01.11.2009 · Der Energiekonzern RWE hat Spekulationen zurückgewiesen, wonach Iran am Bau der geplanten Gasleitung „Nabucco“ von der Türkei über den Balkan nach Österreich beteiligt werden könne. Das sei abwegig, sagte ein Sprecher am Sonntag.
Von Andreas MihmDer Energiekonzern RWE hat Spekulationen zurückgewiesen, wonach Iran am Bau der geplanten Gasleitung „Nabucco“ von der Türkei über den Balkan nach Österreich beteiligt werden könne. Das sei abwegig, sagte ein Sprecher am Sonntag. RWE ist eines von sechs Unternehmen, die die Leitung von 2011 an bauen wollen. Der Sprecher reagierte damit auf einen Agenturbericht, nach dem ein hochrangiger Manager des staatlichen iranischen Gasexport-Konzerns über inoffizielle Gespräche mit europäischen Firmen über eine Beteiligung an dem Projekt berichtet habe.
„Ohne Iran wird die Nabucco-Pipeline auf keinen Fall ihren Betrieb aufnehmen“, wurde der Mann von der halbamtlichen iranischen Nachrichtenagentur zitiert. Die Türkei, die als Gashandelsdrehscheibe Iran, Irak, Nahost und das kaspische Becken mit Europa verbinden will, hatte für eine Beteiligung Irans plädiert. Sie will sich an Nabucco beteiligen, aber auch das konkurrierende russische „South Stream“-Projekt befördern. Politisch gelten jedoch sowohl die Beteiligung Irans am Bau der Pipeline als auch der Import iranischen Gases derzeit als ausgeschlossen. Mehrfach hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewarnt, sie würde dann ihre Unterstützung für das 7 Milliarden Euro teure Projekt entziehen.
RWE: Um Pipeline zu füllen ist kein iranisches Gas nötig
Man benötige kein iranisches Gas, um die Pipeline zu füllen, beeilte sich Stefan Judisch, Chef der RWE-Tochtergesellschaft Supply & Trading, festzustellen. Mit Aserbaidschan, Irak und Turkmenistan stünden „mehr als genug Lieferanten für Nabucco zur Verfügung“. Erste Verträge würden 2011 geschlossen. Für RWE sei Iran kein mögliches weiteres Mitglied im Konsortium. „Es gibt dazu weder Gespräche noch Planungen.“ Iran verfügt zwar nach Russland über die zweitgrößten Gasreserven der Welt. Allerdings ist das Land Netto-Importeur von Gas wie auch von Benzin, weil Förder- und Aufbereitungstechniken wegen westlicher Sanktionen unzureichend sind.
Über „Nabucco“, die Russlands Einflusszonen umgeht, sollen von Ende 2014 an jährlich bis zu 30 Millionen Kubikmeter Gas vor allem aus dem kaspischen Raum nach Europa fließen. Der Kontinent soll so unabhängiger von russischen Lieferungen werden.
In den vergangenen Jahren war es wegen des schwelenden Gasstreits zwischen Russland und dem Transitland Ukraine mehrfach zu Versorgungsengpässen gekommen. Zuletzt hatte auch Frankreich Interesse an einer Beteiligung an Nabucco geäußert.
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