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Plebiszit Schweizer stimmen über die „Abzockerinitiative“ ab

Mit einer Volksabstimmung möchte ein Schweizer Abgeordneter die finanzielle Selbstbedienung in Unternehmensführungen beenden. Sagen die Eidgenossen ja zu den Plänen, werden Managervergütungen in Milliardenhöhe bald radikal reformiert.

© dpa Vergrößern Trügerische Ruhe: Friedlich liegen die Schweizer Alpen da, im Tal tobt die Debatte um die Managervergütung.

In der jüngeren Vergangenheit haben die Schweizer in ihren Volksabstimmungen mehrere radikale Entscheidungen gefällt. Beispiele sind das Verbot des Baus neuer Minarette vom November 2009, die „Ausschaffungsinitiative“ zur Ausweisung krimineller Ausländer ein Jahr später und die Begrenzung des Zweitwohnungsanteils in den Gemeinden auf 20 Prozent vom März 2012. Ähnlich durchgreifend wäre ein Ja der Stimmbürger zu der „Abzockerinitiative“ des Kleinunternehmers Thomas Minder, die am 3. März zur Abstimmung steht. Fünf Jahre lang musste der streitbare Parlamentsabgeordnete aus Schaffhausen auf diesen Tag warten, aber nun hat alles Lavieren der Gegner und Bedenkenträger ein Ende. Und die Chancen der Minder-Initiative gegen eine angebliche Selbstbedienungsmentalität auf den Chefetagen der Schweizer Unternehmen stehen nicht schlecht. Anscheinend werden sie selbst dadurch nicht gemindert, dass die Bestimmungen die internationalen Standards der Managervergütung weit übertreffen.

Jürgen  Dunsch Folgen:    

Die Forderungen der Boni-Rebellen umfassen 24 Punkte. Die wichtigsten zielen auf eine starke Machtausweitung der Aktionäre in den Hauptversammlungen. Geht es nach Minder, sollen sie künftig jährlich über die jeweilige Gesamtvergütung von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat entscheiden. Die Mitglieder und der Präsident des Verwaltungsrats würden jährlich neu gewählt, Organ- und Depotstimmrechte abgeschafft. Pensionskassen müssten ihr Abstimmungsverhalten offenlegen. Antrittsgelder und Abgangsentschädigungen („goldene Fallschirme“) wären künftig untersagt.

Quittung für Managergehälter, die seit Jahren als unangemessen empfunden werden

Obwohl es in der Abstimmung nicht um die absolute Höhe der Gehälter geht, werten Beobachter ein mögliches Ja als Quittung für Vergütungen, die seit Jahren als unangemessen empfunden werden. Sie betrafen zunächst in erster Linie die Pharmabranche und verbanden sich mit dem Namen des heutigen Novartis-Verwaltungsratspräsidenten Daniel Vasella. Später kamen die Gehälter und Boni in den Banken hinzu, zumal die Vergütungsmodelle vielfach kaum durchschaubar waren. Zusätzlichen Rückenwind erhielten Minder und seine Verbündeten, als die Finanzkrise das Versagen vieler Banker bloßlegte. Die zuletzt bekanntgewordenen Entgelte vermochten den Unmut unter den Schweizern kaum zu dämpfen.

Nach Erhebungen der Anlagestiftung Ethos standen auch 2011 Pharma-Manager an der Spitze der Gehaltsskala. Vasella erhielt 13,5 Millionen Franken oder umgerechnet 11,3 Millionen Euro, nur übertroffen vom Vorstandsvorsitzenden Joe Jimenez, der 15,7 Millionen Franken einstrich. Nummer drei war Roche-Chef Severin Schwan mit knapp 13 Millionen Franken.

Die Durchschnittswerte in den hundert größten börsennotierten Unternehmen lagen sichtbar darunter. So verdiente ein Vorstandsvorsitzender laut Ethos 3,2 Millionen Franken. In den Großbanken UBS und Credit Suisse sanken die Vergütungen gegenüber dem Vorjahr zwar um 23 Prozent beziehungsweise 56 Prozent. Aber mit rechnerischen Durchschnittswerten von 6,4 und 5,4 Millionen Franken zählten die obersten Führungskräfte weiterhin zu den Superverdienern.

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Die Verwaltungsratspräsidenten müssen in der Schweiz ebenfalls nicht darben. Nach einer Zusammenstellung des Wirtschaftsmagazins „Bilanz“ kam Urs Rohner bei der Credit Suisse 2011 auf 4,3 Millionen Franken verglichen mit umgerechnet 350.000 Franken für Aufsichtsratschef Clemens Börsig in der Deutschen Bank. Hubertus von Grünberg erhielt bei ABB 1,2 Millionen Franken, sichtbar mehr als Gerhard Cromme mit 788.000 Franken beim Konkurrenten Siemens. Besonders ins Auge sticht die Gegenüberstellung Swiss Re/Munich Re: 4,8 Millionen Franken für Walter Kielholz, 314.000 Franken für Hans-Jürgen Schinzler.

Vor diesem Hintergrund tun sich die Gegner der „Abzocker-Initiative“ schwer, zumal die Protagonisten mit der Fahne der „Aktionärssouveränität“ umherziehen. Daher stellen sich inzwischen selbst Vertreter der Wirtschaft hinter den Gegenvorschlag des Parlaments, der dann zum Tragen kommt, wenn das Minder-Paket abgelehnt wird. Allerdings ist auch dagegen ein Referendum möglich. Der Gegenvorschlag greift viele Anliegen der Initiative auf, erlaubt aber mehr Gestaltungsspielräume. So können die Aktionäre Ausnahmen vom Verbot der Abgangsentschädigungen beschließen oder im Verwaltungsrat dreijährige Amtszeiten zulassen. Im Grundsatz erhielten die Anteilseigner auf diese Weise sogar mehr Kompetenzen.

Quelle: F.A.Z.

 
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