05.04.2012 · Transparenz heißt das Zauberwort der Piraten. Alles soll durchsichtig sein, niemand darf sich verstecken. Geheimnisse sind dem Piraten suspekt. Aber sie vergessen den Schutz der Privatheit.
Von Rainer HankRichtlinien für Lesermeinungen
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Abenteuerliche Argumentationsführung des Autors
Um auf die Meinung der Piratenpartei zum Thema Urheberrecht
einzuschlagen, scheint wohl keine Argumentationskette zu kreativ. Nach
der erstaunlichen Feststellung "vor lauter Information weiß
man am Ende gar nichts mehr" (wir sollten dem Staat wohl dankbar
sein, dass er uns vor zuviel Informationen schützt), reißt
die Kette schon beim ersten Glied: Die Piratenpartei fordert mitnichten
einen transparenten Bürger. Das genaue Gegenteil ist der Fall:
"Die Forderung einer transparenten Politik statt eines
gläsernen Bürgers ist Kernbestandteil der politischen Arbeit
der Piraten." So räumt die Piratenpartei in ihrem
bekanntlicherweise schmalen Parteiprogramm sehr viel Raum den Begriffen
Privatsphäre und Informationelle Selbstbestimmung ein. Vom
transparenten Bürger keine Spur.
Was schließlich das Urheberrecht mit der Privatsphäre des
Urhebers zu tun hat? möchte der Musiker etwa, dass seine Musik
möglichst niemand hört? Hier ist dem Autoren wohl auch kein
Argument zu schade...
Die Stärke der Piraten, die Transparenz, ist gegenwärtig noch
ohne nennenswerte Inhalte. Das wird von Sprechern der Piraten auch
zugegeben.
Die Wahlwerbungsperiode ist jetzt vorbei, viele Wähler haben sich
von der Tranparenzität der Piraten faszinieren lassen. Denn
für die großen Parteien u. Euro-Körperschaften ist das
ein Fremdwort.
Aber jetzt ist es höchste Zeit, dass sich die Piraten mit
Fachkräften eindecken, damit die Tranparenz endlich mit Inhalt
gefüllt wird.
Denn irgendwann ist ein verlegenes Herumreden um irgendwelche Ziele den
braven und oft gläubigen Wählern zu dumm.
Transparenz wird schon gelebt
Transparenz innerhalb der Piratenpartei wird bereits gelebt, in Form von
öffentlichen (gestreamten) Fraktions- oder KV-Sitzungen. Ich finde,
dass das schon ziemlich viel Inhalt ist.
Auf staatlicher Eben lassen sich die Ziele und Forderungen der Partei
(ziemlich versteckt und im Kleingedruckten) auf ihrer Webseite nachlesen.
so das wir alle sehen können: bei den Piraten ist nichts, Leere.
Die neue Medienwelt macht es seit Verona Feldbusch u.a. möglich.
Ich kann nichts, ich weiß nichts, aber ich bin medienpräsent.
Das reicht!
Die staatlich organisierte Datensammelwut ist keine gehässige Unterstellung von Zeitgenossen, die etwas zu verbergen haben bzw. verbergen wollen, sondern common sense. Dieses bedenkliche, offensichtlich naturgesetzliche Vorgehen führen Sie nun ins Feld, um die Forderung nicht nur der Piraten nach dem gläsernen Staat abzuwehren, da ja dann auch von Staats wegen gesammelten, allumfassenden Informationen frei zugänglich werden könnten. Wenn ich ihren Kommentar korrekt interpretiere, darf es den gläsernen Staat also wegen des gläsernen Bürgers nicht geben ?
Das sind doch nur Nebenschaukriegsplätze..............
Die Piraten haben in den letzten Wochen mächtig an Zustimmung gewonnen. Dieser Trend könnte jedoch sehr schnell zu Ende sein, wenn sie weiter Dummheiten begehen. Hierzu zählt unter anderem eine Klage der Piraten gegen eine Tanzverbot am Karfreitag. Irgendwo hört das Verständnis für solche groben Scherze auf. Ich denke bei aller Groszügigkeit, solche Ausrutscher kommen beim Volk nicht gut an. Denn immerhin ist Deutschland noch ein christlich geprägtes Land, in dem bestimmte Sitten und Gebräuche unantastbar sind. Mit so so einemGeschwätz über TRANSPARENZ kann man diesen Blödsinn nicht wieder gut machen.
Die Augenklappe trägt der Pirat nicht etwa, weil er auf einem Auge
blind wäre, sondern weil er dieses Auge schonen möchte, um
damit nachts bei Mondlicht unter Deck extrem gut zu sehen.
Früher oder später werden sich die Piraten nicht mehr damit
begnügen, in der Opposition zu lernen, sóndern sie werden
den Laden übernehmen und extrem gute Politik betreiben mit
Gesetzen, die so gut sind, dass wir heute nicht mal davon zu
träumen wagen.
Wir werden uns wundern, was die Cloud der Piraten noch alles ausspuckt.
Piraten wollen den gläsernen Staat und nicht den gläsernen Bürger
Wir Piraten wollen Transparenz bei allem was mit öffentlichen
Aufgaben und Prozessen zu tun hat, also quasi den durch Transparenz
überwachten Staat und seiner Diener sprich Staatsbeamten und
Amtsträger zweck Vermeidung von Korruption zur Wahrung des Gemeinwohls.
Gleichzeitig wehren wir Piraten uns gegen den Überwachungsstaat,
das heisst die Überwachung des normalen Bürgers.
Alles soll durchsichtig sein, trifft nur für den Staat zu, die
öffentliche Hand. Warum heisst sie wohl öffentlich. Der
Mandatsträger darf sich nicht verstecken, bei allem was mit seinem
Staatsamt zu tun hat.
Das Privatleben des einfachen Bürgers soll nicht durchsichtig sein.
Er darf es gerne jederzeit verstecken. Hier wollen die Piraten keine
aufgezwungene Transparenz wie sie beispielweise bei
Harz-V-Empfängern ja schon viel zu weit geht. Während sich die
noch regierenden Parteien allen voran die FDP eher um den Schutz der
Privatheit von reichen Steuerhinterziehern sorgen. Das nenne ich
suspekt, nicht die Piraten!
Alles soll durchsichtig sein ...
Transparenz der öffentlichen Hand ist DRINGENDST vonnöten,
insbesondere bei der Verwendung unserer Steuern, immerhin unser aller
Vermögen. Könnte jeder Mann - und selbstverständlich jede
Frau! - ohne weiteres lesen, wofür der Politiker bzw. der sonstige
Vertreter der öffentlichen Hand das von ihm zu verwaltende Geld
ausgibt, dann käme so manche Steuergeldverschwendung ans Tageslicht
bzw. käme erst gar nicht zustande.
@ Piraten: bleibt und werdet transparent!
Wenn die Piraten jetzt "neuerdings" zwischen Urheber und
Verwerter unterscheiden, dann machen Sie das nicht erst seit gestern,
sondern schon immer.
Die Gegner einer Urherberrechtsreform argumentieren stets, dass
diejenigen, die im Moment davon profitieren, dann mittellos wären
und die Qualität in der Kultur verloren gänge.
Angesichts der dramatisch hohen Zahl an mittellosen Künstlern und
Kulturschaffenden, die kein Geld für eine Anzeige im Handelsblatt
haben, ist das nicht nur ignorant, sondern ganz einfach Ausdruck einer
Jahrzente lang zementierten Selbstverliebtheit der kulturellen Oberklasse.
Und das dass jetzige Urheberrecht nicht schädlich ist hat mir
bisher auch noch niemand aufgezeigt. Die einzigen sachlichen Argumente
in dieser Position kommen tatsächlich (oder leider?) von den Piraten.
Wer die Website(s) der Piratenpartei durchkämmt, wird in Sachen Transparenz schnell erschöpft und ernüchtert sein: Nicht einmal die Quellen ihrer Finanzen legt die Partei offen. Sie schützt vor, dass sie ja noch im Aufbau sei oder "dass das noch etwas dauert". Doch wenn nicht mal das kleine Häufchen aufrechter Netzwerkadministratoren in der Lage ist, sich selbst transparent zu machen, welche unglaublichen Bürokratien werden wir brauchen, um den totalen Transparenzstaat zu schaffen - und zu kontrollieren? Ein Alptraum.
Urheberrecht dient nicht der Privatheit
Wie es die Piraten mit dem Steuergeheimnis halten, hätte mich interessiert. Stattdessen ein Dreh zum Urheberrecht: der harte Kern des Rechts auf Privatheit? Ich dachte, das Urheberrecht handelt von veröffentlichten Werken. Wer Privates privat halten will, der veröffentlicht halt nicht. Herr Hank, so wie Sie den Begriff Privatheit dehnen, könnte man ihn ebensogut als Argument gegen die Erbschaftssteuer missbrauchen.
Au weia, die FAZ und die Piraten
Die Liebesaffäre der FAZ mit den jungen Piraten treibt
merkwürdige Blüten. Und dann auch manchmal so was dorniges wie
diesen Artikel hier.
Ich bin ja bei Piraten-Kritik immer gern dabei und noch viel lieber,
wenn es um die Feststellung geht, daß die Liberalität der
Piraten bestenfalls "Links mit ein bißchen Liberal" ist.
Aber dieser Artikel verlangt dann doch Widerspruch.
1. "Wenn es aber um den harten Kern des Rechts auf Privatheit, den
Schutz des privaten (geistigen) Eigentums geht" schreibt Herr Hank.
Die Behauptung geistiges Eigentum sei der harte Kern des Rechts aufs
Privatheit ist nicht nur steil, sondern schlicht abwegig.
2. Geistiges Eigentum ist ein juristisches Konstrukt. Die Entwicklung
der letzten 20 Jahre hat gezeigt, daß der gesetzliche Rahmen
für dieses Konstruk nicht mehr zeitgemäß ist. Bei aller
Geringschätzung des Piratenphänomens: Deren Vorschläge
und Diskussion zum Thema geistiges Eigentum sind das einzige, wo sie
brillieren und notwendig sind.
Der Staat muss transparent sein, nicht der Bürger!
Ich denke, hier liegen einige Missverständnisse vor.
So wie ich die Piraten verstehe, wollen sie den transparenten Staat,
nicht den gläsernen Bürger. Den „informationellen
Datenstriptease“ des Privatbürgers fordern wohl eher die
Anhänger der Vorratsdatenspeicherung, also die meisten etablierten Parteien.
Transparenz mach zudem NICHT blind. Jeder Bürger soll das Recht
haben, sich informieren zu können, nicht die Pflicht, dies auch zu
müssen. Wenn zB die relevanten Daten eines örtlichen
Bauvorhabens per Internet eingesehen werden können, ist es für
interessierte Bürger wesentlich einfacher zu ergründen, warum
Unternehmer B und nicht A den Zuschlag bekam und wo die Ausschreibung
schon „passgenau“ manipuliert wurde. Gerade in solchen
Fällen macht fehlende Pflicht zur Transparenz Korruption und
Geldverschwendung erst möglich.Könnte es hier
möglicherweise einen Zusammenhang dazu geben, dass die etablierten
Parteien die Einhaltung internationaler Antikorruptionsstandards bisher verhindern?
Privatsphäre und Geistiges Eigentum
Privatsphäre (Freunde, Krankheiten, Aufenthaltsorte, Kommunikationsverhalten etc.) hat mit Geistigem Eigentum (geschaffene Werke) überhaupt nichts zu tun. Das ist ja wohl ein Totalausfall in der Argumentation.
Es wird Zeit, dass sich die Piraten für Autorenrechte stark machen
Die Piraten sollten sich einfach nochmal neu zu dem Schutz geistigen Eigentums erklären. Dann würde schnell klar, dass sie zu Unrecht diskriminiert werden. Sie sollten klar und deutlich darauf verweisen, dass es insbesondere durch der Anwendung von Patentrechten zu einer grossen Benachteiligung der Allgemeinheit kommt. Über wissenschaftliche Forschung erlangtes Know-How muss zur allgemeinen Sicherung des Fortschritts verwendet werden und Fortschritt ist insofern auch zu rehabilitieren, wenn es um die Alltagsbelange geht. Fortschritt musste insbesondere wegen der Atomenergie in Misskredit gebracht werden, da es auf diesem Feld tatsächlich schnell zu mörderischen Folgen kommen kann. Das Vorenthalten medizinischen Fortschritts gegenüber der Allgemeinheit aber ist ein Skandal. Das Vorenthalten von Lebenschancen für breite Massen durch eine Politik der Reichenförderung ist ebenso inakzeptabel.
Die Mafia hat die staatlichen Behörden schon so weit unterwandert,
dass es total egal ist, ob nun mehr transparenz herrscht oder nicht.
Oder glauben Sie ernsthaft, ein schlecht bezahlter Ermittler, der mit
Frau und 2 Kindern nur einen unwesentlich besseren Lebensstandard
genießt als ein vergleichbarer Hartz4-Bezieher, sich allzusehr
sträubt, "kleine Infos" für gutes Geld rauszugeben
(oder auch "große Infos" für richtig gutes Geld)?
Denken Sie mal drüber nach.
Wo wir gerade dabei sind: eine österreichische Studie schätzt
die Korruptionskosten in D für 2012 auf 300 Milliarden Euro. Also
kommen Sie mir bitte nicht mit "sowas gibts nur in Filmen" o.ä.
Vorsicht
Mit diesen Angaben wäre ich sehr vorsichtig, da sie maximal
ungenaue Näherungswerte darstellen können. Korruption beruht
darauf, dass sie nicht bekannt wird. Daraus folgt, dass ihr Umfang
extrem schwer zu schätzen ist (diese Zahl ist nebenbei auch
vollkommen absurd). Ich hätte außerdem gern den Verweis auf
diese österreichische Studie.
Von Mafia in Deutschland zu reden ist auch nicht mehr wirklich
zeitgemäß - ich würde da eher von organisiertem
Verbrechen reden und einzelnen Beamten, die sich zu ihrem Gehalt (das
weit über dem eines Hartz-IV Empfängers ist) etwas dazuverdienen.
... ist privat, wenn's aus dem Mund raus ist, ist es öffentlich. Das muessen manche erst noch lernen bevor sie den Mund aufmachen. Geheimniskrämerei hat nichts mit Privatsphäre zu tun, wer dies immer wieder vermischt will nur Angst schüren zur eigenen Besitzstandswahrung. Der Trend zu groesserer Transparenz kann aber nur verlangsamt werden, nicht aufgehalten. Also: Hosen runterlassen...
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 05.04.2012 20:57 UhrWenn sich zwei Menschen
in einem leeren Park auf einer Bank über die Farbe ihres Klopapiers unterhalten, ist das noch lange nicht öffentlich. Und nur weil sie es nicht für die Öffentlichkeit bestimmt halten, ist das noch lange keine verdächtige Geheimniskrämerei. Die totale Transparenz gibt es nicht und sie würde auch niemandem etwas nützen, weil die vorhandenen Informationen auch dann weiterhin nur selektiv zur Meinungsmache verbreitet würden. Siehe Günter Grass: ich wette, dass 90% der - bezahlten und unbezahlten - Kommentatoren das Gedicht nicht gelesen haben, obwohl es allen zur Verfügung stünde. Siehe Christian Wulff: er musste - berechtigt oder nicht - dem politischen Druck weichen, der letztlich darin bestand, dass man sich so viele Verdächtigungen ja wohl nicht ausdenken könne. Wer's glaubt...
Die Welt der Daten und Informationen ändert sich momentan ziemlich flott. Wenn man einmal ganz zwanglos davon ausgeht, dass z. B. alle Aktivitäten im Internet Informationen über den Aktiven erzeugen, dann kommt eine Menge Daten über diese Person zusammen. Natürlich werden die von unseren Mächtigen nicht missbraucht! Versichern zumindest die Mächtigen immer und überall. Wenn der junge Mensch, der im Netz "lebt" aber so sehr ausforschbar ist, dann scheint die Forderung nach Transparenz auch der Mächtigen geradezu zwingend. Wir werden neue Lösungen brauchen. Die Piraten erkennen wenigstens das Problem und schlagen Lösungen vor. Beim Stichwort Privatheit bekäme die Stasi einen Lachkrampf. Transparenz wessen für wen?
Schutz der Gangster durch die Piraten
Wenn alles offengelegt wird, erhält unter anderem die Mafia Informationen über Verfolger. Sie können rechtzeitig reagieren. Die Bezeichnung Piraten trifft den Nagel auf den Kopf. Sie bekommen Freibriefe von einer Partei, um die anderen zu verfolgen. So hat Drake und andere die spanischen Schatzschiffe geplündert. Wo errichten die Piraten ihre Schutzinsel? Welche Partei ergreift die Koalition mit ihnen?
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 06.04.2012 02:04 UhrPiraten != Piraten
Nein, die Piraten unterstützen keineswegs Piraterie in irgendeiner
Form. Sie haben den Namen von einer schwedischen Partei übernommen
die sich dazu anders verhalten mag, aber Fakt ist nunmal, dass sehr
viele Piraten-Mitglieder den Namen nicht für sich und die Partei
treffend finden, wollen ihn aber auch nicht ändern, da er sich dazu
eignet Aufmerksamkeit zu erregen.
Und nein, die Piraten wollen auch das Urheberrecht nicht abschaffen,
sondern bloß reformieren. Diese Partei ist sehr bürgerlich
und konservativ - fast so sehr wie mancher Redakteur.
Offenlegung unerwünscht?
Nanu, bis jetzt war doch bei uns jeder so wahnsinnig begeistert von Wikileaks. Die Piraten nennen sich doch gerade deshalb Piraten, weil sie Piraterie betreiben wollen. War das etwa jemandem nicht klar?
Rainer Hank Jahrgang 1953, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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