http://www.faz.net/-gqe-7i9e3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 08.10.2013, 18:16 Uhr

Ökostrom-Förderung EEG-Umlage steigt auf 6,3 Cent

Die Ökostrom-Umlage wird nach Informationen der F.A.Z. im kommenden Jahr von 5,3 auf 6,3 Cent je Kilowattstunde steigen. Offiziell soll das erst am nächsten Dienstag verkündet werden.

von und
© dpa Vor einiger Zeit war sogar ein Anstieg auf 7 Cent je Kilowattsunde denkbar, nun steigt die EEG-Umlage wohl nur auf 6,3 Cent.

Die Umlage zur Finanzierung des Ökostroms steigt im nächsten Jahr um einen Cent auf dann 6,3 Cent je Kilowattstunde. Das erfuhr die F.A.Z. am Dienstag aus Kreisen der an der Festlegung Beteiligten. Offiziell soll die ab Januar geltende neue Umlagehöhe, die damit um fast ein Fünftel steigt, am nächsten Dienstag verkündet werden.

Manfred Schäfers Folgen: Andreas Mihm Folgen:

Die Umlage müssen die meisten Verbraucher zahlen. Für einen typischen 4-Personenhaushalt mit einem Verbrauch von 4500 Kilowattstunden kommen damit Mehrkosten von 45 Euro im Jahr zu. Auf Single-Haushalte knapp 20 Euro.

Weitgehend befreit von der Umlage sind rund 2400 Betriebe und Betriebsstätten sowie eine wachsende Zahl von Groß- und Kleinverbrauchern, die ihre Elektrizität selbst erzeugen. Der Anstieg der Umlage wird der schon laufenden Debatte um die Reform des EEG neue Nahrung geben.

Grüne gegen Systemwechsel in der Ökostromförderung

Gleichwohl lehnten die Grünen grundlegende Änderungen an der Ökostromförderung vor den für Donnerstag angesetzten Gesprächen mit der Union ab. Ihr energiepolitischer Sprecher Oliver Krischer sagte: „Es soll keinen Systemwechsel geben.“ Strom aus Sonne und Wind sei günstiger als solcher aus Gas und Kohle. Ein Wechsel zu einem anderen Förderkonzept würde nur zu neuen Lernkosten führen. Die EEG-Umlage könnte auf dem aktuellen Niveau von 5,27 Cent je Kilowattstunde bleiben, wenn Ausnahmen für die Wirtschaft zurückgeführt würden, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn.

Was kostet der Strom im Haushalt? Energieverbrauch: Was kostet der Strom im Haushalt? © F.A.Z. Interaktiv 

Nach einer Kurzstudie im Auftrag der Fraktion ist allein die Hälfte der erwarteten Erhöhung der Umlage auf den von den Ökostromerzeugern ausgelösten Preisverfall an der Strombörse zurückzuführen. Zu einem weiteren Viertel sind demnach die wachsenden Ausnahmen zugunsten der Wirtschaft für die höhere Belastung der Verbraucher verantwortlich. „Der Anstieg der EEG-Umlage geht nur auf einen geringen Anteil von 13 Prozent (0,9 Milliarden Euro) auf den Zubau von EEG-Anlagen zurück“, heißt es darin. Selbst ohne Zubau von Windrädern und Photovoltaikanlagen gäbe, stiegen die Kosten.

Mit Vorschlägen für den „Energiemarkt der Zukunft“ hat sich am Dienstag auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) zu Wort gemeldet. Darin verlangt er eine deutliche Preissteigerung für Kohlendioxidzertifikate. Dies sei der wichtigste Hebel, um den Strompreis an der Börse zu heben und damit bessere Bedingungen für den Einsatz moderner, effizienter und umweltfreundlicher Gaskraftwerke zu schaffen.

Mehr zum Thema

Auch beim EEG sieht der SRU Veränderungsbedarf. Statt die Förderung auf 20 Jahre zu bemessen, solle jeder Anlage eine bestimmte geförderte Strommenge zugesprochen werden. Das erhöhe den Anreiz der Betreiber, dann Strom zu erzeugen, wenn er marktfähig sei. Entsprechend müssten alle Betreiber neuer Anlagen zum Direktvertrieb ihres Stroms gezwungen und die Marktprämie fortentwickelt werden. Die Marktprämie ist eine Art Versicherung für den Fall, dass der Erzeuger am Markt weniger bekommt, als die Einspeisevergütung ausgemacht hätte.

Langfristig werde ein modernes Energiesystem auf Wind- und Sonnenstrom basieren, schreibt der SRU. Biogas habe keinen Platz. Wegen hoher Kosten und ökologischer Folgen sollte ein Ende „der Förderung der Anbau-Biomasse unbedingt erwogen werden“.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Investoren verwirrt Rätselhafte Energiepolitik

Wie viel Geld muss ein Betrieb für Strom zahlen? Auf diese Frage brauchen Betriebe auf Standortsuche eine Antwort. In Wiesbaden ist sie kaum zu finden. Mehr Von Thorsten Winter, Wiesbaden

17.05.2016, 18:40 Uhr | Rhein-Main
Video Fluss in Flammen

Um zu zeigen, welche Auswirkungen das Fracking-Verfahren haben könnte, zündet der australische Grünenabgeordnete Jeremy Buckingham mit einem Feuerzeug Methangas an, das auf dem Fluss Condamine treten soll. Der Energiekonzern und Betreiber der Fracking-Anlage Origin Energy sagte laut Medienberichten, dass die Ursache für den Gasaustritt in dem Fluss nicht das Fracking sei. Mehr

26.04.2016, 08:15 Uhr | Gesellschaft
Erneuerbare Energie Bund will Ausbau von Windanlagen reduzieren

In einigen Bundesländern soll das Ausbau-Tempo von Windkraft-Anlagen gedrosselt werden. Damit sollen hohe Zusatzkosten wegen fehlender Leitungen verhindert werden. Die würden zulasten der Verbraucher gehen. Mehr Von Andreas Mihm, Berlin

25.05.2016, 06:57 Uhr | Wirtschaft
Neuseeland Gelungener Start für NASA-Forschungsballon

Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa hat in Neuseeland einen riesigen Forschungsballon in die Atmosphäre steigen lassen. Der riesige Ballon soll die Erde in einer Höhe von über 33 Kilometern umrunden. Mehr

17.05.2016, 19:35 Uhr | Gesellschaft
Altersvorsorge Arbeitgeber fordern höhere Riester-Förderung

Die Arbeitgeber schalten sich mit einem Grundsatzpapier in die Rentendebatte ein: Die Riesterrente müsse mehr gefördert werden. Außerdem sollen auch Selbstständige zur Altersvorsorge verpflichtet werden. Mehr

17.05.2016, 13:22 Uhr | Wirtschaft

Das Weihnachtsgeld ist kein fauler Trick

Von Hendrik Wieduwilt

Zählt das Weihnachtsgeld zum Gehalt – oder ist es nur ein fauler Trick, um den Mindestlohn zu umgehen? Die Arbeitsrichter haben eine gute Entscheidung getroffen. Mehr 5 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Nachteile für Migranten Viele Türken in Deutschland sind arm

Weniger Einkommen, weniger Wohnraum, weniger Bildung: Die Lebensverhältnisse vieler Migranten sind schwierig – auffällig stark gilt das für Bürger türkischer Herkunft. Mehr Von Dietrich Creutzburg, Berlin 100 145

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden