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Veröffentlicht: 19.11.2012, 13:06 Uhr

Pläne der Bundesregierung Altenpfleger sollen schneller geschult werden

Arbeitslose sollen zu Pflegern werden. Die Bundesregierung erwägt eine kürzere Umschulung in zwei statt drei Jahren. Bis 2030 könnte bis zu eine halbe Million Pfleger fehlen.

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© Bergmann, Wonge Fachkräfte-Mangel: Derzeit dauert die Besetzung einer offenen Stelle in der Altenpflege rund 115 Tage.

Angesichts des drohenden Mangels an Pflegekräften plant die Bundesregierung, die Umschulungszeiten von Arbeitslosen zu verkürzen. Durch „eine weitergehende Anrechnung von Vorqualifikationen und Berufserfahrung auf die Umschulungsdauer“ zum Altenpfleger soll das Potential besser erschlossen werden, heißt es in einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktionen, welche dieser Zeitung vorliegt. Im Klartext bedeutet dies: Die Verkürzung von einer drei- auf zweijährige Umschulung soll erleichtert werden.

Sven Astheimer Folgen:

Die Beratungen zu den Änderungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Die Grünen-Politikerinnen Elisabeth Scharfenberg und Brigitte Pothmer kritisierten die Pläne scharf. Sie fürchten eine Aufweichung der Ausbildungsstandards: „Wenn zukünftig schon allgemeinste Erfahrungen im Altenpflegebereich für eine verkürzte Ausbildung ausreichen sollen, dann droht die Dequalifizierung des Berufsbildes.“ Das sei weder den Beschäftigten noch den Pflegebedürftigen zuzumuten.

„Schwarz-Gelb will kein Geld investieren“

Wie aus der Anfrage weiter hervorgeht, prüft der Bund immer noch die auf drei Jahre befristete Übernahme der kompletten Umschulungskosten. Im Sommer hatte das Arbeitsministerium diesen Schritt im Rahmen der „Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege“ schon für 2013 angekündigt. Bislang liegt jedoch noch kein Gesetzentwurf vor. Derzeit darf die Bundesagentur für Arbeit die Umschulungen nur für zwei Jahre finanzieren, für das dritte Jahr müssen zum Beispiel die Bundesländer aufkommen. Häufig scheitert das Vorhaben daran, dass kein Financiers gefunden wird. Obwohl alle Bundesländer mit Engpässen in der Altenpflege konfrontiert sind, haben sich erst wenige, etwa Hessen, zur generellen Finanzierung des dritten Jahres bereit erklärt.

Die Bundesagentur für Arbeit hatte den Bundesländern deshalb schon vor Monaten in dieser Zeitung eine Pflegeblockade vorgeworfen. Während der Wirtschaftskrise 2009 und 2010 hatte die Arbeitsagentur im Rahmen des Konjunkturpakets II schon einmal die kompletten Kosten übernehmen können. Damals stieg die Zahl der Umschüler deutlich. Seit dem Ende des Pakets sind die Teilnehmerzahlen nach Angaben der Grünen im Bundesdurchschnitt um rund 40 Prozent gesunken. Die Grünen-Politiker vermuten nun, dass die beiden Vorhaben in direktem Zusammenhang stehen. „Offenbar will Schwarz-Gelb in die dreijährige Umschulung kein Geld investieren“, lautet ihr Vorwurf.

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Die Regierung setze stattdessen darauf, „eine dreijährige Förderung durch eine radikal verkürzte Ausbildung nahezu überflüssig zu machen.“ Derzeit dauert die Besetzung einer offenen Stelle in der Altenpflege laut Arbeitsagentur rund 115 Tage, das ist deutlich mehr als im Durchschnitt aller Berufe. Fachleute sind sich einig, dass der Bedarf an Pflegern angesichts der starken Alterung der Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten noch erheblich zunehmen wird. Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung könnten bis zum Jahr 2030 rund eine halbe Million Vollzeit-Pflegekräfte fehlen.

Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bis 2030 um fast die Hälfte auf knapp dreieinhalb Millionen steigen wird - laut der Bertelsmann-Stiftung wird sie sich in manchen Kommunen sogar weit mehr als verdoppeln, bestätigte ein Sprecher. Die Prognosen für die Bundesländer fallen sehr unterschiedlich aus. Der höchste Anstieg wird für Brandenburg mit rund 72 Prozent erwartet. In Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein je um mehr als die Hälfte steigen, etwas weniger in Sachsen, Thüringen und Niedersachsen. Die geringsten Anstiege werden in den Stadtstaaten Hamburg (32 Prozent) und Bremen (28 Prozent) erwartet.

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