http://www.faz.net/-gqe-76f7d

Olli Rehn : Währungskommissar fürchtet Abwertungswettlauf

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

EU-Währungskommissar Olli Rehn hat vor einem Abwertungswettlauf der Weltwährungen gewarnt. In Währungsfragen müssten sich die Staaten besser koordinieren.

          EU-Währungskommissar Olli Rehn fürchtet zwar keinen Zerfall der Eurozone, wohl aber einen Abwertungswettlauf wichtiger Währungen. Die Euro-Staatsschuldenkrise werfe zwar vor allem im sozialen Bereich noch Schatten, sagte Rehn dem österreichischen Magazin „Profil“ in einem am Samstag vorab veröffentlichten Interview. „Aber das Horrorszenario, also der Zerfall der Eurozone, ist gebannt.“ Was die Gefahr eines Währungskrieges angehe, bekannte Rehn: „Ich
          erkenne die Gefahr einer kompetitiven Abwertung“. Notwendig seien daher Reformen im Weltwährungssystem und eine bessere Koordinierung in Währungsfragen im Rahmen von G7, G20 oder IWF.

          Vor allem die deutliche Lockerung der japanischen Geld- und Fiskalpolitik, in deren Folge der Yen nachgab, hat Sorgen vor einem Währungskrieg angefacht. Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte angesichts eines kräftigen, wenn auch nur vorübergehenden, Kursanstiegs des Euro eine aktive Wechselkurspolitik im Euro-Raum gefordert. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi hatte daraufhin erklärt, man werde den Euro-Kurs genau beobachten - was diesen  auf Talfahrt schickte. Hollande zeigte sich in Brüssel von Draghis Äußerungen und ihren Folgen hocherfreut.

          Währungskommissar Olli Rehn.
          Währungskommissar Olli Rehn. : Bild: AFP

          Rehn sagte nun, die Kommission habe Japan erst kürzlich vor Schritten in Richtung Yen-Abwertung gewarnt, die den Exporten des Landes helfen würden. Er zitierte eine Studie, nach der ein stärkerer Euro vor allem die südlichen Euro-Länder negativ treffen würde. Deutschland und andere Staaten Zentral- und Nordeuropas dagegen könnten das verkraften.

          In der Euro-Schuldenkrise machte Rehn Fortschritte selbst in Griechenland aus. Die Länder müssten aber auf Reformkurs bleiben. Der Kampf gegen die Krise sei noch nicht gewonnen. „Es ist eine sehr fragile Situation“, warnte Rehn mit Blick auf neue Unruhen an den Märkten wegen politischen Unsicherheiten in Spanien und Italien. Bis zu einem Abklingen der sozialen Krisenfolgen werde es noch längere Zeit dauern.

          Beim Euro-Krisenfall Zypern kündigte Rehn eine harte Haltung an. „Da wird es sehr strenge Auflagen geben“, sagte er. „Es ist enorm wichtig, dass Zypern einen Staatsbankrott und einen Euro-Austritt vermeidet.“ Das Land selbst müsse einiges tun - etwa stärker gegen Geldwäsche und Steuerflucht vorgehen. Kritisch äußerte sich Rehn über den Kompromiss im EU-Budgetstreit. Er beklagte einen Trend, der EU zwar immer neue Aufgaben zu geben, aber sie nicht ausreichend mit Mittel auszustatten.

          Quelle: FAZ.net / Reuters

          Weitere Themen

          Das Parlament übertrumpft May Video-Seite öffnen

          Brexit-Veto : Das Parlament übertrumpft May

          Die britischen Abgeordneten werden beim endgültigen Austritt aus der Europäischen Union das letzte Wort haben. Dafür stimmten im Parlament am Mittwoch nicht nur die Mitglieder der Opposition.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Trumps verbotene Wörter : Triggerwarnung für Republikaner

          Die amerikanische Regierung erklärt bestimmte Worte für unerwünscht, bestreitet aber, dass es sich um Zensur handelt. Tatsächlich dient die Anweisung vor allem dazu, rechtskonservative Abgeordnete zu besänftigen.
          „Eine lange Hängepartie darf es nicht werden“, sagte der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther

          GroKo-Verhandlungen : Union erhöht Druck auf SPD

          Die Sozialdemokraten sind weiter uneins hinsichtlich möglicher Gespräche über eine neue Regierungsbeteiligung. Auf eine Hängepartie wollen sich CDU-Politiker aber nicht einlassen.

          Umstrittene Sandwesten : Auf Sand vertraut

          Seit Jahren tragen Kinder in deutschen Schulen schwere Westen, damit sie stillsitzen. Interessiert hat das keinen. Bis jetzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.