Home
http://www.faz.net/-gqg-757gn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Digitale Exzellenz

Paritätischer Gesamtverband „Armut ist auch politisch verursacht“

Für die wachsende Armut macht der Paritätische Gesamtverband die Bundesregierung mitverantwortlich. Vor allem der Abbau öffentlich geförderter Beschäftigung sowie eine „steuerpolitische Umverteilung von unten nach oben“ werden angeprangert.

© dapd Vergrößern Besonders dramatisch ist die Lage in den Bundesländern Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen

Der Paritätische Gesamtverband hat die Bundesregierung für die wachsende Armut in Deutschland mitverantwortlich gemacht. „Diese Entwicklung ist auch politisch verursacht“, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider am Donnerstag in Berlin. Er kritisierte in diesem Zusammenhang den Abbau öffentlich geförderter Beschäftigung sowie eine „steuerpolitische Umverteilung von unten nach oben“. Auch eine Reihe von Sparmaßnahmen wie die Streichung des Elterngeldes für Hartz-IV-Empfänger und der Energiekostenkomponente beim Wohngeld wirkten armutsverstärkend.

Der Paritätische Gesamtverband forderte von den Regierenden ein Sofortprogramm, um der Armut entgegenzuwirken. Schneider bekräftigte die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn, Mindestrenten und einem Mindestarbeitslosengeld I sowie dem Wiederausbau öffentlich geförderter Beschäftigung, der Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze sowie einer Reform des Wohngeldes. Ergänzt werden müssten diese Sofortmaßnahmen durch langfristige strukturpolitische Maßnahmen besonders in der Bildung und bei der Jugendhilfe.

Mehr zum Thema

Spätestens seit dem Jahr 2011 ist nach Einschätzung des Verbandes die Lage in Deutschland von einer noch relativ konstanten Armutsgefährdung hin zu einer deutlichen Zunahme gekippt. Aufgrund der Daten des vergangenen Jahres müsse im Mehrjahresvergleich „ein klarer Aufwärtstrend“ festgestellt werden - trotz sinkender Arbeitslosenquoten. Laut Schneider ist dies ein Hinweis auf das Problem nicht auskömmlicher Beschäftigungsverhältnisse. Er sprach von „einer Amerikanisierung des Arbeitsmarktes“, die von Seiten der Politik teilweise „bewusst vorangetrieben“ worden sei.

Besonders dramatisch ist die Lage dem Bericht zufolge in den Bundesländern Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Sachsen-Anhalt und Sachsen mit Armutsgefährdungsquoten von rund 20 Prozent und mehr. Der am deutlichsten negative Trend aber sei in Nordrhein-Westfalen und hier besonders in den Städten des Ruhrgebiets festzustellen. Schneider sprach hier von einem „armutspolitischen Erdrutsch“. Besorgniserregend sei die Entwicklung aber auch in Berlin und in Rheinland-Pfalz. Als armutsgefährdet gilt jemand, dessen Einkommen weniger als 60 Prozent des Durchschnittswerts beträgt.

Quelle: FAZ.NET/AFP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Soziale Ungleichheit Wohlfahrtsverbände sehen Armut auf Rekordhoch

In Deutschland habe die Armut ein neues Rekordhoch erreicht, schreibt der Paritätische Wohlfahrtsverband. Neben dem Ruhrgebiet entpuppe sich der Großraum Köln und Düsseldorf als neue Problemregion. Mehr

19.02.2015, 13:14 Uhr | Wirtschaft
Merkel sieht AfD weiterhin als Protestpartei

Die CDU bleibt in Sachsen mit großem Abstand stärkste Partei vor der Linken. Allerdings erreichten die Christdemokraten ihr bisher schwächstes Ergebnis seit der deutschen Einheit. Bundeskanzlerin Angela Merkel machte deutlich, dass sie in der AfD weiterhin eine Protestpartei sehe. Mehr

01.09.2014, 14:33 Uhr | Politik
Tarifverhandlungen gescheitert Lehrer streiken ab Dienstag

Im Tarifkonflikt für den öffentlichen Dienst der Länder gibt es ab Dienstag bundesweite Warnstreiks an den Schulen. Auch Unikliniken und der Küstenschutz sind betroffen. Mehr

27.02.2015, 13:44 Uhr | Wirtschaft
Alternative Fracking Umweltrisiko oder wirtschaftliche Chance?

Die Firma Central European Petroleum testet gerade in Mecklenburg-Vorpommern die Möglichkeit, eine bereits vorhandene Ölförderstelle durch Fracking weiter auszubeuten. Greenpeace bezeichnet das Vorhaben als unverantwortlich. Aufgeschreckt auch durch kritische Berichte aus den USA haben Anwohner Angst vor den Folgen. Mehr

30.10.2014, 09:33 Uhr | Wirtschaft
Was Sie heute erwartet Griechenland will Eurogruppe Hilfsantrag vorlegen

<p> Die griechische Regierung will am Donnerstag bei der Eurogruppe eine <strong>Verlängerung der finanziellen Hilfen beantragen</strong>. Offen bleibt die wichtigste Frage: Ist die neue Athener Regierung... Mehr

19.02.2015, 07:33 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.12.2012, 13:20 Uhr

Finanzinvestoren werden bescheidener

Von Klaus Max Smolka

Einst als „Heuschrecken“ geschmäht, tun die Beteiligungsprofis heute alles, um nützlich zu wirken. Mehr 1 2


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Milliardenschwere Startups

Ein Startup, das eine Milliarde Dollar wert ist - ist das noch eine Besonderheit? Scheint nicht so. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden