrektes Deutsch Verbände wollen „soziale Unwörter“ zensieren

 ·  Die Armutskonferenz will „soziale Unwörter“ aus dem Sprachgebrauch verbannen. Das Bündnis hat dazu eine Liste mit 23 abwertenden Begriffen erstellt. Nach Ansicht der Sprachwächter sind selbst Worte wie „alleinerziehend“ oder „arbeitslos“ diskriminierend.

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Herbert Kern
Herbert Kern (pleiades) - 27.02.2013 00:42 Uhr

Bescheidene Fragen am Rande.

Haben wir in Deutschland nun einen "Verteidigungsminister" oder einen "Kriegs(einsatz)minister? (Bu-Mm... der Verteidigung)

Haben wir wirklich einen Verbraucher"schutz" ... samt derzeitiger Schutz-Mini-sterin? (Bu-Mm ... für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz)

Haben wir ein "Bildungs"ministerium? (Bu-Mm... für Bildung und Forschung)
Haben wir ein "Familien"ministerium? (Bu-Mm... für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
Haben wir ein "Arbeits"ministerium? (Bu-Mm... f ü r Arbeit und Soziales)

Oder sind das alles bloß seit Jahrzenten bestehende PR-Gags und inhaltsleere Worthülsen?
zwecks Postengeklüngel?
Frei nach dem Motto: Je mehr Ministerien (Mysterien) samt Ministerchen, desto größer die "Macht", das "Ansehen" des Kanzlers, der Kanzlerin.

Das einzig wortgetreue scheint derzeit das "Entwicklings(hilfe) Bu-Mm... zu sein.
Und das wollte der derzeitige "Amtsinhaber" doch mal abschaffen. Oder?

Alles zusammen: Ein Witz. Ein teurer für den Steuerzaaaahler. Bumm.

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Svenja Sirisee
Svenja Sirisee (Sirisee) - 26.02.2013 23:33 Uhr

Alleinerziehende Negerküsse ziehen Arbeitslose und ausländische Zigeuner magisch an

... Man muss passiven Widerstand leisten. Doppelplusungut.

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Wolfgang Richter

1984-mäßige Sprachdiktatur

Ihr könnt lügen und Begriffe verbiegen wie Ihr wollt:
Verbrecher bleiben Verbrecher, Ungebildete bleiben Ungebildete usw.
Daran ändert auch Orwell'scher Newspeak nichts.
Die Diktatur der Sprache durch politisch korrekte Gutmenschen wird immer peinlicher und lächerlicher. Es wird Zeit, dem durch Boykott ein Ende zu setzen.
Offiziell ist dieses Land noch eine Demokratie.

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Michael Wilmes

Gutwelsch

Die Bemühungen der genannten Verbände um diskriminierungsfreie Begriff sind im Grunde nachvollziehbar, schwanken aber zwischen den Polen Ernsthaftigkeit und Lächerlichkeit. Vermutlich werden Menschen, die "von Bildung nicht erreicht" worden sind, eher letzteres empfinden. Schade, denn nicht zuletzt bei diesem Personenkreis soll ja wohl das "Gutwelsch" greifen. Übrigens bleibt die Frage offen, ob die "Bildung" jene Gruppe bei Besuchen dort nicht angetroffen hat oder ob sie von ihr nicht besucht worden ist. Meines Wissens werden Bildungseinrichtungen von Bildungswilligen oder Bildungsverpflichteten aufgesucht und nicht umgekehrt. So könnte wohl der eher der Begriff "Bildung nicht (Auf-)suchende" zutreffen, was ja immerhin diesen Menschen die Würde der Willensfreiheit beließe. Und wie ist das mit "Arbeiterwohlfahrt"? Was ist mit Arbeiterinnen? Und gilt dieser Begriff für alle, also auch erwerbsfreie Arbeiten? Nein. Ich sehe versteckte Diskriminierungen. Das kann so nicht bleiben! Ändern!

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Cornelius Schwarz

Armutsbranche

Auch das ministry of truth sollte beispielsweise bei den Jüngsten und Wehrlosen diese newspeak in den Schulen verbreiten.

Durch neue Armutsdefinitionen könnte es gelingen immer mehr Menschen als zufriedene Kundschaft der Armutsbranche zu gewinnen und aus der Erwerbstätigkeit zu locken.

Dafür müßte man mehr für die Armut tun, damit Armut wieder lukrativer wird als die Arbeit.

Schon vor Jahrzehnten hat man geworben:

Dein Recht auf Sozialhilfe. Laßt dich nicht vom Kapitalisten ausbeuten.

Auch andere Branchen, wie das deutsche Metzgerhandwerk sollten über die Sprache ihren Branchenumsatz vergrößern.

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Alex Zunker
Alex Zunker (zunker) - 26.02.2013 22:08 Uhr

Die Entwicklung ist doppelplusungut.

Ich habe in den letzten Tagen Orwells "1984" gelesen und ich fand es beeindruckend, wie sehr seine Dystopie immer mehr Anklang in der Realität wiederfindet, so absurd es auch ist.

Und gerade die Kritik am Begriff "bildungsfern" strotzt nur so von Staatsgläubigikeit, von Sozialismus. Man möchte es ersetzen durch "dem Bildungswesen fern". Mit Verlaub: Bildung kann man auch außerdem des Bildungswesen erfahren. Und Bildung muss man außerhalb des staatlichen Bildungswesen erfahren, denn sonst ist man bildungsfern, denn in der Schule lernt man nur Grundfertigkeiten und Grundwissen, aber Bildung konstituiert sich erst durch jahrelange Bildung in Eigeninitiative oder durch eine bildungsnahe Erziehung durch die Eltern.

Der Autodidakt Marcel Reich-Ranicki hat nie eine Universität besucht. Bildungsfern ist nicht, aber nach der vorgeschlagenen Defintion wird er in einen Topf geworfen mit Leuten, die "dem Bildungswesen fern" sind. Seine persönliche Leistung wird schlicht negiert.

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Jan Frisch

Man kann diesem Gremium...

nur dringend nahelegen, sich zumindest mal von Wolf Schneider "Magie der Worte" zu Gemüte zu führen. Denn was die Herr- und Frauschaften (hoffentlich war das politisch korrekt genug?!) nicht bedenken bei ihrer Sprachanalyse ist der Umstand, dass JEDES Wort zugleich auch sein Gegenteil bedeuten kann, das liegt - man kann es bedauern oder einfach nur in seine alltägliche Realitätswahrnehmung einfließen lassen - in der Natur der Sprache.
Jedes neu ziselierte, noch längere, Kunstwort, wird binnen weniger Jahre ebenfalls einen Rattenschwanz an Konnotationen sammeln - es handelt sich ergo um eine Inflation der gesellschaftlichen Euphemismen.
Jetzt würde mich nur noch die Höhe des Sitzungsgeldes für diese "Sprachforscher" interessieren.

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Thomas Raden

Langeweile

Ich frage mich manchmal nur noch, wie viel Langeweile muss man haben um an so einer "Konferenz" teilzunehmen???

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Andrea Tripmacker

Assoziationen sind diskriminierend

Genauso diskriminiertend finde ich Armut, Einzelkind, verhaltensauffällig, Hartz IV. Aber nicht wegen der Zusammensetzung der Buchstaben, sondern wegen der Assoziationen, die diese Wörter wecken, bewusst geweckt werden. Die meisten Bezeichnungen kommen doch aus dem Behördendeutsch, weil die dort um Unterstützung ersuchenden Menschen irgendwie klassifiziert und eingeordnet werden müssen, damit ihnen die auf sie zugeschnittene Hilfe zuteil werden kann. Bewusst zu Bittstellern abgewertet sollen sie vor dem Bürokratenapparat möglichst klein gehalten werden, bis hin zur Kapitulation. Kafka lässt grüßen.

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Erik Staack
Erik Staack (E_Staack) - 26.02.2013 21:18 Uhr

Die haben noch ein Wort vergessen (Ironie)

Das Wort Zensur ist negativ behaftet und muss mit auf die Liste.
Begründung Zensur wird generell mit Diktaturen und Menschenverachtenden Regierungen verbunden. Damit niemand auf die Idee kommt so etwas über unsere Regierung zu sagen muss vorher dieses Böse Wort auf die Lsite mit den nicht zu nennenden Wörtern gesetzt werden. Eine Langjährige Haftstrafe dazu mit Kommunikationsverbot nach aussen und die PC Umerziehung. Sonst könnten ja wieder so unanständige Wörter in die Öffentlichkeit gelangen. (Ironie aus).
.
Wenn man Alleinerziehend und Arbeitslos nicht mehr sagen darf wird es im schlimmsten fall dazu führen dass Menschen die in dieser Situation sind keine Hilfen mehr bekommen.
.
Alleinerziehende haben mein tief empfundenen Respekt denn ich kenne kaum eine Aufgabe die Herausfordernder für die betroffenen ist.

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Johannes Krause

gegen Diskriminierung!

Im Grundgesetz Artikel 3 Absatz 3 heißt es: "Niemand darf wegen (...) seiner Sprache (...) benachteiligt oder bevorzugt werden. (...) "

Ich fühle mich diskriminiert, wenn ich die Realitäten nicht in den Worten meiner Muttersprache benennen darf. Für mich bleibt daher ein Ausländer ein Ausländer, ein Zigeuner ein Zigeuner, ein Negerkuß ein Negerkuß, ein Illegaler ein Illegaler usw. usf.

Gut, "Migrant" oder "Mensch mit Migrationshintergrund" dürfen diese orwellschen Faschisten von mir aus verbieten, Das waren ohnehin nur politisch korrekte Ersatzbegriffe für Ausländer.
Ich sage weiter Ausländer. Punkt.

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Johannes Krause

Orwell'sche "Sprachreinigung" in Reinkultur!

Was hier entsteht, ist eine faschistische Diktatur.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.02.2013 06:08 Uhr
Wolfgang Gruber

Max Liebermann

soll beim Betrachten eines gewissen Fackelzuges gesagt haben: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“ Dem ist eigentlich nichts hizuzufügen.

Wer die Begriffe beherrscht, beherrscht die Politik.

Wehret den Anfängen!

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Helga Zießler

Was es nicht alles gibt...

Ziel der Nationalen Armutskonferenz(!) ist laut Homepage . Das klingt alles sehr gutmenschlich und unterstützenswert in deutschen Ohren.
Deshalb hackt nun auch eine große Mehrheit auf dem SAP-Milliardär Plattner herum, der sich seines Reichtums nicht schämt und großzügige Spenden angekündigt hat, deren Zweck und Verwendung er allerdings selbst bestimmen will. Nein, so hallt es, der soll sein (hoch versteuertes) Geld nicht spenden oder stiften, er soll es gefälligst dem Staat geben, auf das der es GERECHT verteilen möge. Denn offenbar kann nicht sein, was nicht sein darf: dass einer solch ein Vermögen wirklich verdient, weil er Erfindungsgeist hat, klug, innovativ und wagemutig ist.
Und nun kommen die politisch ganz korrekten Sprachpanscher der nak daher, wollen uns Maulkörbe verpassen mit einem Katalog neuer Un-Worte. Also schnell die Schulbücher ändern und Sprach-Blockwarte einsetzen!!

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.02.2013 14:30 Uhr
Helga Zießler

Leider ist in meinem Beitrag "Was es nicht alles gibt", 26.2., 20:45 Uhr, etwas schiefgelaufen

Da muss es im ersten Absatz heißen:

...ist laut Homepage "Bedürftigkeit in Deutschland zu minimieren... Nach dem Motto 'Armut ist falsch verteilter Reichtum'. Das klingt...

Tut mir leid!

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Heiner Peters

Zeitverschwendung

Es ist m. E. Zeitverschwendung, was die Armutskonferenz da gemacht hat. Denn letztlich können auch neu geprägte Begriffe für z. B. "alleinerziehend" genauso abwertend gebraucht werden. Ändern würde sich also nichts.

Den Begriff "alleinerziehend" sehe ich selbst nicht als negativ an.

In meinen Augen wird es mit der "politischen Korrektheit" einfach übertrieben. Oder wäre es politisch korrekt, wenn ich in einer Pommesbude statt eines Zigeunerschnitzels ein "Sinti- und Roma-Schnitzel" bestelle?

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Florian Adler

Mut zur Intoleranz gegen den rigiden Sprachkodex

Meinungsfreiheit ist eine der wichtigsten Errungenschaften der Demokratie. Womit wir wiederholt konfrontiert werden, ist ein weiteres Kapitel im Amoklauf der PC. Aus falschverstandener Toleranz werden Verhaltensweisen von PC-Ideologen gebilligt (wie lange noch?), deren PC-Sprachnormierungen und -Stilblüten sich bis ins Absurde steigern, die eigentlich nicht mehr hinzunehmen sind. Zu Recht gilt das Paradoxon: «Im Namen der Toleranz müssen wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren».

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Hans-Jürgen  Steffens

Wo käme man auch hin,

wenn man Mist als "Mist" und Murks als "Murks" bezeichnete.

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George Rauscher

Alleine am Beispiel

"Menschen mit Migrationshintergrund" sieht man doch deutlich, daß eine Änderung bzw. ein verbot von Bezeichnungen absolut nichts ändert. Wer mit dem bisherigen Wort eine negative Konnotation verbindet, der wird diese auch auf das neue Wort transferieren.

Und was ist bitte an "Behindertentransport" so schlimm? Ein Bus ist ein öffentliches Transportmittel, und auch wenn es am ÖPNV etliches auszusetzen gibt, als Gegenstand fühlt sich wohl keiner der Transportierten. Der Duden sagt: "Transportmittel: Transportieren von Gütern und Personen dienendes Kraft-, Schienen-, Luft- oder Wasserfahrzeug."
Übrigens kann man auch Gegenstände befördern. Tja, die deutsche Sprache wieder mal...

Diese übermäßige Political Correctness verhindert und verbessert nichts. In den USA ist es eine Beschimpfung, wenn man sagt jemand solle den "short bus" nehmen. Klingt harmlos, im Klartext ist es das Equivalent des deutschen "du bist sowas von behindert", weil zu diesem Zweck meist Kleinbusse eingesetzt werden

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Andreas Kirsch

EU-Politiker

Ist ein "soziales Unwort".

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Sigrid Fröhlich

Behindertenbeförderung ?

na, ja, ..transport ist vielleicht nicht unbedingt schön, aber zumindest eindeutig und jeder versteht, was gemeint ist und das ist doch wohl Aufgabe der Sprache, oder?
Dagegen ...beförderung, na wunderbar. Werden die Behinderten denn nun zu Schwerbehinderten oder zu Leichtbehinderten befördert? und gibt es eine "Beförderung nach Leistung" oder, wie bei den Beamten, durch Zeitabsitzen? Wie wäre es stattdessen mit "Behindertenverbringung"? Das ist doch bewährtes Beamtendeutsch und steht meines Wissens keineswegs auf dem Index dieser selbsternannten Weltverbesserer. Aber vielleicht sind Angeklagte oder Gefangene, die zumindest nach den Worten von Polizeisprechern, "verbracht" werden dürfen, keine Menschen, die irgendeines Schutzes würdig sind.

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Sigrid Fröhlich

Schuld ist der Sozialismus

Nicht nur der: die ganze linke Ideologie inklusive der grünen, denn die Grünen sind erst stark geworden, als die durch den Untergang des Kommunismus heimatlos gewordenen Linken und Linkschaoten eine neue Heimat brauchten, wo sie weiter einem Demokalender folgen konnten.
Siehe nur die ideologische Herkunft von Herrn Trittin! Das Programm ist das Gleiche: Alle Menschen gleich machen und vor allem, allen da s richtige Bewußtsein beibringen - zur Not mit Gewalt. Zweite Gruppe von Verantwortlichen: die Gutmenschen, die immer nur das Beste wollen und an das stets Gute im Menschen glauben.

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26.02.2013, 09:23 Uhr

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