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Pendler : 70 Minuten sind okay, eineinhalb Stunden nicht

  • Aktualisiert am

Parkplatz für Pendler Bild: AP

Deutschlands Arbeitnehmer sind Tag für Tag länger unterwegs als es ihnen lieb ist. Maximal 70 Minuten mögen die Beschäftigten einer Studie zufolge für die gesamte Fahrtstrecke investieren. In der Realität sind es eineinhalb Stunden - für durchschnittlich 44 Kilometer Fahrweg.

          Deutschlands Arbeitnehmer sind Tag für Tag deutlich länger unterwegs als es ihnen lieb ist. Das ergab eine aktuelle Befragung von mehr als 800 Beschäftigten im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad.

          Der Studie zufolge beläuft sich der Weg zur Arbeit und wieder nachhause auf durchschnittlich 44 Kilometer. Für diese Strecke sind die Pendler eineinhalb Stunden unterwegs.

          Ein Drittel der befragten Beschäftigten ist mit der benötigten Zeit für den Arbeitsweg unzufrieden. Maximal 70 Minuten sind die Beschäftigten bereit, pro Tag für die gesamte Fahrtstrecke zu investieren - also 20 Minuten weniger als der gegenwärtige Durchschnitt. Trotz dieser Unzufriedenheit sehen rund zwei Drittel der Befragten keine Möglichkeit, die langen Fahrtzeiten zu reduzieren.

          Zeit des Pendelns - Zeit der Entspannung?
          Zeit des Pendelns - Zeit der Entspannung? : Bild: dpa

          Sie fahren Auto - und seien es nur fünf Kilometer

          „Hier sind auch die Arbeitgeber gefragt“, lautet das Resümee von Personaldienstleister Randstad. Den Arbeitnehmern zufolge ermöglichen nur 40 Prozent der Unternehmen ihren Beschäftigten flexible Arbeitszeitgestaltung. Heimarbeit wird lediglich von jeder zehnten Firma angeboten. Stattdessen wird den Beschäftigten von 22 Prozent der Arbeitgeber ein Umzug in die Nähe der Arbeitsstelle abverlangt.

          Wie die Studie weiter ergab, fahren mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Befragten mit dem Auto zur Arbeit. Selbst die Hälfte derjenigen, die weniger als fünf Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt wohnen, nutzen das Auto - obwohl mehr als ein Viertel aller Beschäftigten regelmäßig bis zu dreimal pro Woche auf dem Weg zur Arbeit im Stau steht und zu spät kommt.

          Immerhin nehmen mehr als ein Viertel der Befragten das Fahrrad oder gehen zu Fuß. Das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs nutzen lediglich 19 Prozent der Arbeitnehmer. Jeder fünfte Beschäftigte ist täglich mit mindestens zwei Verkehrsmitteln unterwegs. Eine Fahrtkostenerstattung irgendeiner Art bekommen nur rund 30 Prozent aller Beschäftigten von ihrem Arbeitgeber.

          „Pendeln macht die Leute besonders unglücklich“

          Zum Opfer fallen der langen Pendelzeit insbesondere spontane Freizeitaktivitäten. Männer beklagen häufiger als Frauen, dass ihnen der lange Arbeitsweg Zeit für die Familie raubt. Private Verpflichtungen wie die Erledigung von „Papierkram“ bleibt bei rund einem Viertel aller Befragten auf der Strecke. Einen Trotz gibt es laut Randstad: „Immerhin betrachtet jeder vierte Beschäftigte die tägliche Fahrzeit auch als Moment der Entspannung.“

          Auch Wissenschaftler haben sich schon mit dem Thema Pendeln beschäftigt. „Pendeln macht die Leute besonders unglücklich“, sagt etwa der Züricher Ökonom Bruno Frey. Nur Arbeitslosigkeit und körperliche Behinderungen werden als ähnlich schlimm empfunden. Mit jeder Minute Pendeln pro Tag sinkt das allgemeine Wohlbefinden der Arbeitnehmer. Schon bei 20 Minuten Fahrtzeit verringert sich die Zufriedenheit um zwölf Prozent.

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