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Veröffentlicht: 15.02.2013, 07:27 Uhr

Platzmangel in der Großstadt Her mit den Wohnungen!


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Sudfass -  Das Bordell steht vor dem Verkauf und dem Abriss. An seiner Stelle und auf dem angrenzenden Grundstück sollen Wohnungen errichtet werden. © Jakob von Siebenthal Vergrößern Selbst das älteste Gewerbe der Welt muss bald Wohnungen weichen: Das Bordell „Sudfass“ am Mainufer

Wie groß ist das Problem auf dem Wohnungsmarkt heute? Noch spricht in der alten Hausbesetzerstadt Frankfurt kein Experte von Wohnungsnot. Das in Berlin auftretende Phänomen, dass Investoren aus aller Welt Häuser kaufen und kaum nutzen, spielt in Frankfurt keine Rolle. Wer außerhalb der begehrten Stadtteile Bornheim, Westend, Nordend, Sachsenhausen oder Bockenheim sucht, wird fündig. Doch es wird schon schwieriger in der Innenstadt und in Vierteln am Main. Und es wird deutlich teurer, während sich der Zuzug weiter fortsetzt.

Wohnungsnot ist programmiert, obwohl die Stadt eine Menge macht. Sie hat in den letzten drei Jahren große Quartiere entwickelt (Rebstock, Riedberg, Europaviertel), und weitere 4000 Wohnungen stehen bis 2017 auf der Agenda. Nur wo und wie? Das klassische Konzept heißt „Nachverdichtung“: Jede Lücke in beliebten Vierteln wird gefüllt. Nachteil: Die alteingesessene Bevölkerung stellt sich gerne quer. Die Rufe nach dem Milieuschutz, der vor allem aus den grünen und zugleich bürgerlichen Stadtteilen Bornheim, Nordend und Bockenheim erschallt, ist in der Konsequenz die Aufforderung an die Newcomer, sie sollten bitte draußen bleiben. Das macht einem grünen Planungsdezernenten das Leben nicht leichter.

Eine Möglichkeit ist die Vertreibung der alten Industrie

Das wirkungsvollste Mittel ist im Prinzip, neue Baugebiete auszuweisen. Das geht zwar auch selten ohne Widerstände, aber wenn man die Strategie erst durchgeboxt hat, bringt sie größere Stückzahlen. Grob kann man sagen, dass in Frankfurt 50 Prozent der Fläche bebaut sind, weitere 30 Prozent sind für den „Grüngürtel“ reserviert. Diese Parklandschaft ist heilig, selbst die aggressivsten Stadtplaner wollen hier nicht bauen.

Der Chef der Wohnungsbauholding ABG, Frank Junker, hat ein klares Programm: „Wir müssen jede freie Fläche für den Wohnungsbau nutzen.“ Seinen begehrlichen Blick hat er auf Frankfurts Äcker gerichtet: Er forderte auf dem Neujahrempfang der Frankfurter Industrie- und Handelskammer landwirtschaftliche Flächen, „die mit EU-Mitteln zu Brachen saniert werden, dem Wohnungsbau zuzuführen“. Vor allem die Felder am Rande von Wohngebieten kommen für ihn Frage: „Wenn Sie ein Äckerchen haben, rufen Sie mich an und ich komme persönlich vorbei und zahle bar!“ Prompt machten die Bauern Rabatz, da sie um Grund und Boden fürchteten.

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Die andere heikle Möglichkeit ist die Vertreibung der alten Industrie, die viel Platz einnimmt, dafür aber Gewerbesteuern zahlt. „Die Geschichte der Stadt ist auch die Geschichte der Verdrängung“, sagt Martin Wentz achselzuckend. Unter seiner Führung als Stadtplanungsdezernent wurde der gewaltige Schlachthof am Main verlagert, um das Ufer für Wohnungen frei zu machen. Ein großes Politikum. „Der große Frankfurter Schlachthof lag erst am Rand der Innenstadt, dann im Stadtteil Sachsenhausen. Jetzt wird in Thüringen geschlachtet“, sagt Wentz. Und alle seien froh über die Lösung. Das Industrieviertel am Frankfurter Osthafen im Schatten der Europäischen Zentralbank ist bisher noch sakrosankt. Aber bleibt es das? Man könnte dort mit ein bisschen Phantasie sehr schön am Main wohnen.

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