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Politiker kritisieren Bahn-Preiserhöhung „Übelste Abzocke“ und „Größenwahn“

19.08.2008 ·  Am Montag hatte Bahnchef Mehdorn eine Erhöhung der Ticketpreise angekündigt - und gleichzeitig glänzende Halbjahreszahlen vorgestellt. Das haben Verkehrspolitiker quer durch die Fraktionen scharf kritisiert. Der Verkehrsminister hingegen verteidigte Mehdorns Strategie.

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Verkehrspolitiker mehrerer Parteien haben Kritik an den angekündigten Preiserhöhungen der Deutschen Bahn AG geübt. Auch die Lokführer-Gewerkschaft GDL meldete sich zu Wort und wies Anschuldigungen zurück, die erhöhten Personalkosten seien ein wesentlicher Grund für die steigenden Ticketpreise.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee verteidigte hingegen die angekündigte Erhöhung der Fahrpreise. „Preiserhöhungen schmerzen immer“, sagte der SPD-Politiker am Dienstag in Chemnitz. Aber die Bahn AG sei ein Unternehmen, das streng wirtschaftlich agiere. Wenn sich das Umfeld verändere, müsse die Bahn reagieren. „Die Fahrpreiserhöhung ist nötig, um das Unternehmen weiter stabil auf Erfolgskurs zu fahren“, sagte der Minister. Daher könne man darauf nicht verzichten.

Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte am Montag bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz in Frankfurt angekündigt, die Preise sollten wegen hoher Energie- und Personalkosten nach zwölf Monaten zum Fahrplanwechsel im Dezember wieder angehoben werden (siehe dazu auch: Bahn steigert Gewinn - und erhöht Preise).

„Vorsicht beim Drehen an der Preisschraube“

Der Grünen-Politiker Fritz Kuhn bezeichnete die Preiserhöhung als „übelste Abzocke“. Mehdorn wolle „wieder die Fahrgäste schröpfen, um den geplanten Börsengang für profithungrige Investoren attraktiv zu machen“, sagte der Fraktionschef im Bundestag den in Dortmund erscheinenden „Ruhr Nachrichten“. Diesem „kundenfeindlichen Größenwahn“ müsse der Bund als Eigentümer endlich ein Ende machen.

Auch der Bremer Verkehrssenator Reinhard Loske (Grüne) kritisierte: „Wer mehr Personenverkehr auf die Schiene bringen will, sollte beim Drehen an der Preisschraube vorsichtig sein. Viel wichtiger ist, dass die DB endlich ihr Tarifsystem reformiert“, sagte er der „Berliner Zeitung“. Vielfahrer und Stammkunden sollten belohnt werden.

Weselsky: „Hätte mich gewundert, wenn wir nicht Schuld wären“

Der FDP-Verkehrspolitiker Horst Friedrich kritisierte den Zeitpunkt der Ankündigung. Die Bahn müsse angesichts des guten Ergebnisses die Erhöhung besser begründen. „Sonst entsteht der Eindruck, sie versuche, den Markt abzuschöpfen.“ Auch FDP-Bahnexperte Patrick Döring sagte: „Das wird diejenigen abhalten, die vom Auto auf die Bahn umsteigen wollen.“ SPD-Politiker Hermann Scheer erklärte, dass Preiserhöhungen „bei den derzeitigen Erträgen nicht nötig sind“.

Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, sagte, Mehdorns Begründung für die Preisrunde sei nicht haltbar. „Es hätte mich gewundert, wenn wir nicht Schuld wären“, sagte der GDL-Vorsitzende. Die Halbjahresbilanz hingegen zeige, dass Personalkosten nicht ausschlaggebend seien. „Mehdorn hat gute Zahlen vorgelegt. Er macht sein Baby hübsch für den Börsengang“, sagte Weselsky.

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