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Plakettenpflicht Sperrgebiete für alte Autos

03.01.2008 ·  In diesem Jahr drohen Autofahrern erstmals wieder Fahrverbote: Viele Großstädte weisen Umweltzonen aus, in die nur noch eingefahren darf, wenn am Wagen die richtige Plakette prangt. Alte Diesel ohne Katalysator müssen draußen bleiben. Wer die Umwelt-Plaketten bekommt und wer daran verdient.

Von Boris Schmidt
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Die Autofahrer in Berlin, Köln und Hannover haben schnell auf die Einführung der Umweltzonen reagiert. Nach einer ersten Messreihe der Deutschen Umwelthilfe (DUH) haben am zweiten Tag der Plakettenpflicht etwa 75 Prozent den für die Zone erforderlichen Aufkleber erworben. Die höchste Quote gab es in Köln mit 84 Prozent. In Berlin waren es 75 Prozent, in Hannover 64 Prozent.

Der deutsche Aufofahrer ist Kummer gewöhnt, denn das Mobilsein wird ständig teurer. In diesem Jahr drohen erstmals Fahrverbote: Viele deutsche Großstädte werden Umweltzonen ausweisen, in die nur noch eingefahren darf, wenn am Wagen die grüne (oder rote/gelbe) Plakette prangt. Berlin, Köln und Hannover haben den Anfang gemacht, andere Städte werden folgen, etwa Stuttgart im März oder München im Herbst. Die roten und gelben Plaketten sind ausschließlich für Dieselautos vorgesehen, keine Plakette erhalten Benzin-Autos ohne Katalysator und ältere Diesel. Oldtimer mit H-Kennzeichen dürfen aber fahren. Motorräder sind von der Plakettenpflicht generell ausgenommen. Wohlgemerkt, jedes Auto muss die Plakette haben, auch Besucher und sogar ausländische Gäste.

Wo es die Aufkleber gibt

Den in der Regel 5 Euro teuren Aufkleber gibt es bei den anerkannten Prüf-Organisationen (TÜV, GTÜ, Dekra), bei den Zulassungsstellen und bei etwa 34.000 zur Ausgabe autorisierten Werkstätten. Würden sich die Deutschen für ihren gesamten Fahrzeugbestand von rund 45 Millionen Autos die Aufkleber besorgen, kann die Branche mit einem zusätzlichen Umsatz von 225 Millionen Euro rechnenen.

Die Deutsche Umwelthilfe hat in den neu eingerichteten Umweltzonen von Berlin, Köln und Hannover die Autos auf Plaketten kontrolliert. Rund 80 Prozent der Fahrzeuge konnte den entsprechenden Aufkleber vorweisen. Echte Strafzettel und einen Punkt ins Flensburg gibt es erst von Februar an.

Ein großes Geschäft wird es für die Werkstätten wohl nicht. Sie verdienen ungefähr 2,50 Euro je Vorgang, sagt Helmut Blümer, Sprecher des Branchenverbands ZDK. Allerdings dürfe der Arbeitsaufwand nicht unterschätzt werden. Für jedes Auto muss geprüft werden, welche der drei Farben der Antragsteller bekommt, die Autonummer wird auf die Plakette geschrieben und jede Ausgabe registriert werden, um eine Blanko-Verteilung zu verhindern. Die Datenbank pflegt der ZDK selbst, der dafür ungefähr 10 Cent je Plakette bekommt. Die Innungen wiederum kaufen das kleine Schildchen für weniger als einen Euro bei den Druckereien. Wobei es auch hier Rabattstaffeln gebe, je nach bestellter Stückzahl. Da die größeren Organisationen wie TÜV, Dekra oder GTÜ etwas geringeren Verwaltungsaufwand haben, ist davon ausgehen, dass ihr Plakettengeschäft etwas einträglicher ist.

40 Euro Bußgeld

„Schwarzfahren“ ist Autofahrern nicht zu empfehlen. Wer ohne Plakette erwischt wird, muss mit 40 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Die Stadt Köln hat aber schon angekündigt, in den ersten drei Monaten keine Strafen zu verhängen; in Berlin wird es einen Monat lang nur Verwarnungen geben. In Hannover hat die Stadt zur Einführung der Umweltzone eine Informationskampagne für Fahrzeughalter gestartet, deren Wagen noch nicht mit der erforderlichen Umweltplakette versehen sind. Die Politessen steckten den Wägen in den kommenden Tagen an ein Faltblatt hinter die Scheibenwischer. 100.000 der Zettel seien gedruckt worden.

Während viele Autofahrer die Übergangsfristen als hilfreich empfinden, beklagt die Umwelthilfe zu lange „Schonfristen“ für fehlende Plaketten. Als schwierig zeichne sich die Kontrolle von ausländischen Fahrzeugen ab, die nur vorübergehend in deutsche Städte fahren.

Quelle: F.A.Z., 03.01.2008, Nr. 2 / Seite 9
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